„Rellinghauser im Ersten Weltkrieg“, so ist eine Broschüre überschrieben, die die Stadtteilhistoriker Johannes Stoll und Udo Kiesendahl jetzt veröffentlicht haben. Der Sammelband bündelt bisherige Veröffentlichungen zum Thema seit 2002. Die Texte gehen auch darauf ein, wie rasant sich das Leben der Rellinghauser während des Krieges veränderte.

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Dass die Internierung deutscher Zivilisten in England für mehrere Jahre auch durchaus positive Seiten für die Betroffenen hatte, wird vermutlich viele überraschen. Doch die Betroffenen entgingen als Häftlinge oftmals schweren Verletzungen oder gar dem Tod, weil sie nicht in das eigentliche Kriegsgeschehen einbezogen waren.

In Essen-Rellinghausen veränderte der Erste Weltkrieg den Alltag massiv

Andere hatten dagegen als Soldaten schlimme Erlebnisse an der West- und Ostfront zu verarbeiten. In der Broschüre gibt es andererseits Schilderungen, wie friedlich es nur wenige Kilometer hinter den Frontlinien in Nordfrankreich zuging. Ein Kapitel beschreibt, wie das verwahrloste Kriegerdenkmal an der Amselstraße/Frankenstraße, das die Namen der 462 Gefallenen trägt, von einer Privatinitiative wieder instandgesetzt wurde. Ein weiteres Kapitel geht auf die Zustände in Rellinghausen während des Krieges ein, die sich mit der Dauer der Kampfhandlungen immer weiter verschlechterten.

Unterricht fiel teilweise aus

In den Texten der Historiker Valeska und Klaus Lindemann wird beispielsweise beschrieben, wie Wehrpflichtige aus Rellinghausen von ihren Familien Abschied nahmen und wie sich die Einberufenen den Glockenberg hinauf zu den Sammelplätzen in der Altstadt bewegten. Das tägliche Leben in Rellinghausen veränderte sich damals schrittweise. Das betraf verschiedene Aspekte des Alltags. So mussten Lokale um 22 Uhr schließen, Frauen eingezogener Männer hatten ein Anrecht auf freie Arztbehandlung und Säuglingsmilch für zehn Pfennig pro Liter, wie die Autoren herausgefunden haben.

Schüler wurden in Essen-Stadtwald militärisch ausgebildet

Schon im Dezember 1914 war die Gottfried-Wilhelm-Schule in der gleichnamigen Kolonie geräumt worden, da die Räume für die militärische Ausbildung von Schülern genutzt werden sollten. Im Rahmen der Ausbildung bauten Schüler auf dem Gelände der heutigen Schillerwiese Feldbefestigungsanlagen wie Schützengräben, Hindernisse aus Draht und Unterstände. Für die Besichtigung dieser Anlagen wurde nach Erkenntnis der Historiker ein Eintrittsgeld von zehn Pfennig zugunsten des Roten Kreuzes erhoben.

Zwei Blockhäuser auf der Mondscheinwiese im Stadtwald wurden nach den Recherchen der Historiker als Erholungsräume genutzt. Wegen Lehrermangels konnte Schulunterricht nur noch in begrenztem Umfang stattfinden, Lebensmittel gab es nur noch rationiert und auf Karten. Auch für Kleidung und Schuhe waren Bezugsscheine erforderlich.

Die Broschüre enthält eindrucksvolle Fotos aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, wie hier vom Abzug der Soldaten.
Die Broschüre enthält eindrucksvolle Fotos aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, wie hier vom Abzug der Soldaten.© WAZ Essen | Archiv Stoll

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Hunger beherrschte den Alltag vieler Rellinghauser, die Lebensmittelpreise stiegen massiv. Um Lebensmittel selbst anzubauen, wurde in Rellinghausen ein Gartenbauverein gegründet. Auch wild wachsendes Gemüse wie Brennnesseln oder Löwenzahn sollte verzehrt werden, so ein Appell an die Bevölkerung.

Im kalten Winter 1916/17 erfroren viele Menschen in Essen-Rellinghausen

Auch in anderen Bereichen wurde der Alltag eingeschränkt, hat das Ehepaar Lindemann recherchiert. Fahrräder durfte man nicht mehr für Vergnügungsfahrten nutzen. Die Pocken brachen aus, und der Mangel an Kohle zum Heizen führte im harten Winter 1916/17 zu zahlreichen Todesfällen in der Zivilbevölkerung.

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Die 90-seitige Broschüre ist ab sofort für 15 Euro erhältlich in der Buchhandlung Leselust, Frankenstraße, bei Lotto/Toto Schlüsener am Rathaus Rellinghausen und der Tankstelle Goldmann, Frankenstraße.