Glückssuche

Glücksminister verrät Wittenern seine Formel

Auf vier Pfeilern ruht das Glück, meint Ha Vinh Tho. Für seinen gut besuchten Vortrag im FEZ an der Uni mussten noch Stühle hinzugestellt werden.

Auf vier Pfeilern ruht das Glück, meint Ha Vinh Tho. Für seinen gut besuchten Vortrag im FEZ an der Uni mussten noch Stühle hinzugestellt werden.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

witten.   Der Glücksminister aus Bhutan war zu Gast an der Uni. In jenem armen Staat gilt Glück als erstrebenswerter als Geld. Können wir davon lernen?

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Ha Vinh Tho wird auch „Glücksminister“ genannt – und das ist nicht scherzhaft gemeint. Denn seit 2008 ist das Glück seiner Bewohner in der Verfassung Bhutans fest verankert; das „Bruttonationalglück“ gilt dort als erstrebenswerter als das Bruttoinlandsprodukt.

Weit über 200 Besucher (darunter viele Studenten, denn der Vortrag fand im Rahmen einer Ringvorlesung statt) waren am Wochenende (14. 1.) zu der Veranstaltung in die Wittener Universität gekommen, um den weisen Worten des Buddhismus-Lehrers zu lauschen; aus Nebenräumen mussten extra Stühle herbeigeschafft werden.

Offiziell ist Tho der Leiter des Gross Happiness Centers von Bhutan, dem weltweit einzigen Staat, dem das Glück seiner Menschen wichtiger ist als ihre materielle Sicherheit; Das Königreich Bhutan mit seinen 750 000 Einwohnern im Himalaya ist tatsächlich eines der ärmsten Länder der Erde. Tho hielt seinen Vortrag in ausgezeichnetem Deutsch, er hat unter anderem in Wien studiert. Bevor er am Wochenende nach Witten gekommen war, war der 65-Jährige einer Einladung nach Stuttgart gefolgt.

Die Idee des Glücks ruht auf vier Pfeilern

Die Idee des Bruttonationalglücks, so Ha Vinh Tho, fuße auf vier Pfeilern: „Gute Regierung“, „Schutz und Resilienz der natürlichen Umwelt“, „Förderung von Kultur mit den Modulen Wissenschaft, Kunst und Spiritualität“ und die Förderung einer „sozial gerechten und nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung“. Als größte Bedrohung dieses Konzepts gelten dagegen „die drei Gifte“ Unwissenheit, Gier und Hass.

Doch es dauerte gute 40 Minuten, bevor Tho seinen Zuhörern die Glücksformel verriet, die auch in seinem Buch „Grundrecht auf Glück“ sowie zahlreichen anderen Quellen nachzulesen ist. Tho schien es wichtig, auf die gegenwärtigen und zukünftigen Miseren der Welt hinzuweisen, um eine Grundlage für die Idee des Bruttonationalglücks zu schaffen.

Als gebürtiger Vietnamese habe er genügend Kriegserfahrungen am eigenen Leib gesammelt. Zur Gegenwart sagte er, die meisten Kriege würden um Öl geführt. Doch schlimmer werde es in der Zukunft. Im Auftrag des Internationalen Roten Kreuzes war er auch im Sudan, einem Land ohne Öl – und mit Wassermangel. Wasserkriege würden alsbald zu einem Problem – „und das ist dann sofort existentiell, denn ohne Öl kann man leben, ohne Wasser keine Woche“.

Die Suche nach dem Sinn steigert das Wohlbefinden

Kriege seien schon schlimm genug, doch es gebe noch viele andere Probleme, die dem Glück des Menschen im Wege stünden. Tho nannte Depressionen und Burnout als Hauptursachen für die Krankheiten in der Welt. Schon bei Kindern wachse der Stress zunehmend. Materieller Fortschritt biete auch keine Lösung. Am Beispiel des USA mit ihrem steigenden Bruttonationaleinkommen verwies er auf eine wachsende Unzufriedenheit. „Die Folge: Donald Trump.“

Darüber hinaus sei eine Entfremdung von der Natur zu beobachten und damit eine „Zerstörung der Umwelt“, was die Frage aufwerfe: „Wie können wir ein gesundes Leben führen, wenn unser Planet krank ist?“ Und: „Die ungerechte Verteilung von Wohlstand ist Pornographie!“

Einen Lösungsansatz biete der Neurologe und Psychiater Viktor Frankl, der sagte: „Die Suche nach dem Sinn steigert das Wohlbefinden.“ Starker Applaus.

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