Ein ganz starker erster Durchgang hat am Samstag den Grundstein gelegt, dass Judo-Bundesligist Sport-Union Annen seinem eigenen Anspruch mal wieder gerecht werden konnte, die Nase knapp vor Revier-Rivale JC 66 Bottrop zu haben. Am Ende trennte die beiden Teams nicht viel - erst der 14. und letzte Kampf entschied das Duell mit 8:6 für die Wittener.

Ganz so glücklich über den Ausgang war Bottrops Trainer Markus Wallerich nicht: „Ich fand die Kampfrichter-Leistung heute nicht gut - das habe ich vorhin auch schon zum Ausdruck gebracht“, sagte er nach dem spannenden Match vor rund 300 Zuschauenden am Kälberweg. „Es gab zwei, drei Kämpfe, die aus meiner Sicht klar verschiedst worden sind - daher ist die Niederlage hier ärgerlich und eigentlich unverdient.“ Mit der Leistung seines Teams in Annen war er indes absolut einverstanden: „Die komplette zweite Runde war absolut top - nach dem klaren Rückstand zur Pause haben wir es noch mal spannend gemacht. Wir sollten also dennoch stolz nach Hause gehen“, sagte Wallerich.

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Beide Mannschaften konnten nicht ihre bestmögliche Formation auf die Matte schicken. Verletzungen, Erkrankungen sowie Abstellungen zu internationalen Turnieren erschwerten die Aufgabe der jeweiligen Trainerteams. „Am Ende hat es unsere Mannschaft geschafft, hier den Hexenkessel mal wieder anzuzünden - insgesamt war das eine sehr geschlossene Leistung“, stellte SUA-Coach Stefan Oldenburg fest.

Judo-Bundesliga: SU Annen gegen JC 66 Bottrop
Nach seiner langen Wettkampfpause setzte sich Sirotullo Ikramov (li.) von der SU Annen in seinem ersten Kampf vorzeitig gegen Oleg Gusev (JC 66 Bottrop) durch, gewann später auch gegen Dzohar Bekbuzarov.© FUNKE Foto Services | Stephan Lucka

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Dass der erste Durchgang mit einer 5:2-Führung für die Wittener endete, damit war gewiss vorher nicht gerechnet worden. Doch zwei Kämpfer der Sport-Union wuchsen gegen Bottrop förmlich über sich hinaus. Maurice Püchel sorgte in der 81-kg-Klasse durch seinen Sieg gegen den früheren Internationalen Hamsat Isaev für das zwischenzeitliche 1:1, zeigte einen beeindruckenden Kampf und landete gleich zwei Yuko-Wertungen gegen den favorisierten Judoka. Teamkollege Lukas Romahn (-66 kg) knüpfte an seine exzellente Vorstellung bei den Deutschen Pokalmeisterschaften in der Vorwoche an, wo er Silber gewonnen hatte. „Den Schwung und das Momentum hat er mitgenommen“, so Oldenburg über den wichtigen Sieg gegen Bottrops Leistungsträger Florian Böcker, der die SUA mit 3:2 in Führung brachte. Danach punkteten die beiden Niederländer Mistral Janssen (-100 kg) und Simeon Catharina (+100 kg) in souveräner Manier, ließen die Gastgeber erstmal davonziehen.

Es gab zwei, drei Kämpfe, die aus meiner Sicht klar verschiedst worden sind - daher ist die Niederlage hier ärgerlich und eigentlich unverdient.

Markus Wallerich,, Trainer des JC 66 Bottrop

Gemeinsam mit Trainerkollege Marcel Haupt sprach Oldenburg dann in der Pause das taktische Konzept für Durchgang Nummer zwei ab. „Wir mussten dann ein bisschen pokern. Ich hatte darauf spekuliert, dass wir die drei Kämpfe in der 81- und 90-kg-Klasse sowie im Schwergewicht gewinnen“, so Stefan Oldenburg, der in Runde eins den angeschlagenen Alessio Murrone (-60 kg) gegen Nicolas Kutscher abschenken ließ. Und exakt dieses Vorgaben ging letztlich auf - wobei die Wittener aufgrund der sich nun deutlich steigernden Gäste vom JC 66 schon ein wenig zittern mussten.

Maximilian Murawski hatte im 73-kg-Limit auch im zweiten Anlauf wie erwartet keine Chance gegen den spanischen Internationalen Alberto Martin, der jeweils vorzeitig per Ippon seine Klasse untermauerte. Doch der Niederländer Koen Heg (-81 kg; gegen Hamsat Isaev) und Sirotullo Ikramov (-90 kg; gegen Dzohar Bekbuzarov) feierten bedeutsame Siege für die Gastgeber. Jetzt fehlte Annen nur noch ein Zähler zum Gesamterfolg.

Judo-Bundesliga: SU Annen gegen JC 66 Bottrop
Die Bundesliga-Judoka der Sport-Union Annen setzten sich am Samstag mit 8:6 gegen den JC 66 Bottrop durch, bleiben in der Tabelle vor dem NRW-Rivalen.© FUNKE Foto Services | Stephan Lucka

EM-Bronzegewinner Simeon Catharina bekommt seinen zweiten Sieg geschenkt

Ganz so leicht wollte es der JC 66 Bottrop dem ewigen Rivalen aber nicht machen. Drei Kämpfe in Serie gingen an das Team von Markus Wallerich und Jan Tefett. Stark der Auftritt von Youngster Eugen Müller (-60 kg) gegen Philip Utzig, auch Florian Böcker (-66 kg; gegen Marek Zimmermann), dem Wallerich zu viel Risiko in seinem ersten Duell vorwarf, und Oleg Gusev (-100 kg; gegen Maurice Püchel) gewannen für die Gäste. Nur noch 7:6 also. Doch wirklich spannend wurde es auf der Matte nicht mehr, weil Bottrops angeschlagener Valid Edilov das Schwergewichts-Duell gegen Simeon Catharina abschenkte. Für die Zuschauenden recht enttäuschend, dass der JC-66-Kämpfer gleich die Hand hob, es so zu keinem Showdown kam.

Im Gegensatz zu Wallerich fand Stefan Oldenburg die Kampfrichter-Leistung am Samstag „völlig okay“, lediglich beim Püchel-Sieg gegen Isaev hatte es seiner Ansicht eine leichte Bevorteilung der SUA gegeben. „Ich bin froh, dass wir heute Bottrop mal wieder schlagen konnten. Ganz wichtig war, dass unsere niederländischen Kämpfer alle vier Punkte eingesammelt haben“, stellte Oldenburg klar.

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Die Statistik zum Kampf:

(73 kg) Murawski - Martin 0:10; (81 kg) Püchel - Isaev 5:0; (90 kg) Ikramov - Gusev 10:0; (60 kg) Murrone - Kutscher 0:10/Aufg.; (66 kg) Romahn - Böcker 5:0; (100 kg) Janssen - Sauerwald 10:0; (+100 kg) Catharina - Wendt 10:0 // (73 kg) Murawski - Martin 0:10; (81 kg) Heg - Isaev 5:0; (90 kg) Ikramov - Bekbuzarov 10:0; (60 kg) Utzig - Müller 0:10; (66 kg) Zimmermann - Böcker 0:7; (100 kg) Püchel - Gusev 0:10; (+100 kg) Catharina - Edilov 10:0/Aufg.