Die Schaufenster sind so sauber, wie vermutlich schon seit Jahren nicht mehr, auch der Bürgersteig wurde gereinigt – es tut sich was am „Pröse-Haus“.

Die Immobilie an der Ecke Karlstraße/Altenessener Straße ist in Altenessen bekannt: zuletzt allerdings weniger wegen ihrer Vergangenheit als Herrenbekleidungsgeschäft „Pröse“, mit geschmückten Schaufenstern und rotem Schriftzug. Sondern eher als Schandfleck, an dessen Fassade Tauben nisteten, die den Bürgersteig verdreckten. Seit etwa fünf Jahren steht das Gebäude leer. 

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Doch seit Tim Pröse und Ellen Krawczyk, die Kinder des schwer erkrankten Eigentümers, die Verwaltung der Immobilien übernommen haben, scheint sich das Blatt zu wenden: „Wir wollen diese Immobilien wiederbeleben“, hatte Tim Pröse vor einigen Wochen erklärt.

Erdgeschoss des Altenessener Geschäftshauses wird zur Ausstellungsfläche

Ausstellung im Pröse-Haus
Mitglieder der AG Bauen und Wohnen haben Bilder für eine Ausstellung in den Schaufenstern aufgehängt. Weitere Ideen sind in Planung. © AG Bauen und Wohnen | AG Bauen und Wohnen

Er hat Wort gehalten: Für die kommenden Wochen und Monate wird das Erdgeschoss der Immobilie kostenfrei der Arbeitsgemeinschaft (AG) Bauen und Wohnen überlassen. Deren Mitglieder kündigen eine „spannende Zwischennutzung“ an: Sie planen „Ausstellungen, andere kreative Projekte und Informationen“ für die Bürger und Bürgerinnen im Stadtteil, in Zusammenarbeit mit der Initiative „Augenblick mal Altenessen“ und der Zeche Carl. Den Auftakt macht die Schaufensterausstellung „Stadtgesichter“, die am Freitag, 2. Mai, eröffnet werden soll.

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Die Ausstellung wurde vor einigen Jahren erstmals in Altenessen präsentiert: auch damals in einem leerstehenden Ladenlokal an der Altenessener Straße, in den Räumen der ehemaligen Nationalbank. Der Fotograf Christoph Stenzel, der selbst seit 30 Jahren in Altenessen lebt, porträtierte dafür Menschen, die in Altenessen arbeiten und hier ihren beruflichen Lebensmittelpunkt haben, zum Beispiel einen Handwerker, einen Kioskbesitzer, eine Ärztin – und 17 weitere.

Zwölf Bilder haben Mitglieder der AG Bauen und Wohnen nun für die Schaufensterausstellung im „Pröse-Haus“ ausgewählt und aufgehängt

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Etwa vier bis sechs Wochen sollen die Schwarz-Weiß-Fotografien in den Schaufenstern gezeigt werden, dann geht es nach den Plänen der AG mit einem anderen Projekt weiter. „Hier soll Dynamik rein“, sagt Marita Kemper von der AG. Man sei beispielsweise mit Studierenden der Folkwang-Universität in Kontakt. „Wir sind noch dabei, unterschiedliche Angebote zu organisieren. Vielleicht können wir auch Schulen aktivieren, das ist eine weitere Idee.“

Arbeitsgemeinschaft für die Zukunft des Stadtteils

In der „AG Bauen und Wohnen“ haben sich nach einer Altenessen-Konferenz Bürger und Bürgerinnen aus Altenessen mit Menschen vernetzt, die in Altenessen in Unternehmen, Vereinen und Institutionen tätig sind bzw. Immobilien besitzen.

Zum aktiven Kreis gehören aktuell etwa 15 Personen, deren gemeinsames Anliegen „das bürgerschaftliche Engagement für die Zukunftsgestaltung von Altenessen“ ist. Sie wollen die Attraktivität des Stadtteils erhöhen, indem sie etwa gegen Leerstand vorgehen.

Begleitet wird die Arbeit durch das Institut für Stadtteilentwicklung, sozialraumorientierte Arbeit und Beratung (ISSAB). Zudem bestehen Kooperationen mit anderen Initiativen und Projekten zur Stadtteilentwicklung, etwa dem Verein IG Altenessen, der „Auf Carl gemeinnützige GmbH“, der Initiative „Augenblick mal Altenessen“, der „Bürgerinitiative gegen den wilden Automarkt“ (Bigwam) und der Akademie für Bildung und Soziales.

Anlässlich der Eröffnung können Interessierte nicht nur die Fotos im Schaufenster betrachten, sondern auch das Ladenlokal besichtigen. Das soll perspektivisch wieder einen Geschäftsbetrieb beherbergen: Gefragt seien „kreative Konzepte in den Bereichen Handel, Gastronomie, Kultur und Freizeit, Dienstleistungen und Wohnen“, so die AG. „Es ist ein Riesenerfolg, dass es für die Problem-Immobilie nun eine Perspektive gibt“, sagt Marita Kemper.

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Langfristig soll die Immobilie verkauft werden. Doch auch eine neue Vermietung schließen die Verantwortlichen nicht aus. Im Hintergrund würden bereits Gespräche mit Interessenten laufen, hatte Makler Volker Höwel bei einem Ortstermin vor einigen Wochen erklärt. Sollten langfristige Verträge geschlossen werden, seien auch Investitionen in das Gebäude denkbar.

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In diesem Zusammenhang weist Marita Kemper auf die beiden Fonds hin, die künftig Geld für Bürgerprojekte und für die Anmietung von Flächen bereitstellen sollen. Konkret geht es um 100.000 Euro jährlich, für zunächst zwei Jahre: Zur Bekämpfung von Leerstand sollen über den „Anmietungsfonds“ jährlich 35.000 Euro bereitgestellt werden; Bürgerprojekte können über den Fonds „Pack an“ mit insgesamt 65.000 Euro jährlich bezuschusst werden.

Die Ausstellungseröffnung findet am Freitag, 2. Mai, 18 Uhr im Pröse-Haus statt. Der Termin soll Raum für Begegnungen und Gespräche bieten. Wer zudem Ideen für die Nutzung der Immobilie hat, kann sich per Mail an die AG Bauen und Wohnen wenden: team@ag-bauen-und-wohnen.de