Nach einem dramatischen Vorfall in der Manteuffelstraße im Essener Südostviertel ermittelt die Polizei wegen des Verdachts auf ein Sexualdelikt. Im Raum steht der Vorwurf der Vergewaltigung. Am Donnerstag (23.1.) fingen Passanten eine nackte 19-Jährige auf, die aus einem Fenster im ersten Stock eines Mehrfamilienhauses springen wollte. Ein Mann (35), ebenfalls komplett nackt, hielt sie noch an den Haaren fest.

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Die Frau schrie: „Ich sterbe heute, ich werde vergewaltigt!“ Nur durch den beherzten Einsatz von Passanten konnte wohl Schlimmeres verhindert werden. Die 19-Jährige kam in eine Klinik. Zu den genauen Hintergründen des Vorgangs gibt es jetzt einige Aufklärung.

Polizei Essen ermittelt wegen des Verdachts auf ein Sexualdelikt

Was bislang bekannt ist: Zum Zeitpunkt des Vorfalls hielten sich der Mann (35) und zwei Frauen (26 und 19) in der Wohnung auf. Nach Angaben von Polizeisprecher Hendrik Heyer sei es „zu sexuellen Handlungen“ gekommen. In welchem Verhältnis der Mann zu den Frauen steht, sei noch unklar. Der 35-Jährige sei jedenfalls mit keiner der Frauen verheiratet.

Ein Mann (45) und seine Tochter (19) wohnen direkt gegenüber, wurden durch die Hilfeschreie der Frau gegen 17.15 Uhr aufgeschreckt. „Die Frau war absolut außer sich, und wir sind von der Sache sehr geschockt“, sagt der Vater am Tag danach.

Nachbarn sind geschockt: „Die Zustände hier sind nicht mehr hinnehmbar“

Die an der Tat Beteiligten hielten sich am Donnerstagnachmittag in der Wohnung auf, die als möbliertes und voll ausgestattetes Apartment vor allem von Geschäftsreisenden gebucht wird. Im Haus sind fünf solcher Apartments. „Erst vor wenigen Wochen waren drüben Bauarbeiten, die Apartments gibt es noch nicht lange, wir haben uns schon gewundert“, sagt der 45-Jährige. Die Wohnungen existieren seit November.

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Der Betreiber der Apartments widerspricht entschieden Gerüchten in der Nachbarschaft, dass man die Domizile auch stundenweise anmieten könne. Man sei ein seriöses Unternehmen. Tatsächlich sind die Wohnungen regulär auch über „Booking.com“ buchbar; eine Wohnung kostet zum Beispiel derzeit 129 Euro pro Nacht. Die an der dramatischen Tat Beteiligten sind offenbar Angestellte einer Sicherheitsfirma. Die Firma hatte das Domizil für mehrere Tage angemietet.

An der Haustür hängen fünf Schlüsselkästen mit Zahlenschlössern. Sie sind für die Mieter der Apartments.
An der Haustür hängen fünf Schlüsselkästen mit Zahlenschlössern. Sie sind für die Mieter der Apartments.© Martin Spletter | Martin Spletter

„Wir wohnen seit 2019 hier, und langsam reicht es. Es ist bestimmt der zehnte, schwerwiegende Polizeieinsatz, seit wir hier leben. Hier muss dringend etwas passieren“, sagt der Vater im Gespräch mit unserer Redaktion vor Ort. Erst vor einem Jahr ist er von der Polizei mit einem Zivilcourage-Preis geehrt worden, weil er im Februar 2023 einen Raubüberfall auf eine 61-Jährige vereiteln konnte. Schauplatz war damals ebenfalls die Manteuffelstraße.

Diese liegt im Südostviertel in der Nähe der Saarbrücker Straße; unweit der Steeler Straße in einem gemischten Viertel. Im Januar 2023 war die Manteuffelstraße ebenfalls in den Schlagzeilen: Damals hatte ein Mann auf offener Straße seine Schwiegermutter erstochen.

WAZ.de ist für diesen Artikel vom Presserat gerügt worden. Das Gremium bewertete den Text als „unangemessen sensationelle Darstellung“. Laut Beschwerdeausschuss wurde hier das mutmaßliche Opfer einer Straftat in einer hilflosen Lage – und noch dazu nackt – gezeigt. WAZ.de habe zudem die Sorgfaltspflicht verletzt, da die Redaktion die mutmaßliche Vergewaltigung zunächst als „Sex-Drama“ bezeichnet habe. Sowohl diese Formulierung als auch das Bild waren von der Redaktion bereits kurz nach der ersten Veröffentlichung korrigiert worden. Die Redaktion bedauert diese erste Veröffentlichung.

Zudem hatten wir in einer vorherigen Version dieses Artikels den Namen des Anwohners und seiner Tochter genannt und auch ein Foto gezeigt. Nach der Veröffentlichung wurden die beiden nach eigenen Angaben massiv bedroht und wir haben sie anonymisiert.

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