Organisatorisches Talent besitzen die Macher beim JC 66 Bottrop. Das haben die Verantwortlichen um Jan Tefett schon zu Genüge unter Beweis gestellt. Seit Jahren stehen der Teammanager der Bottroper Judoka und die weiteren Vorstandsmitglieder bei den 66ern in der Verantwortung, durchdenken jeden Schritt und planen in alle Richtungen, um einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen. So etwa auch am zurückliegenden Samstag, der für die „Piraten“ gar einen Doppelkampftag bereit hielt: Sowohl das Herrenteam als auch die Frauenmannschaft waren jeweils in der Bundesliga gefordert. Die JC-Männer empfingen nach ihrem Auftaktsieg das Spitzenteam aus Hamburg zum zweiten Saisonkampf, für die 66er-Frauen war es das Jahresdebüt gegen den amtierenden Meister Speyer. „So ein Tag ist immer besonders“, äußerte sich Tefett, der die zweifache Belastung unter anderem mit einem Mehraufwand in puncto Planung, aber auch mit viel Spannung und Vorfreude verbindet.

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Dass für die Bottroper Bundesligateams im Judo-Oberhaus an diesem Wochenende keine Punkte herausspringen sollten, war aus Sicht des JC 66 zwar schade. Denn sowohl die Herrenmannschaft (4:10 gegen Hamburg) als auch die Frauen (6:8 gegen Speyer) mussten vor heimischem Publikum Niederlagen einstecken. Was die Judoka jedoch voll und ganz begeisterte, war einmal mehr die Kulisse, die als äußerst positiv empfunden wurde. „Wir werden als Judoka und als Verein durchaus wahrgenommen“, freute sich Tefett und spielte auf gut besuchte Ränge in der Dieter-Renz-Halle als Heimkampfstätte der Bottroper an. Erneut waren über 300 Zuschauer Teil der JC-Kämpfe. „Damit war gar nicht mal unbedingt zu rechnen, immerhin sind an diesem Wochenende die Ferien gestartet und das Wetter war hervorragend. Aber es zeigt uns, dass das Interesse an dem, was wir tun, da ist.“

Einlauf der Teams: In der Judo-Bundesliga kämpften der JC 66 Bottrop gegen das Hamburger JT.
Einlauf der Teams: In der Judo-Bundesliga kämpften der JC 66 Bottrop gegen das Hamburger JT.© FUNKE Foto Services | Thomas Gödde

Judo: Heimkämpfe sollen Event werden

Zudem wurde seitens der 66er ein breites Rahmenprogramm geboten, das weit über die eigentlichen Ligakämpfe hinausragte. So startete der Tag mit einer Trainingseinheit unter der Leitung von Ronja Buddenkotte, der rund 40 Kinder beiwohnten. Tefett: „Wir verfolgen auch mit Blick auf die Zukunft einige Ideen und wollen aus den Heimkämpfen Events machen. Dahingehend sind alle voll bei der Sache.“ Für die Verantwortlichen wie den JC-Teammanager, Herrencoach Markus Wallerich und Frauentrainer Frank Urban startete die Arbeit jedoch schon wesentlich früher, wie Tefett verriet: „So ein Heimkampftag geht für uns eigentlich immer von Freitag bis Sonntag, denn es ist einiges zu planen und zu organisieren.“ Schon weit im Voraus wird geplant, welche Athleten für welches Ligaduell bereit stehen. Auch eine Taktik wird zugrunde gelegt, mögliche gegnerische Judoka werden per Videoanalyse studiert. „Ausländische Judoka müssen zudem vom Flughafen abgeholt und in Hotels untergebracht werden“, so Tefett. Der Italiener Enrico Bergamelli etwa, der für den JC gegen Hamburg in der Klasse bis 100 kg auflief, landete am Samstagmorgen in Düsseldorf.

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„Auch für einige Kämpferinnen aus dem Frauenteam war es an diesem Tag ein ungeheures Pensum“, erzählte Tefett. Unter anderem war Bottrop-Eigengewächs Helen Habib noch am gleichen Tag vor dem Bundesligaduell gegen Speyer zur EM-Vorbereitung am Standort Köln in vier Testkämpfen aktiv und kam erst kurzfristig in Bottrop an. Tefett: „Am Ende des Tages war sie absolut platt. Dieser Einsatz verdient großen Respekt.“ Zwei Stunden vor dem ersten Kampf stand das Treffen an der Halle auf dem Plan, in wessen Rahmen einige Absprachen erfolgten. Tefett: „Da werden in der Regel nochmal Einzelheiten besprochen. Schon zuvor machen manche Athleten Gewicht und gehen eigens dafür nochmal in die Sauna oder ergreifen anderweitige Maßnahmen, um beim Einwiegen das passende Gewicht aufzubringen.“

Enrico Bergamelli vom JC 66 Bottrop (vorne) gegen Hamburgs George Udsilauri.
Enrico Bergamelli vom JC 66 Bottrop (vorne) gegen Hamburgs George Udsilauri.© FUNKE Foto Services | Thomas Gödde

Judo: Emotionaler Ausgleich nach großem Kampf

Den Auftakt vor eigenem Publikum machten schließlich die JC-Frauen, die nach einer dürftigen ersten Runde und einem 2:5-Pausenstand im zweiten Durchgang zu einer starken Aufholjagd ansetzten. „Es war sehr emotional, als Helen dann nach weit über sieben Minuten Kampfzeit zum 6:6 ausglich“, führte der Teammanager aus. Zwar musste das Urban-Team in den entscheidenden zwei Duellen noch Niederlagen hinnehmen, sodass am Ende eine Heimniederlage stand. Der Stolz dürfte bei den 66erinnen nach dem Kraftakt gegen den Titelträger jedoch überwiegen. Gleiches gilt für die JC-Herren, die dem Hamburger Judo-Team, welches seit jeher zur deutschen Spitze zählt, nach Kräften zu trotzen versuchten. „Es wäre noch mehr drin gewesen“, beschrieb Tefett, der auch Wallerich am Mattenrand vertrat.

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Sinnbildlich sei an diesem Tag der Kampf von Nikita Djadin gewesen, der zunächst punktete und nur knapp an einem Sieg vorbeischrammte, gleich in der nächsten Szene aber entscheidend vom Hamburger Raphael Akoto auf die Matte befördert wurde. „Unsere Teams sind noch sehr jung und in Teilen natürlich auch unerfahrener. Aber es ist ein Entwicklungsprozess erkennbar.“ Als kleiner Meilenstein sei der erste Bundesligaerfolg von U18-Athlet Konstantin Distel auszumachen, der den Hamburger Gerrit Noack besiegte. „Insgesamt war der Respekt vor dem Gegner groß. Teilweise waren wir etwas zu ungestüm“, so Tefett. Doch er ist sich sicher: Der Bottroper Judo-Club ist auf dem richtigen Weg. Das soll auch künftig weiter unter Beweis gestellt werden.