Vitamin- und mineralstoffreich, wohlschmeckend und dazu noch kalorienarm: Erdbeeren gehören im Sommer zu den liebsten Obstsorten der Deutschen. Doch in diesem Jahr müssen Verbraucherinnen und Verbraucher deutlich tiefer in die Tasche greifen.

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Zwischen 5,50 und sechs Euro sind derzeit für ein 500-Gramm-Schälchen Erdbeeren aus örtlicher Produktion in den Essener Hofläden zu zahlen. Nur in den Supermärkten und Discountern ist deutsche Ware günstiger. Wovon der Preis abhängt, erläutert Nikolas Weber, Vorsitzender der Kreisbauernschaft der Ruhrgroßstädte Essen, Mülheim (Ruhr), Duisburg und Oberhausen.

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Wetter beeinflusst Preise und Erntequalität

„Erdbeerpreise sind Tagespreise“, sagt der Landwirt vom Oberschuirshof. Was sich im Übrigen nicht nur in den hofeigenen Läden zeigt, sondern auch in einigen Supermärkten: Die Essener Edeka-Filialen haben in ihren Prospekten beispielsweise keine Preisauszeichnung für Erdbeerschalen, sondern verweisen auf den „aktuellen Tagespreis“.

Erdbeerfeld Steinmann
Erdbeerpflanzen und ihre Früchte sind sehr empfindlich gegenüber der Witterung.© FUNKE Foto Services | Lars Fröhlich

Das habe vor allem mit der Witterung zu tun, erläutert Nikolas Weber. Denn Erdbeerpflanzen und ihre Früchte sind sehr empfindlich. „Die kalten Nächte und der Regen der letzten Tage haben den Pflanzen zugesetzt.“ Gleiches gelte für zu trockene Phasen im Sommer. Das Risiko, Ernteeinbußen zu erleiden, sei deshalb sehr groß.

Erdbeerpreise sind Tagespreise. Das ist witterungsbedingt. Die kalten Nächte und der Regen der letzten Tage haben den Pflanzen zugesetzt.

Essen - Interview mit Landwirt Nikolas Weber
Nikolas Weber, Landwirt und Vorsitzender der Kreisbauernschaft der Ruhrgroßstädte

Und: Reife Früchte müssen schnell geerntet werden. Eine vollreife Erdbeere bleibt nur etwa ein bis drei Tage an der Pflanze genießbar, bevor sie verdirbt oder überreif ist. Weber: „Noch haben wir keine Freilandware, sondern verkaufen Früchte, die im geschützten Folientunnel wachsen.“ Doch günstiger mache das die Ware deshalb nicht. Dafür seien noch andere Faktoren maßgebend.

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Preise steigen wegen höherer Produktionskosten

Erdbeeren aus Deutschland seien heute laut der Analyse der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft rund 70 Prozent teurer als vor zehn Jahren: 2015 kostete ein Kilogramm heimischer Erdbeeren 3,94 Euro, im vergangenen Jahr lag der Preis für gepflückte Erdbeeren im Schnitt bei etwa 10,50 Euro pro Kilo. Momentan kommt Nikolas Weber auf einen Kilopreis von 9,90 Euro für die roten Früchte, die er von einem Weseler Bauern in seinem Hofladen in Schuir anbietet. 11,50 Euro beträgt der Kilopreis sogar bei Bauer Ridder in Kray für Erdbeeren aus eigener Produktion.

„Teilweise muss ich die gestiegenen Kosten für Dünger, Energie und Personal eben doch weitergeben“, erklärte Landwirt Christian Ridder bereits im April auf Nachfrage dieser Redaktion die Preisgestaltung. Damit liege er noch unter den Anbietern vom Niederrhein. Der Vorsitzende der hiesigen Kreisbauernschaft, Nikolas Weber, kann da seinen Kollegen nur bestätigen: Die gestiegenen Produktionskosten tragen zur Kostenexplosion bei.

Saisonarbeiter Spargel- und Erdbeerhof Heinen
Erdbeeren werden überwiegend von Hand gegerntet, wobei auch auf den Essener Höfen Saisonarbeiter helfen. Der gestiegene Mindestlohn verteuert die Produktionskosten.© FUNKE Foto Services | Lars Fröhlich

Der Mindestlohn ist von acht Euro brutto pro Stunde im Jahr 2016 auf 12,82 Euro im Jahr 2025 (das heißt um 60,25 Prozent) gestiegen. Seit Januar 2026 beträgt der Mindestlohn 13,90 Euro. Und da Erdbeeren überwiegend von Hand geerntet werden, machen Personalkosten bis zu 60 Prozent der Produktionskosten aus. 2026 kommen außerdem externe Effekte wie die Sperrung der Straße von Hormus hinzu, die die Kosten für Diesel und Mineraldünger klettern lassen.

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Bald kann man auf den Essener Höfen selbst pflücken

Wer frische Ware aus regionaler Produktion bevorzugt, muss in den Hofläden vor Ort also damit rechnen, mehr zu bezahlen. In den Supermärkten und Discountern gibt es zwar auch heimische Erdbeeren, doch die kommen teilweise aus weiter entfernten Anbaugebieten. Hier beeinflussen große Stückzahlen den Preis im Laden. So können Ketten wie Lidl, Netto oder Penny ganz anders kalkulieren. Bei Netto kostet in Essen eine 500-Gramm-Schale daher aktuell im Angebot in dieser Woche 2,49 Euro, bei Lidl sind 2,99 Euro zu bezahlen.

Angebot und Nachfrage regelten im Laufe der Saison den Preis, weiß Weber. „Der Druck am Markt lässt im Einzelhandel irgendwann die Preise sinken“, sagt der Landwirt. Für die Verbraucher bleibt zudem noch die Möglichkeit, selbst zu pflücken. Spätestens nach Pfingsten, so Weber, dürften die ersten Freilandfelder in Essen dafür zur Verfügung stehen, zum Beispiel bei Familie Feldmann am Schuirweg oder auf dem Buchholz-Hof an der Meisenburgstraße.