In eigener Sache

Cyberangriff: Warum die WAZ nur als Notausgabe erscheint

Andreas Tyrock, Chefredakteur der WAZ, wendet sich an die Leserinnen und Leser: Der Hackerattacke auf die Zeitung beeinträchtigt die Produktion der Zeitungsseiten weiter in einem erheblichen Maße. Das Archivbild zeigt Andreas Tyrock (links) im Essener Newsroom im Gespräch mit Lesern (Anfang März 2020).

Andreas Tyrock, Chefredakteur der WAZ, wendet sich an die Leserinnen und Leser: Der Hackerattacke auf die Zeitung beeinträchtigt die Produktion der Zeitungsseiten weiter in einem erheblichen Maße. Das Archivbild zeigt Andreas Tyrock (links) im Essener Newsroom im Gespräch mit Lesern (Anfang März 2020).

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Service

Essen.   Nach einem Cyberangriff läuft die Zeitungsproduktion nur im Notbetrieb. WAZ-Chefredakteur Andreas Tyrock wendet sich an die Leserinnen und Leser.

Liebe Leserin, lieber Leser!

Journalisten schreiben normalerweise nicht in der Ich-Form. Heute möchte ich eine Ausnahme machen und mich als WAZ-Chefredakteur persönlich an Sie wenden. Wie bereits mehrfach berichtet, ist die FUNKE Mediengruppe, zu der auch die WAZ gehört, am Dienstag vergangener Woche Opfer eines schweren Hackerangriffs geworden. Dieser Angriff hält unvermindert hart an.

Betroffen sind zahlreiche zentrale Computersysteme an allen Funke-Standorten in Deutschland. Viele Medien berichten bundesweit und schildern die ungeheure Dimension der Attacke, bei der die Täter die Daten auf den IT-Systemen verschlüsselten und vorerst unbrauchbar machten. Die FUNKE Mediengruppe setzte nach dem Angriff sofort eine Taskforce aus Technik-Experten ein, die seitdem unter Hochdruck nach Lösungen suchen.

Normales Arbeiten ist nicht möglich

Eingeschaltet wurden auch Staatsanwaltschaft und Datenschutz-Behörden, das Landeskriminalamt leitet die Ermittlungen. Um weitere Schäden an der Technik zu verhindern, wurden sämtliche IT-Systeme heruntergefahren. Damit sind alle Redaktionssysteme und die gesamte Technik für die Zeitungsproduktion ausgeschaltet, ein ansatzweise normales Arbeiten ist aktuell nicht möglich.

Die Zeitungsseiten werden, vielerorts im Homeoffice, quasi von Hand gebaut. Alle Texte und Überschriften werden in Telefonaten zwischen Mediengestaltern und Redaktion Wort für Wort abgestimmt, Fotos sehr aufwendig eingearbeitet. Ähnlich kompliziert verhält es sich in den Druckereien, so dass auch keine Lokalseiten veröffentlicht werden können.

Dies sind, zudem in Zeiten der Corona-Pandemie, die schwierigsten Produktionsbedingungen, die die WAZ in den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten erlebt. Deshalb ist es derzeit unmöglich, Ihnen die WAZ in gewohnter Qualität und gewohntem Umfang zu liefern. Dennoch sind unsere Reporterinnen und Reporter weiterhin in den Städten und der Region unterwegs, um aktuell und umfassend zu informieren.

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Dass angesichts dieser Situation überhaupt eine WAZ mit 24 Seiten gedruckt und als E-Paper veröffentlicht werden kann, ist der herausragenden Leistung aller beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken, die auch über Weihnachten intensiv im Einsatz waren und bei denen ich mich hiermit ausnahmsweise öffentlich bedanken möchte.

Dank an unsere Leser für Ihr Verständnis

Herzlich danken möchte ich auch Ihnen, liebe Leserinnen und Leser! Es gab fast keine Beschwerden - im Gegenteil, sehr viele von Ihnen haben sich an uns gewandt und uns den Rücken gestärkt, uns Mut zugesprochen. Wir alle hoffen, dass dieser Spuk bald vorbei ist. Bis dahin werden unsere Redaktionen und alle beteiligten Abteilungen weiterhin alles tun, um Ihnen in dieser extremen Lage die bestmögliche WAZ zu liefern. Versprochen! Und nochmals vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung! 

Ihr Andreas Tyrock,

Chefredakteur Westdeutsche Allgemeine Zeitung

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