• Noch ist unklar, wie es unter der aktuellen Bundesregierung mit der Wärmewende weitergeht.
  • EU-Vorgaben und steigende Brennstoffpreise setzen jedoch einen klaren Rahmen.
  • Fachleute raten vor neuen Investitionen in Öl- und Gasheizungen ab.

Vor rund zwei Jahren hatte die ehemalige Bundesregierung eine Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) beschlossen – besser bekannt als Heizungsgesetz. Kaum ein Projekt der Ampel-Koalition war so umstritten. Wie die aktuelle Bundesregierung mit dem Thema konkret umgehen will, ist bislang offen. Im Koalitionsvertrag heißt es, man wolle das Gesetz abschaffen. Doch ist das rechtlich überhaupt möglich?

Heizungsgesetz einfach abschaffen? Experten reden Klartext

Für Helmut Bramann, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima, ist die Sache klar: Das Heizungsgesetz lässt sich nicht einfach abschaffen. In einer Stellungnahme von November 2024 empfiehlt er, sich von entsprechenden Aussagen nicht verunsichern zu lassen. Das Gebäudeenergiegesetz beruhe in weiten Teilen auf europäischen Vorgaben, die man in Deutschland umsetzen müsse.

Genauso sieht es auch Energieexpertin und Professorin Claudia Kemfert im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie leitet die Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Deutschland habe sich Kemfert zufolge zu einer „Lastenverteilungsverordnung“ verpflichtet. Die Verordnung sieht vor, dass die EU-Mitgliedsstaaten ihre Treibhausgasemissionen schrittweise senken. Neben Verkehr und Landwirtschaft betrifft das auch den Gebäudesektor.

Helmut Bramann ist Hauptgeschäftsführer im Zentralverband Sanitär Heizung Klima.
Helmut Bramann ist Hauptgeschäftsführer im Zentralverband Sanitär Heizung Klima. Das Heizungsgesetz abzuschaffen ist aus seiner Sicht völliger Irrsinn und eine reine Wahlkampfaussage.© ZVSHK | Pressefoto

Keine Zukunft für Heizöl und Gas: Brennstoffe werden teurer

Zudem würde eine Rolle rückwärts die „Wärmewende für Verbraucher nur unnötig teuer machen“, sagte die Expertin weiter. Zum einen gebe es den CO₂-Preis, der ab 2025 weiter schrittweise ansteigt. Zum anderen würden erste Energieversorger ihre Gasnetze nicht mehr weiter ausbauen oder sogar komplett stilllegen. Anfang November hatte etwa der Mannheimer Versorger MVV angekündigt, sein Gasnetz bis 2035 nicht mehr zu bedienen und die Gaspreise anzupassen.

Expertinnen und Experten raten deshalb mehrheitlich davon ab, jetzt noch in eine Gas- oder Ölheizung zu investieren. „Zumal sich Deutschland zur Klimaneutralität bis 2045 verpflichtet hat“, erklärt Kemfert. Doch statt über Verbote für bestimmte Heizungen zu sprechen, solle man die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Energiewende schaffen. Andere Länder wie Dänemark seien schon deutlich weiter, so Kemfert.

JahrPreis je Tonne CO₂
202445 Euro
202555 Euro
202655 bis 65 Euro

Quelle: Brennstoffemissionshandelsgesetz BEHG

Eine Wärmepumpe ist nicht die Lösung für alle Haushalte

In Dänemark wurden etwa die Wärmenetze rascher ausgebaut und der Wärmepumpenanteil sei deutlich höher als in Deutschland. „Auch die anderen skandinavischen Länder sind gute Beispiele dafür, wie eine Energiewende sozialverträglich funktionieren kann.“ Der Expertin zufolge sind vor allem zwei Aspekte ausschlaggebend: fehlende Zeit und Alternativen. „Doch Zeit haben wir nicht mehr“, sagt Kemfert.

Schon jetzt kostet eine Wärmepumpe nicht mehr als eine neue Öl- oder Gasheizung. Der Tipp der Expertin: Ist eine alte Heizung irreparabel kaputt, sollten Verbraucher über Alternativen zu Heizöl und Gas nachdenken. „Es gibt nicht die eine Lösung für jede Region“, sagt die Expertin. Während in Großstädten wie Hamburg oder Berlin Wärmenetze ausgebaut werden, kann in ländlicheren Regionen etwa eine Wärmepumpe sinnvoller sein. Auch hybride Heizsysteme mit Heizöl und Gas sind denkbar.

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Wasserstoff statt Wärmepumpe? Expertin warnt vor Irrweg

Wenig hält die Expertin von Nischenlösungen wie der Gasheizung mit Wasserstoff oder einer Ölheizung mit Power-to-Liquid oder Bioöl. Beides hatte der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Jens Spahn im Dezember letzten Jahres bei einer Veranstaltung des Bundesverbands Wärmepumpe ins Spiel gebracht und dafür massiv Kritik geerntet. „Grüner Wasserstoff ist der Champagner unter den erneuerbaren Energien“ und sei in der Industrie interessant, weniger aber für Heizungsbesitzer, meint Kemfert.

Spahns Aussagen „sorgen für Verunsicherung in der gesamten Branche und Bevölkerung“, meint auch Jochen Theloke vom Verein deutscher Ingenieure (VDI). Er mahnt zu „technisch-wissenschaftlichen Sachverstand in politischen Debatten“. Zuvor hatte das pv-magazine darüber berichtet. Aus Sicht von Kemfert sind vor allem Förderungen in der Energiewende ein wichtiger Hebel, um für mehr Akzeptanz in der Bevölkerung zu sorgen.

Grüner Wasserstoff ist der Champagner unter den erneuerbaren Energien.

Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.
Claudia Kemfert, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung

Fazit: „Statt Verbote muss der Staat Angebote machen“

Aktuell gibt es bis zu 70 Prozent Förderung für eine neue Heizung. In der Praxis erreichen viele Verbraucher eine Förderung von 55 Prozent, sagte jüngst Energieforscher und Start-up-Gründer Jan Ossenbrink unserer Redaktion. Viele Experten sind sich einig: Die Zuschüsse sorgen für eine erhöhte Akzeptanz in der Bevölkerung. Allerdings gebe es hier noch viel Potenzial. „Statt Verbote muss der Staat Angebote machen und die Menschen aktiv in der Energiewende unterstützen.“ Das gelte insbesondere für die unteren Einkommensschichten.

Hinweis: Dieser Beitrag wurde erstmalig im November 2024 veröffentlicht.