Kommentar

Trotz Drohungen und Anfeindungen: Wir bleiben standhaft!

Mirco Stodollick

Mirco Stodollick

Foto: Mirco Stodollick Archivbild: Ilja Höpping / Mirco Stodollick

Mülheim.  Rechtsextreme missbrauchen das Leid des Mülheimer Vergewaltigungsopfers, um ihre Menschenverachtung salonfähig zu machen. Das ist abscheulich.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Und waz ich steh morgen bei euch vor der tür und werde den der die scheische hier geschrieben hat über eure überbezahlte info ziehn da könnt ihr ein drauf lassen… Dreckspresse.“

Diesen Post (im Original) setzte dieser Tage ein Besucher unserer WAZ-Seite bei Facebook ab. Diffamierungen, Beschimpfungen, Drohungen – nach unserer Berichterstattung, die offengedeckt hat, dass rechtsextreme Gruppierungen die Mahnwache für das mutmaßliche Opfer der Gruppenvergewaltigung Anfang des Monats auf dem Rathausmarkt organisiert haben, sind an der Tagesordnung. Wir werden geradezu überschwemmt davon.

Die gemeinsame Gesprächsbasis ist verloren gegangen

Am Montag stand ich dann mit sieben gelb bewesteten Damen und einem Herrn auf dem Rathausmarkt bei der nächsten, diesmal aber sehr kleinen Mahnwache. In meinem Leben ist mir noch nie so massiv Ablehnung, mitunter blanker Hass entgegengeschlagen. „Lügenpresse“ – das war noch das Erwartbare, das Harmloseste darunter.

Mehrfach wies ich darauf hin, dass es doch möglich sein müsse, vernünftig miteinander ins Gespräch zu kommen. Es fruchtet nicht mehr. Mülheim nach dem 5. Juli fühlt sich anders an. Die Gruppenvergewaltigung durch fünf minderjährige Bulgaren, darunter gar Zwölfjährige, ist eine abscheuliche Tat gewesen. Für viele Mülheimer ist damit eine rote Linie überschritten. Ausdruck einer gesellschaftlichen Entwicklung, die krank sei.

Die Rechtsextremen lotsen ihre Vasallen in die Stadt

So weit, so richtig: Das subjektive Sicherheitsempfinden hat in den vergangenen Jahren arg gelitten. Auch objektiv ist festzustellen, dass es Sicherheitsprobleme gibt: ob rund um den Hauptbahnhof oder das Forum, ob mit Clans und Rockern im größeren Umfeld um die Eppinghofer Straße. Man denke auch an den Massentumult, der sich im April im Zuge einer einfachen Verkehrskontrolle an der Oberhausener Straße in Styrum aufgetan hat. . .

Dass Rechtsextreme die Gruppenvergewaltigung von Anfang Juli nun aber zu instrumentalisieren suchen, um ihre eigenen menschenverachtenden Positionen salonfähig zu machen, ist zu verabscheuen. Aus allerlei Himmelsrichtungen haben verschiedenste rechte Gruppierungen ihre Vasallen am Sonntag nach Mülheim gelotst.

Es geht ihnen nur vordergründig um das Leid des Opfer

Nicht das Leid des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers war ihnen der Antrieb. Sie wollen die Empörung, Wut und Bestürzung, die in diesem Fall wohl einer sehr großer Teil der Mülheimer Bürger verspürt, für ihre Zwecke vereinnahmen. Ganz schäbig, dass sie es auch noch klammheimlich versucht haben.

Unsere Pflicht als Journalisten ist es, hinter die Dinge zu schauen, Hintergründe offenzulegen. Genau dies haben wir in dieser Woche getan. Wir haben recherchiert, dass ein Wolf im Schafspelz unterwegs ist. Schon der Anmelder der Demo, Harald Berke aus Gelsenkirchen, ist kein unbeschriebenes Blatt in der rechtsextremen Szene. In verschiedensten Städten hat er, der der Bewegung „Patrioten NRW“ zugehörig ist, derartige Demos wie am Sonntag in Mülheim angemeldet. Die Masche ist immer dieselbe: Empörung ausnutzen für die eigenen Zwecke. Möglichst so, dass es viele Teilnehmer solcher Mahnwachen und Demonstrationen gar nicht merken.

In Mülheim ist kein Platz für diese bösen Spielchen der Rechtsextremen

In Mülheim ist kein Platz für diese bösen Spielchen der Rechtsextremen! Sehr wohl ist mehr denn je ein ehrliches Stadtgespräch gefragt. Es gibt die Quartiere, die immer weiter abgehängt werden. Eine Stadtgesellschaft, die in eine harmonische Zukunft schauen will, kann sich das nicht erlauben. Darüber muss mehr geredet werden, auch im Stadtrat. Sachlich, nicht populistisch.

Eines möchte ich zum Schluss noch betonen: Die Redaktion wird standhaft bleiben! Wir lassen uns von Bedrohungen und Anfeindungen nicht einschüchtern.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (29) Kommentar schreiben