Es sind kleine Gesten, die große Wirkung entfalten: Im Rahmen ihrer jüngsten Spendenaktion übergab der Verein Zeit für Solidarität/Dayanışma Zamanı (ZfS) e.V. jetzt 182 handgefertigte Strickwaren an das Essener Frauenhaus. Schals, Mützen und Pullover sollen dort künftig Frauen und Kindern Wärme spenden – nicht nur körperlich, sondern auch emotional.

  • Die Lokalredaktion Essen ist auch bei WhatsApp! Abonnieren Sie hier unseren kostenlosen Kanal: direkt zum Channel!

Hinter dieser Spende steht eine besondere Form ehrenamtlichen Engagements: das Strick-Café von ZfS, in dem seit Dezember zahlreiche Frauen – viele von ihnen mit Migrationsgeschichte – Woche für Woche zu Wolle und Nadeln griffen. Insgesamt kamen auf diese Weise alleine in diesem Winter bereits mehr als 300 Strickstücke zusammen, die Bedürftigen in Essen zugutekamen.

Verein aus Essen-Altendorf mit besonderen Wurzeln

Der Verein wurde nach den verheerenden Erdbeben vom 6. Februar 2023 in der Türkei und Syrien gegründet und setzt sich seitdem, unterstützt vom Altendorfer Bürgerverein, für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ein. Neben akuten Hilfsaktionen zur Deckung dringender Bedürfnisse macht der Verein mit sozialen Kampagnen auf die Notlagen von Menschen weltweit aufmerksam. Im vergangenen Jahr organisierte ZfS die Aktion „Zusammenhalt stricken: Ein Schal für die Freundschaft“, um Schals für Erdbebenbetroffene in der Türkei und Marokko sowie für Kriegsopfer in der Ukraine zu sammeln.

Die diesjährige Winteraktion richtete den Blick nun stärker auf die eigene Stadt: Menschen in Essen, die von Armut oder Gewalt betroffen sind, sollten im Fokus stehen. So entstanden in den vergangenen Monaten nicht nur Schals und Mützen für wohnungslose Menschen, die der Verein Fairsorger e.V. verteilen konnte, sondern auch zahlreiche Kleidungsstücke für die soziale Einrichtung Kreuz+Quer in Altendorf. Die Aktion zugunsten des Essener Frauenhauses krönte die diesjährige Initiative. Innerhalb von nur zwei Wochen kamen 182 Strickstücke zusammen: 54 Schals für Erwachsene, 48 Kinderschals, 31 Oberteile und 49 weitere Stücke wie Socken oder Stulpen. Jedes einzelne Produkt ist handgearbeitet und ein Unikat. Mittlerweile ist die Zahl weiter gewachsen.

Cem Şentürk: „Wärme spenden, Gemeinschaft stiften“

Die Strick-Cafés von ZfS sind dabei mehr als eine Produktionsstätte für Textilien. Sie sind Orte der Begegnung, der gelebten Nachbarschaft und der sozialen Teilhabe. Im Gespräch berichtet Cem Şentürk, einer der Gründungsvorsitzenden, dass die Initiative maßgeblich von den strickenden Frauen selbst getragen wurde. „Unsere Frauen kamen mit dem Wunsch auf uns zu, sich in diesem Jahr speziell für bedürftige Menschen in Essen zu engagieren“, erzählt er.

BORBECK: Thema Obdachlose in der Borbecker Bahnhofshalle.  Obdachlose iübernachten mit ihren Sachen in der Bahnhofshalle in Essen Borbeck.
Ein Teil der selbst hergestellten Strickwaren gingen an obdachlose Menschen in Essen. Die Verteilung übernahm der Verein Fairsorger e.V.© FUNKE Foto Services | Kerstin Kokoska

Şentürk arbeitet für das Essener Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI). Viele der Teilnehmerinnen haben selbst Migrationsbiografien, kommen aus der Türkei, der Ukraine oder dem Libanon. Andere wiederum sind in Essen geboren und aufgewachsen. Im Strick-Café sitzen sie Seite an Seite, tauschen Geschichten aus, üben die deutsche Sprache oder sprechen über die Herausforderungen des Alltags.

Montag - Samstag

Essen in 3 Minuten: Jetzt kostenlos anmelden!

Geben Sie uns drei Minuten! Wir liefern den vollen Durchblick ins Postfach. Täglich um 6 Uhr - auch zum Hören.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

In dieser Mischung aus Solidarität und Gemeinschaft liege das Besondere an der Aktion: Stricken, so Şentürk, sei nicht nur ein kreatives Handwerk, sondern auch eine Form, aktiv Verantwortung zu übernehmen. „Mit den eigenen Händen etwas für einen Menschen in Not herzustellen, das ist ein sehr direktes, fast intimes Zeichen der Verbundenheit.“

Hilfe für das Essener Frauenhaus

Dass sich dieser Ansatz bewährt hat, zeigt nicht zuletzt die wachsende Zahl der Teilnehmenden. Mittlerweile umfasst die WhatsApp-Gruppe des Strick-Cafés 41 Frauen unterschiedlichster Herkunft. „Wir haben erlebt, dass gemeinsames Handarbeiten Barrieren abbauen kann“, sagt Şentürk. Wo zuvor Sprachunsicherheiten oder kulturelle Unterschiede Hemmnisse darstellten, entstehe im kreativen Tun ein Raum für Begegnung auf Augenhöhe. Dabei bleibt das Strick-Café nicht auf die Vereinsräume beschränkt. Im vergangenen Jahr konnte ZfS etwa für mehrere Wochen einen leerstehenden Raum im Altendorfer Einkaufszentrum Globus nutzen und damit die Öffentlichkeit einladen, sich spontan zu beteiligen.

Zeit für Solidarität

„Zeit für Solidarität/Dayanışma Zamanı“ ist eine Essener Hilfsorganisation, die sich lokal, national und international der Förderung von Solidarität, Toleranz und sozialer Gerechtigkeit widmet. Gemeinsam mit dem Altendorfer Bürgerverein sowie weiteren lokalen und regionalen Partnern hat man ie Aktion „Zusammenhalt stricken“ ins Leben gerufen.

Das Ziel dieser Initiative ist es, das Bewusstsein für die Notlagen der Opfer von humanitären Krisen, Kriegen und Naturkatastrophen besonders in Anbetracht Winters zu schärfen und gleichzeitig den Zusammenhalt vor Ort zu stärken.

In diesem Jahr richtet sich der Fokus auf die eigene Stadt: Unter anderem wurde das Essener Frauenhaus unterstützt.

Adresse: Zeit für Solidarität/Dayanisma Zamani (ZFS) e.V., c/o ZfTI, Altendorfer Str. 3, 45127 Essen.

Kontakt für weitere Informationen: zusammenhalt@zfs.info oder auf www.zfs.info.

Besonders am Herzen lag dem Verein in diesem Winter die Unterstützung für das Essener Frauenhaus. Die Einrichtung bietet Frauen und Kindern Schutz, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. „Gewalt hat viele Gesichter“, erklärt die Verantwortliche Nina Schulte. Körperliche Übergriffe, psychische Gewalt, ökonomische Abhängigkeit – die Frauen, die hier Zuflucht suchen, bringen oft schwere Geschichten mit. Umso bedeutsamer sei eine Spende wie die von ZfS: „Die Strickwaren sind nicht nur praktische Hilfe, sondern auch eine wichtige emotionale Unterstützung für die Betroffenen.“

Engagement aus Altendorf mit Zukunftsperspektive

Für den Verein „Zeit für Solidarität/Dayanışma Zamanı“ ist die Winteraktion nicht der Abschluss, sondern der Auftakt für weitere Projekte. Im Mai will man mit verschiedenen Partnern beraten, wie das Format Strick-Café langfristig ausgebaut werden könnte – etwa als dauerhaftes Nachbarschaftsangebot. Perspektivisch könnte so ein Modell entstehen, das nicht nur textile Wärme produziert, sondern auch den sozialen Zusammenhalt im Stadtteil stärkt.

Für die Mitglieder von ZfS zähle jede einzelne Masche, betont Şentürk. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Spaltung, wirtschaftlicher Unsicherheit und wachsender sozialer Not komme es auf solche Zeichen der Solidarität an: „Mit einem Schal kann man vielleicht nicht die Welt retten. Aber man kann einem Menschen zeigen, dass er nicht vergessen ist.“

[Essen-Newsletter hier gratis abonnieren | Folgen Sie uns auch auf Facebook, Instagram & WhatsApp | Auf einen Blick: Polizei- und Feuerwehr-Artikel + Innenstadt-Schwerpunkt + Rot-Weiss Essen + Lokalsport | Nachrichten aus: Süd + Rüttenscheid + Nord + Ost + Kettwig und Werden + Borbeck und West | Alle Artikel aus Essen]