• Die Kosten für eine Wärmepumpe schrecken viele Hausbesitzer ab.
  • Im Ausland sind Wärmepumpen teils deutlich günstiger. Ein Grund ist die Besteuerung.
  • Zusätzlich zur Steuer treiben zwei weitere Faktoren die Kosten in Deutschland in die Höhe.

Im ersten Halbjahr 2025 wurden in Deutschland erstmals mehr Wärmepumpen verkauft als Gas- oder Ölheizungen. Laut dem Branchenverband BDH stieg ihr Absatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 50 Prozent. Gleichzeitig brach der Heizungsmarkt insgesamt ein. Über alle Technologien hinweg gingen die Verkaufszahlen deutlich zurück. Ein Grund dafür sind die hohen Anschaffungskosten von Wärmepumpen, die viele Käufer zögern lassen.

Eine Studie zeigt: Im Ausland ist der Einbau einer Wärmepumpe oft deutlich günstiger. Das liegt etwa an niedrigeren Steuern – aber nicht nur. Zwei weitere Faktoren treiben die Kosten zusätzlich nach oben. Wir wollten wissen, welche das sind und was sich in Deutschland ändern muss, damit die Preise sinken.

Kosten einer Wärmepumpe: Deutsche zahlen viel mehr als Briten

Für die Studie hat der Energieanbieter Octopus Energy zusammen mit der Universität Aachen die Preise für eine acht Kilowatt (kW) Luft-Wasser-Wärmepumpe von Deutschland und Großbritannien gegenübergestellt. Das Ergebnis: In Deutschland sind die Kosten teilweise fast doppelt so hoch wie in Großbritannien. Deutsche Eigenheimbesitzer zahlen im Schnitt 28.000 Euro für die Luft-Wasser-Wärmepumpe. In Großbritannien sind es nur etwa 14.000 Euro.

Wärmepumpe in Großbritannien viel günstiger: Profi nennt die Gründe

Bastian Gierull – CEO von Octopus Energy – zufolge gebe es für die Preisdifferenz von rund 14.000 Euro mehrere Gründe. Zum einen seien die technischen Anforderungen in Deutschland strenger, was die Installationen von Wärmepumpen komplexer und so teurer mache. „Zudem fallen in Deutschland 19 Prozent Mehrwertsteuer an.“ In Großbritannien sei die Installation steuerfrei. In Deutschland sind nur Photovoltaikinstallationen von der Mehrwertsteuer befreit.

Ein dritter Kostenfaktor sind die Installationskosten. In Großbritannien seien die Häuser größtenteils einheitlich gebaut. Zusammen mit standardisierten Prozessen begünstige dies ebenfalls niedrigere Installationskosten. Das Gegenteil seien deutsche Immobilien, „die oft sehr individuell gebaut sind“, so Gierull. Während an der Bebauungsstruktur wenig geändert werden kann, zeigt die Studie Potenzial im technischen und steuerlichen Aspekten.

Steuersätze für Wärmepumpen im Vergleich:

LandSteuersatz für Wärmepumpe
Dänemark25 Prozent
Finnland26 Prozent
Frankreich5,5 Prozent
Deutschland19 Prozent
Norwegen und Schweden25 Prozent
Großbritanniensteuerfrei

Nicht nur die Steuer: Das treibt die Kosten für Wärmepumpen nach oben

Als ein Beispiel wird in der Studie die Außeneinheit von Wärmepumpen genannt. Diese enthält Bauteile wie den Ventilator und den Verdampfer und ist dafür zuständig, Wärme aus der Umgebungsluft aufzunehmen und sie dem Heizsystem im Haus zuzuführen. In Deutschland kostet die Außeneinheit mehr als doppelt so viel. Ein Grund dafür ist, dass in Deutschland oft ein Abtaupuffer und ein zusätzlicher Heizstab verbaut sind. Dies sorgt zwar für mehr Komfort, verursacht gleichzeitig aber höhere Kosten.

Was sind Abtaupuffer und Heizstab?

Ein Abtaupuffer sorgt dafür, dass Eis an der Außeneinheit schmilzt. Dadurch kann die Wärmepumpe auch unter Minusgraden ohne Unterbrechung weiterarbeiten. Ein Heizstab hilft ebenfalls bei starkem Frost. Er unterstützt die Heizanlage, wenn die Wärmepumpe allein nicht ausreicht. Der Heizstab verbraucht jedoch zusätzlich Strom.

Neben Abtaupuffer und Heizstab werden in der Studie noch weitere Aspekte genannt, die Wärmepumpen in Deutschland teurer als in Großbritannien machen. Dazu zählen:

  • Technische Aspekte wie strengere Qualitätsanforderungen an Effizienz und den Schallschutz
  • Niedrigere Außentemperaturen machen höhere Vorlauftemperaturen nötig und damit leistungsstärkere Wärmepumpen
  • Einige Elektrokomponenten sind in Deutschland teurer – ein Beispiel ist der separate Stromzähler oder die Notwendigkeit von Heizstäben.
  • Es gelten höhere Qualitätsanforderungen an die Sicherungstechnik – auch, um an die Förderungen zu kommen
  • Hausanschlüsse sind im Vergleich zu britischen komplexer: Das kann etwa am zusätzlichen Heizstab oder der Hydraulik

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Wärmepumpe zu teuer: Staatliche Finanzspritzen allein reichen nicht

„Im Durchschnitt liegen die Anschaffungs- und Installationskosten in Deutschland bei rund 28.000 Euro für eine acht Kilowatt Luft-Wasser-Wärmepumpe“, erklärt uns Gierull. Die Kundinnen und Kunden von Octopus Energy würden erfahrungsgemäß 50 bis 60 Prozent der Gesamtkosten einer Wärmepumpe über die staatliche Förderung zurückbekommen. Pro Wärmepumpe sind bis zu 70 Prozent Förderung möglich. Maximal gibt es 21.000 Euro je Anlage.

Um die Wärmepumpe gegenüber der Gas- oder Ölheizung noch wettbewerbsfähiger zu machen, sind laut Gierull neben einer Förderung auch Lockerungen technischer Vorgaben nötig. „Eine gewisse staatliche Förderung ist sinnvoll und nötig, um die Kostennachteile gegenüber fossilem Gas auszugleichen.“ Diese müsse aber zielgerichtet und degressiv ausgestaltet sein und dafür sorgen, dass sie nicht durch höhere Preise aufgefressen werde.

Bastian Gierull ist CEO von Octopus Energy.
Bastian Gierull von Octopus Energy sieht in Deutschland sowohl bei der Förderung als auch den technischen Vorgaben Nachholbedarf.© Octopus Energy | Germany GmbH Felix Zimmermann

Branchenverband vertritt klare Position zur Wärmepumpen-Förderung

Der Bundesverband Wärmepumpe plädiert dafür, die Förderung in ihrer jetzigen Form zu belassen. „Dies würde erneut Attentismus hervorrufen. Zumal wir bezweifeln, dass eine Umstellung auf eine Pauschalförderung eine Vereinfachung wäre“, heißt es gegenüber unserer Redaktion. Grundsätzlich stimmt der Verband der Studienaussage aber zu. Sowohl die gesetzlichen Anforderungen als auch die Erwartungen der Kunden an den Umfang und die technische Qualität einer Wärmepumpe seien in Deutschland höher.

Diese Anforderungen und Erwartungen würden wiederum im Arbeitsaufwand und damit den Installationskosten widerspiegeln, so der Verband. Trotzdem ist man optimistisch. Die Installationspreise hätten sich gegenüber dem Niveau der Jahre 2022/23 erholt, da sich das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage eingependelt habe. „Das kann allerdings regional noch unterschiedlich sein, je nach Angebot an Handwerkern mit Wärmepumpenerfahrung.“

Die Grafik zeigt, welche Komponenten der Wärmepumpe in Deutschland teurer sind als im vereinigten Königreich.
Die Grafik zeigt, welche Komponenten der Wärmepumpe in Deutschland teurer sind als im vereinigten Königreich.© Octopus Energy

Studie zu Wärmepumpe: „Deutschland darf sich nicht selbst im Weg stehen“

Weitere Preissenkungen erwartet der Verband erst, wenn sich der Marktanteil zwischen Wärmepumpe und Gas- und Ölheizungen umkehrt. „Momentan sind sowohl Industrie als auch Handwerk noch stark auf Gas- und Ölheizungen ausrichtet – das hat weiterhin Auswirkungen auf Produktionskosten und Handwerkerangebot.“ Bastian Gierull sieht in Großbritannien trotzdem ein Vorbild, von dem Deutschland lernen kann.

„Großbritannien schreitet als Vorbild voran, besonders mit Blick auf die Wärmepumpen-Verbreitung in ihrem Land: weniger Regeln, mehr Wettbewerb, niedrigere Preise.“ Auch im Fazit der Studie heißt es, dass Deutschland von der Entwicklungen in Großbritannien lernen und Maßnahmen ergreifen solle, um den Markt zu öffnen und die Preise zu senken. Der Appell von Gierull: „Deutschland darf sich nicht länger selbst im Weg stehen.“