Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) ist seit Monaten Gegenstand heftiger Diskussionen. Oft wird es auf Schlagworte wie das sogenannte Heizungsgesetz reduziert und emotional überhöht. Doch im Kern geht beim GEG um eine der zentralen Zukunftsaufgaben: die Wärmewende. Deutschland wird seine Klimaziele nur erreichen, wenn wir bestehende Gebäude grundlegend modernisieren.

Das bedeutet: Heizungen müssen auf erneuerbare Energien umgestellt, Gebäudehüllen effizienter gemacht und der Energieverbrauch insgesamt deutlich gesenkt werden. Ohne eine echte Sanierungswelle wird der Gebäudesektor seine Emissionen nicht ausreichend verringern. Die Realität sieht jedoch anders aus.

Heizung: Kosten für die Wärmewende tragen zu oft die Mietenden

Noch immer verbrauchen unsanierte Gebäude enorme Energiemengen, die Sanierungsrate liegt bei lediglich 0,7 Prozent. Damit bewegen wir uns weit unter dem Niveau, das notwendig wäre, um die Klimaziele einzuhalten. Hohe Bau- und Materialkosten, steigende Zinsen und fehlende Anreize bremsen die notwendige Dynamik.

Besonders im Mietwohnungssektor zeigt sich die strukturelle Schieflage: Vermieter tragen die Investitionen, profitieren aber kaum von sinkenden Heizkosten. Mieterinnen und Mieter wiederum könnten von niedrigeren Energiekosten profitieren, sehen sich jedoch häufig durch übermäßige Modernisierungsumlagen belastet. Die Folge: Die Mieter zahlen den Klimaschutz zu oft aus ihrer Tasche.

Was ist die Modernisierungsumlage?

Die Modernisierungsumlage erlaubt Vermietern, bis zu acht Prozent der Modernisierungskosten pro Jahr auf die Miete aufzuschlagen. Die Monatsmiete steigt dadurch oft spürbar. Zwar sinken langfristig die Energiekosten, doch viele Mieterinnen und Mieter zahlen zunächst deutlich mehr. Kritiker sehen darin eine besondere Belastung für Haushalte mit geringem Einkommen.

Wer bezahlt? Kosten für Heizung und Co. teilen

Hier setzt das sogenannte Drittelmodell an, das eine faire Verteilung der Kosten vorsieht. Investitionen sollen damit so zwischen Mietenden, Vermietenden und Staat aufgeteilt werden, dass warmmietenneutral saniert werden kann. Dieses Modell verbindet Klimaschutz mit sozialer Ausgewogenheit und volkswirtschaftlicher Effizienz:

  • Die öffentliche Hand würde durch eine gezielte Förderung sicherstellen, dass Investitionen dort erfolgen, wo sie die größten Wirkungen entfalten.
  • Vermieterinnen und Vermieter erhielten einen verlässlichen Anreiz, weil Förderungen direkt bei ihnen ankommen.
  • Mietende würden nur so viel beitragen, wie sie später durch ihre Einsparungen bei den Heizkosten zurückbekommen.
Porträt von Claudia Kemfert, Professorin für Energiewirtschaft und Energiepolitik an der Leuphana Universität Lüneburg.
Claudia Kemfert ist Professorin für Energiewirtschaft und Energiepolitik an der Leuphana Universität Lüneburg.© Oliver Betke

Nur die Heizung tauschen reicht nicht aus

Gleichzeitig darf man die Bedeutung der Energieeffizienz nicht gegen die Emissionseffizienz ausspielen. Das bedeutet: Der Austausch fossiler Heizsysteme ist unverzichtbar, doch ohne deutliche Senkung des Energieverbrauchs werden wir den Stromsektor überlasten und die Kosten in die Höhe treiben.

Zur Person

Claudia Kemfert ist Professorin für Energiewirtschaft und Energiepolitik an der Leuphana Universität in Lüneburg und leitet am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt. Kemfert forscht seit mehr als 25 Jahren zu Energiewende und Klimapolitik und hat über 600 wissenschaftliche Arbeiten sowie zahlreiche Bücher veröffentlicht. Über Publikationen, Vorträge und ihre Präsenz in Medien und über ihre Homepage informiert sie regelmäßig über Energie- und Klimafragen.

Energieeffizienz und der Einsatz erneuerbarer Energien sind zwei Seiten derselben Medaille. Wenn unsanierte Gebäude weiter riesige Mengen Energie verschlingen, werden selbst modernste Wärmepumpen nicht ausreichen, um die Klimaziele zu erfüllen. Wer heute in Sanierung investiert, vermeidet nicht nur CO₂, sondern entlastet auch künftige Generationen von unnötigen Mehrkosten und unnötigem Energieverbrauch.

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Statt für Sanierungsoffensive: Staat sammelt Milliarden für Strafzahlungen

Hinzu kommt: Deutschland steht nicht allein auf weiter Flur. Mit der europäischen Gebäudeeffizienzrichtlinie (EPBD) ist unser Land verpflichtet, den Primärenergieverbrauch im Gebäudesektor deutlich zu senken. Bis 2030 müssen mindestens 16 Prozent eingespart werden, bis 2035 rund 20 bis 22 Prozent. Diese Verpflichtungen sind bindend.

Wenn Deutschland seine Klimaziele im Gebäudesektor verfehlt, drohen Strafzahlungen an die EU: Schon jetzt müssen Gelder aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) dafür bereitliegen – Geld, das eigentlich in Investitionen zur Transformation und für den sozial gerechten Umbau fließen sollte. Statt Milliarden für Strafzahlungen auszugeben, wäre es ungleich sinnvoller, diese Mittel in eine groß angelegte Sanierungswelle zu investieren.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU, rechts) und Vize Lars Klingbeil (SPD): Werden Klimaziele nicht eingehalten, drohen Deutschland Strafzahlungen.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU, rechts) und Vize Lars Klingbeil (SPD): Werden Klimaziele nicht eingehalten, drohen Deutschland Strafzahlungen.© dpa | Niklas Treppner

Gebäudeenergiegesetz braucht keine politischen Querschüsse

Das GEG muss deshalb endlich aus dem politischen Klein-Klein herausfinden. Es braucht Verlässlichkeit und Klarheit. Eigentümerinnen und Eigentümer müssen sich darauf verlassen können, dass die Regierung Förderprogramme wie für erneuerbare Heizsysteme oder für Solarenergie im Privatsektor dauerhaft behält und nicht kurzfristig stoppt.

Fördermittel sollten gezielt in jene Gebäude fließen, die besonders viel Energie verbrauchen und deren Sanierung den größten Klimanutzen bringt. Gleichzeitig muss die Politik soziale Aspekte im Blick behalten, damit auch Menschen mit geringem Einkommen profitieren und die Kosten der Energiewende niemanden überfordern.

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GEG ist mehr als nur ein Regelwerk, es stärkt unseren Zusammenhalt

Die Wärmewende im Gebäudebestand ist kein Luxusprojekt, sondern eine Notwendigkeit. Sie sichert nicht nur den Klimaschutz, sondern auch die Zukunftsfähigkeit unserer Volkswirtschaft. Investitionen in energetische Sanierungen schaffen Arbeitsplätze im Handwerk, verringern die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten und steigern die Lebensqualität.

Wer in Energieeffizienz investiert, stärkt auch den sozialen Zusammenhalt, weil Wohnkosten verlässlich bleiben und Preissprünge durch fossile Abhängigkeiten vermieden werden. Das Gebäudeenergiegesetz ist daher weit mehr als ein technisches Regelwerk: Es ist ein Modernisierungsgesetz, ein Klimaschutzgesetz, ein Sozialgesetz.

Halbherzige Kompromisse und Aufschub führen nur zu höheren Kosten und verschärften sozialen Spannungen. Wenn wir jetzt mutig handeln, können wir die Wärmewende als Chance nutzen: für mehr Klimaschutz, für die gerechtere Verteilung von Kosten und Nutzen und für eine zukunftsfähige Gesellschaft.