„Ich weiß, dass viele, die hier stehen, trauern, noch bangen, keine Nachricht von ihren Lieben haben“, sagte Bundestagspräsidentin Bärbel Bas mit Blick auf die etwa 350 Menschen, die sich am Mittwochabend zum öffentlichen Gedenken an die Opfer der Erdbebenkatastrophe versammelt hatten. „Ich bin in Gedanken bei Ihnen.“

Über der Menschenmenge flatterten in bedrückter Stille die türkische und die syrische Flagge an den Masten vor dem Rathaus. Als kurz darauf in der Dämmerung Imam Niyazi Tok von der DITIB-Merkez-Moschee ein Totengebet anstimmte, waren viele der Männer und Frauen zu Tränen gerührt. Schon wieder.

Der Runde Tisch der Religionen hatte zum öffentlichen Gedenken aufgerufen, um Anteilnahme und Solidarität in Duisburg sichtbar zu machen.
Der Runde Tisch der Religionen hatte zum öffentlichen Gedenken aufgerufen, um Anteilnahme und Solidarität in Duisburg sichtbar zu machen.© FUNKE Foto Services | STEFAN AREND

Den Schmerz vieler Duisburgerinnen und Duisburger mit syrischen oder türkischen Wurzeln nach den verheerenden Beben drückte Deniz Güner aus. Er ist der Sprecher des Runden Tischs der Religionen, der auf Initiative von Oberbürgermeister Sören Link zum öffentlichen Gedenken aufgerufen hatte.

Anteilnahme in Duisburg: Deniz Güner bittet um Absage des Karnevalsumzugs durch Marxloh und Hamborn

Güner zitierte eine türkische Redewendung, wonach man sich als Überlebender bei so viel Leid fast schäme, noch zu atmen. Er appellierte an Link, Bas und den Parlamentarischen Staatssekretär Mahmut Özdemir: Die Behörden sollten unbürokratisch helfen, damit Menschen aus den Katastrophengebieten bei ihren Verwandten in Duisburg unterkommen können.

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OB Link sagte, das Ausländeramt habe „bereits konkrete Maßnahmen ergriffen“, um „pragmatisch helfen zu können“. Duisburgs Solidarität und Hilfe, auch für die Partnerstadt Gaziantep, seien von Dauer. Güner bat Link zudem, sich dafür einzusetzen, aus Rücksicht auf Trauernde in Marxloh und Hamborn den Kinderkarnevalszug dort abzusagen. Eine Reaktion darauf erhielt er während der Gedenkveranstaltung nicht.

Bärbel Bas verurteilt syrisches Regime: „Das dürfen wir nicht zulassen“

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas verurteilte indes das syrische Regime, das internationale Hilfe im Nordwesten des Landes blockiert: Dies sei eine „menschengemachte Katastrophe“ – „das dürfen wir nicht zulassen“.

Gebete sprachen beziehungsweise sangen vor einer abschließenden Schweigeminute neben Imam Niyazi Tok auch Kantor Juri Semski (Jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen), Ilyas Emre (Alevitische Gemeinde Duisburg), Abuna Efraim Kuckhoff (Antiochenisch-Orthodoxe Gemeinde), Pastor Marc Kadima (Église Parole du Soir) sowie Superintendent Dr. Christoph Urban (Evangelischer Kirchenkreis) und Pfarrer Heribert Weinbrenner (Katholische Stadtkirche).

Vertreter der religiösen Gemeinschaften in Duisburg sprachen vor dem Rathaus Gebete.
Vertreter der religiösen Gemeinschaften in Duisburg sprachen vor dem Rathaus Gebete.© FUNKE Foto Services | STEFAN AREND