Vor den Kommunalwahlen am 14. September bekommen Duisburgerinnen und Duisburger erstmals die Möglichkeit, mit einer digitalen Wahlhilfe die eigene Meinung mit den Standpunkten der örtlichen Parteien zu vergleichen. Denn Duisburg zählt zu den acht Städten, für die Politikwissenschaftler der Universitäten Duisburg-Essen (UDE) und Münster das „Kommunalwahl-Navi NRW“ veröffentlichen.

Täglich (außer Samstag)

Duisburg-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!

Jeden Abend die wichtigsten News und exklusive Storys aus Duisburg – persönlich, mit Angeberwissen, Event- und Gastro-Tipps.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Die Online-Wahlentscheidungshilfe soll Mitte August in Duisburg, Oberhausen, Essen, Bochum, Münster, Bielefeld, Paderborn und Köln online gehen und jeweils auch stadtspezifische Themen berücksichtigen. Mit 60 Studierenden arbeiten Dr. Julia Schwanholz, Dr. Ray Hebestreit, Raphael Moser (alle UDE) und Professor Dr. Norbert Kersting (Uni Münster) an der aufwendigen Umsetzung.

[Bleiben Sie zu den Kommunalwahlen auf dem Laufenden – mit unserem täglichen Duisburg-Newsletter. Die E-Mail können Sie hier gratis und unverbindlich bestellen]

Kommunalwahl-Navi Duisburg: Das ist die Wahlentscheidungshilfe für die Ratswahl 2025

Dazu nutzen sie Voto, die bewährte digitale Plattform eines gemeinnützigen Unternehmens zur Erstellung von Online-Wahlhilfen (Infobox unten). Das „Kommunalwahl-Navi Duisburg“ wird für die Wahl des Stadtrates konzipiert. Ziel ist es, den Wählerinnen und Wählern am Ende 30 polarisierende Thesen zu wichtigen und kontrovers diskutierten Politikfeldern bieten zu können.

Die Nutzer können den Aussagen – wie beim bekannten Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung – zustimmen, diese ablehnen oder neutral antworten. Sind ihnen einzelne Themen besonders wichtig, „können sie diese doppelt gewichten“, erklärt Voto-Gründer Julius Oblong. Das Ergebnis zeigt den unterschiedlichen Grad an Übereinstimmung mit den Parteien an.

Lesen Sie auch diese Artikel zur Kommunalwahl in Duisburg

Die Thesen zur Ratswahl in Duisburg hat Dr. Julia Schwanholz mit Lehramtsstudierenden ausgearbeitet, etwa zu Migration, Verkehr und zur Sauberkeit der Stadt. „Wir bitten in den nächsten Tagen alle zur Wahl zugelassenen Parteien und Wählerbündnisse, zu den Thesen Stellung zu beziehen“, erklärt die Politikwissenschaftlerin. Ihre Standpunkte können die Parteien selbst via Voto selbst einpflegen.

Uni hofft, dass alle Duisburger Parteien mitmachen

„Wir hoffen, dass alle Parteien und Bündnisse dabei sind“, sagt Schwanholz. Sie betont: „Die Wahlhilfe ist parteipolitisch neutral. Hier geht es darum, dass sich alle Parteien abbilden können. Wir wollen die Wählerinnen und Wähler mit dem Kommunalwahl-Navi informieren und die Wahlbeteiligung erhöhen. Denn wir wissen: Wenn die Menschen Wahlentscheidungshilfen nutzen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie wählen gehen.“

Die Wahlhilfe ist parteipolitisch neutral. Hier geht es darum, dass sich alle Parteien abbilden können

Julia Schwanholz, Akademische Rätin an der Universität Duisburg-Essen, Institut für Politikwissenschaft.
Dr. Julia Schwanholz, Institut für Politikwissenschaft, akademische Rätin

In Duisburg ist die Wahlbeteiligung im Dauertief. Den bisherigen Tiefpunkt markierten die Kommunalwahlen 2020, als nur 39,15 Prozent der Wahlberechtigten ihr Stimmrecht nutzten. Im NRW-Schnitt waren es immerhin 51,9 Prozent. Um auch als Stadt gegensteuern zu können, beauftragte Duisburgs Stadtdirektor und Wahlleiter Martin Murrack die Duisburger Politikwissenschaftler mit Ursachenforschung zum „Wahlabsentismus bei der Kommunalwahl“.

In Interviews stellten Julia Schwanholz, Julia Rakers und Oliver Hamann bei ihren Gesprächspartnern über alle Bildungsabschlüsse und Altersgruppen hinweg große Lücken in der kommunalpolitischen Bildung fest. Zudem verstärke die „Verstecktheit politischer Informationen“, auch im Internet, die negativen Effekte sozialer Spreizung in der Stadt (Entpolitisierung ganzer Milieus, vererbte Nichtwahl, Ansteckungseffekte durch hohen Nichtwähler-Anteil).

Lokal-o-Mat: Noch eine Wahlhilfe für Duisburg

Das Team um Schwanholz gab konkrete Handlungsempfehlungen, weshalb das Wahlteam der Stadt vor den letzten Wahlen beispielsweise mit Info-Ständen durch die Stadtteile und über die Wochenmärkte tourte. Wahlentscheidungshilfen seien ebenfalls ein Mittel, um die Sichtbarkeit der bevorstehenden „Nebenwahl“ zu erhöhen und „eine informierte Wahl zu ermöglichen“, so Schwanholz.

Da Wahlentscheidungshilfen die Wahlbeteiligung erhöhen können, stört es die Forscherin nicht, dass es wohl noch eine zweite wissenschaftlich fundierte Online-Wahlhilfe zur Duisburger Kommunalwahl geben wird: Das Wahl-O-Mat-Forschungsteam der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf entwickelt, unterstützt von der Landeszentrale für politische Bildung, den lokal-o-mat. Bei den Kommunalwahlen in NRW sollen insgesamt zehn Kommunen eine eigene Version des Tools erhalten, darunter auch Duisburg, wie Schwanholz weiß.

Studierende und Politikwissenschaftler in Duisburg
Studierende und Politikwissenschaftler der Universitäten Duisburg-Essen und Münster erarbeiteten bei einem Workshop in Duisburg Thesen für das Kommunalwahl-Navi NRW.© Julia Schwanholz | Julia Schwanholz

>> KOMMUNALWAHL-NAVI DUISBURG

  • Das Kommunalwahl-Navi Duisburg wird unter der Internetadresse https://app.voto.vote/de/app/12968927 abrufbar sein.
  • In ihrem „Politische Pausen Podcast“ spricht Julia Schwanholz in der Folge, die am 7. August auf allen Plattformen und ppp.podigee.io veröffentlicht wird, mit Achim Wölfel (Mehr Demokratie!) und Julius Oblong (Voto) über das Kommunalwahl-Navi und Demokratiebildung in den Schulen.

OB-Wahl in Duisburg 2025

Sie treten bei der Oberbürgermeister-Wahl am 14. September in Duisburg an:

SPD: Amtsinhaber Sören Link, CDU: Sylvia Linn, Grüne: Dr. Sebastian Ritter, AfD: Carsten Groß, Linke: Barbara Laakmann, FDP: Oliver Alefs, Junges Duisburg: Oliver Beltermann, DAL-WGD: Ayhan Yildirim, Die PARTEI: Dagmar Schink, BSW: Erkan Kocalar, Volt: Britta Söntgerath

Übersicht: alle Wahlvorschläge für OB-Wahl, Ratswahl und die Bezirksvertretungen in Duisburg.

>> DAS IST VOTO

  • Voto wurde 2019 vom gemeinnützigen Unternehmen Voto gUG in Anlehnung an den Wahl-O-Mat entwickelt, um eine Wahlhilfe für die Gemeinderatswahl in Stuttgart anzubieten. 2021 wurde die Plattform bei den Kommunalwahlen in Hessen und Niedersachsen eingesetzt.
  • Damit war Voto die erste Wahlhilfe, die bei Kommunalwahlen in Deutschland flächendeckend zur Verfügung stand. Mittlerweile wurde Voto laut Mitgründer Julius Oblong bei etwa 600 Wahlen eingesetzt und von mehr als 900.000 Usern genutzt.
  • Voto ist eine Webanwendung, die nicht über eine App, sondern über Browser aufgerufen wird. Es handelt sich um eine Plattform-Lösung, die es etwa Vereinen und Hochschulen ermöglichen soll, eigene Wahlhilfen zu erstellen.
  • Die Voto gUG will laut Eigenbeschreibung „das demokratische Staatswesen fördern. Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, dass Wählen einfacher und attraktiver wird“. Zu den Prinzipien zählen politische Neutralität sowie „wissenschaftliche Fundierung und Forschung“.