- Passivhäuser nutzen die Wärmerückgewinnung, um den Energieverbrauch deutlich zu senken.
- Dank der guten Energieeffizienz können Passivhäuser ohne eine wasserführende Zentralheizung auskommen.
- Im Passivhaus von Andreas Madreiter kommt trotzdem eine Wärmepumpe zum Einsatz – aus einem bestimmten Grund.
Bis 2045 soll Deutschland klimaneutral sein, auch im Gebäudesektor. Fachleute sind sich einig: Heizöl und Gas haben langfristig keine Zukunft. Am einfachsten wäre es, wenn ein Haus fast keine Heizung mehr braucht. Doch ist das in Deutschland überhaupt möglich?
Was nach Zukunft klingt, ist in Passivhäusern wie jenem von Architekt Andreas Madreiter in Chemnitz (Sachsen) längst Realität. Beim Besuch unserer Redaktion vor Ort erklärt er, was das Gebäude so besonders macht und mit welcher Herausforderung Bauherren rechnen müssen.
Grundprinzip im Passivhaus: Wärmerückgewinne als Heizung – so funktioniert es
Madreiter wohnt seit 2005 in seinem eigenen Passivhaus: einem besonders energieeffizienten Gebäude, das oft ohne eine zentrale, wasserführende Heizung auskommt. Das Haus nutzt vor allem Wärmegewinne aus Sonne, Menschen oder Haushaltsgeräten und eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Das Prinzip dahinter: Jeder Mensch, jedes Tier und jede Maschine ist eine Wärmequelle.
Dabei überträgt der Wärmetauscher in der Lüftungsanlage die Wärme der Abluft aus dem Inneren des Hauses auf die Zuluft, die von außen einströmt. Die Lüftung verwendet die Wärme in der verbrauchten Luft, um die frische Luft zu erwärmen. Der Architekt vergleicht das Prinzip der Wärmerückgewinnung mit fein gerillten Kartonplatten: In den Kanälen strömen warme Abluft und kalte Zuluft dicht aneinander vorbei, ohne sich zu vermischen. So bleibt bis zu 90 Prozent der Wärme erhalten, während gleichzeitig frische Luft ins Haus kommt – ohne dass eine Heizung diese extra aufwärmen muss.
Passivhaus in Fotos: In der Gestaltung ist vieles möglich
Die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ist eine von fünf Grundprinzipien der Passivbauweise. Dazu kommen:
- Eine gute Wärmedämmung
- Passivhaus-Fenster
- Eine gute Luftdichtheit
- Möglichst wenig Wärmebrücken

„Wer ein Passivhaus plant, muss in dreifach verglaste Fenster investieren“
Je besser die Dämmung, desto weniger Wärme verliert das Haus. Für Passivhäuser ist sie deshalb ein Grundprinzip. Das funktioniert mit unterschiedlichen Materialien – etwa Glaswolle oder Zellulose. „Selbst Styropor ist als Dämmung möglich“, so der Architekt. Am Ende komme es auf die Menge an, denn mit jeder Dämmschicht wird die Wand dicker und benötigt damit mehr Platz.
Einfacher ist die Fensterfrage: „Wer ein Passivhaus plant, muss grundsätzlich in dreifach verglaste Fenster investieren“, sagt Madreiter. Genau wie bei den Wänden und der Decke gilt: Je besser die Fenster isoliert sind, desto weniger Wärme verliert das Gebäude. „Um den niedrigen Energiebedarf im Passivhaus zu erreichen, ist eine Dreifachverglasung deshalb ein Muss“, erklärt Madreiter.
Dasselbe gilt für die Luftdichtsicherheit der Außenhülle. So sollten Wände, Dach, Fenster und Türen des Hauses so dicht sein, dass keine unkontrollierte Luft und Wärme entweichen oder eindringen kann. Beim Besuch von Madreiters Passivhaus ist der Effekt offensichtlich: Trotz 35 Grad Außentemperatur ist es im Haus angenehm kühl.

Zur Person
Andreas Madreiter hat an der Technischen Universität Braunschweig und am Illinois Institute of Technology in Chicago studiert. Heute arbeitet er als freischaffender Architekt in Chemnitz und in Frankfurt und spezialisiert sich auf die Planung und Projektierung von Passivhäusern. Als Mitglied und Referent der Architektenkammer Sachsen hält er regelmäßig Vorträge über energieeffizientes Bauen und Passivhaus-Konzepte. Seit 2005 lebt er selbst in einem Passivhaus.
Effizienz- oder Passivhaus: Die Unterschiede sind oft nur minimal
Eine Hürde beim Bau eines Passivhauses sind die Mehrkosten im Vergleich zum regulären Neubau, die das Passivhaus Institut mit etwa fünf bis 10 Prozent beziffert – je nach Komponenten. Diese lassen sich mit der Zeit über die eingesparte Energie amortisieren. Wichtig: „Die Kosten für den Nachweis der Effizienzvorgaben gilt es ebenfalls einzukalkulieren“, erklärt Madreiter. Das betreffe alle Niedrigenergiehäuser, für die Eigentümer oder Bauherren aktuell eine Förderung anstrebten.
Der Knackpunkt: Für Passivhäuser gibt es keine eigene Förderung mehr. Daher entscheiden sich laut Madreiter viele Bauherren für ein Effizienzhaus mit den niedrigeren Effizienzvorgaben. Allerdings kommen sich beide Bauweisen mittlerweile sehr nahe, da auch für Effizienzhäuser mittlerweile strenge Vorgaben gelten. Viele Passivhaus-Aspekte, wie eine gute Dämmung oder die Wärmerückgewinnung über eine Lüftungsanlage seien auch im Effizienzhaus nötig, um die hohen Anforderungen zu erfüllen, sagt der Architekt.
Passivhaus und Effizienzhaus im Vergleich:
| Merkmal | Passivhaus | KfW-Effizienzhaus |
|---|---|---|
| Energiebedarf | Sehr gering, oft weniger als 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter. | Je nach Stufe, KfW-40: Maximal 40 Prozent Primärenergiebedarf des Referenzhauses. |
| Heizung | Keine wasserführende Zentralheizung nötig, oft Wärmepumpe als Ergänzung. | Oft Wärmepumpe als zentrale Heiztechnik |
| Dämmung | Sehr hohe Dämmstandards | Hohe Dämmstandards, abhängig von Förderstufe |
| Lüftung | Kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung. | Häufig vorhanden, um Effizienzvorgaben zu erfüllen. |
| Ziel | Klimafreundliche Gebäude mit sehr geringem Energiebedarf. | Niedriger Primärenergiebedarf mit effizienter Heiztechnik. |
Auf den Alltag im Haus wirken sich die unterschiedlichen Bauweisen nur wenig aus. „Viele merken den Unterschied zum Passivhaus nicht“, erklärt Madreiter. Häufig änderten sich im Effizienzhaus nur feine Details wie eine Wärmepumpe, die als Zentralheizung verbaut ist und einen größeren Anteil an der Wärmeerzeugung übernimmt als im Passivhaus. Wer ein zertifiziertes Passivhaus anstrebt, muss zudem strenge Grenzwerte einhalten – etwa die 15 Kilowattstunden Energiebedarf pro Quadratmeter.
Passivhaus ohne Heizung: Warum es häufig doch eine Wärmepumpe braucht
Manche Passivhäuser benötigen dank der hohen Wärmerückgewinne keine wasserführende Heizung. Auch das Haus von Madreiter würde theoretisch ohne Wärmepumpe auskommen. Für das Warmwasser hat er dennoch eine einbauen lassen, denn die Aufbereitung lässt sich mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe oft am einfachsten lösen. Für eine Wärmepumpe spricht auch der Anschluss an eine Fußbodenheizung.
Nötig ist die Flächenheizung zwar nicht, sie erhöht laut Madreiter aber den Wohnkomfort. Denn im Passivhaus sind alle Räume meist gleich warm: „Das empfinden manche als unpraktisch – etwa, wenn sie einzelne Zimmer unterschiedlich temperieren möchten oder mehrere Personen mit individuellen Wärmebedürfnissen im Haus leben“, sagt Madreiter. Eine Heizung bietet mehr Freiheit: Über die Wärmepumpe sind Bewohner nicht an die Grundtemperatur in ihrem Passivhaus gebunden, sondern können die Räume nach Belieben aufheizen.
Ehrliches Fazit zum Leben im Passivhaus: „Wir haben den Einzug nie bereut“
Laut Madreiter überzeugt das Passivhaus nicht nur durch seinen niedrigen Energieverbrauch, sondern bietet auch spürbar mehr Wohnkomfort. Für Architekt Madreiter sind es die kleinen Details, die den Ausschlag geben: die angenehme Kühle im Sommer, die konstanten Temperaturen im Winter oder die durchgehend frische Luft durch die Lüftungsanlage. „Wir haben den Einzug nie bereut“, sagt Madreiter. Und tritt man aus dem kühlen Haus zurück in die heiße Augustsonne, lässt sich dieser Eindruck schon nach kurzer Zeit Passivhaus bestätigen.








