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Vereinsvorsitzende kämpft für friedliches Miteinander

Die Vorsitzende der Bürgerinitiative, Karla Brennecke-Roos, zeigt am Pater-Christoph-Höttges-Platz die Bäume der Kulturen: eine Zeder für die Muslime, eine Eiche für die Christen und eine Buche für die Juden.

Die Vorsitzende der Bürgerinitiative, Karla Brennecke-Roos, zeigt am Pater-Christoph-Höttges-Platz die Bäume der Kulturen: eine Zeder für die Muslime, eine Eiche für die Christen und eine Buche für die Juden.

Foto: Christof Köpsel

ESSen-Südostviertel.   Die frühere SPD-Ratsfrau Karla Brennecke-Roos gründete den Verein Bürgerinitiative Südostviertel mit. Friedliches Zusammenleben bleibt das Ziel.

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Die Bürgerinitiative Südostviertel startet in den Frühling: Am 22. März steht eine große Pflanzaktion auf dem Storpplatz mit rund 50 Kindern der umliegenden Kitas und Schulen an. Auch die Baum- und Hochbeete werden wieder mit Blumen bestückt, so dass die Aktionen des vergangenen Grüne-Hauptstadt-Jahres nachwirken. Das ist für Karla Brennecke-Roos ganz wichtig. Sie ist Gründungsmitglied und langjährige Vorsitzende des Vereins, der sich seit 1995 für das friedliche Zusammenleben im Südostviertel einsetzt.

Karla Brennecke-Roos übernahm den Vorsitz 2010 nach dem Tod von Mitbegründer Pater Christoph Höttges. Seitdem führt sie den Verein mit Herzblut. Die 72-Jährige hat über die Jahre viel Zeit, Energie und auch Geld in die Arbeit investiert, ist bis heute oft täglich für die Initiative im Einsatz. Bereut hat sie das alles noch nie, auch wenn es im Laufe der Jahre immer wieder Rückschläge gab.

„Man lernt unglaublich viel über andere Kulturen, und ich habe in den Jahren mit so vielen tollen Ehrenamtlichen zusammengearbeitet“, sagt sie. Gerade nach dem Tod ihres Mannes habe sie die Arbeit für den Verein aufgefangen. „Natürlich hat man wenig Zeit für andere Dinge, weil immer irgendwas zu organisieren ist. Aber wir sind ein gutes Team. Ich bin sehr froh, dass unser Schatzmeister Werner van Eyll mir den Schreibkram weitgehend abnimmt, da ich nicht mehr gut sehen kann“, sagt Brennecke-Roos, die von 1994 bis 2014 für die SPD im Rat saß. Migration und andere soziale Themen hätten ihr als Sozialausschuss-Vorsitzende sowieso am Herzen gelegen.

Alle zwei Wochen fährt sie zum Fußball nach Bremen

Eines lässt sich die gebürtige Bremerin nicht nehmen: Alle zwei Wochen fährt sie zu den Heimspielen ihres Lieblingsfußballvereins Werder Bremen. Und wenn es gegen Gladbach geht, ist sie mit einem Franziskanerpater aus der Gemeinde Heilig Kreuz, die ebenfalls in der Bürgerinitiative aktiv ist, unterwegs. „Aus unserer Stadtteilarbeit haben sich echte Freundschaften entwickelt“, betont Brennecke-Roos. Den Einsatz der Ehrenamtlichen würdige man jedes Jahr mit einer Einladung zu einem Ausflug oder einer kulturellen Veranstaltung.

„Als wir die Bürgerinitiative 1995 ins Leben gerufen haben, habe ich mich als Ratsfrau verpflichtet gefühlt, für Ruhe im Stadtteil zu sorgen“, sagt die pensionierte Buchhalterin. Anlass für die Gründung des Vereins seien damals Konflikte zwischen arabischen Flüchtlingen und deutschen Nachbarn gewesen. Durch gemeinsame Aktivitäten für die Nachbarn sorgte die Bürgerinitiative dafür, dass man ins Gespräch kam und Verständnis füreinander entwickelte. „Damals haben ältere deutsche Frauen aus der Nachbarschaft libanesische Kinder betreut und mit ihnen sogar Laternen für den Martinszug gebastelt“, erinnert sich Karla Brennecke-Roos an die Anfangszeit.

Verein kümmert sich um den Bereich nördlich der A40

Man habe sich einmal im Monat getroffen. „Da konnten alle Nachbarn dann ihren Frust loswerden, und wir haben gemeinsam nach Lösungen gesucht“, sagt die Vorsitzende. Noch immer sei das Südostviertel geprägt durch den hohen Anteil an Migranten, inzwischen lebten dort Menschen aus noch mehr Nationen als in den 1990ern.

Die Aktivitäten der Initiative, die heute knapp 40 Mitglieder hat, haben sich verändert, stellen aber weiter das Thema Verständigung in den Mittelpunkt. Das Einsatzgebiet der Mitglieder beschränkt sich laut Brennecke-Roos weitgehend auf den Bereich nördlich der A 40, „auch wenn es schon zahlreiche Anfragen aus dem Bereich Richtung Moltkeviertel“ gegeben habe.

Mittagstisch und Second-Hand-Laden kommen gut an

Viele Angebote sind heute im Bildungs- und Kulturzentrum Storp 9 ansässig. Auf dem benachbarten Platz werde auch in diesem Jahr wieder ein Nachbarschaftsfest stattfinden. Dabei sollen sich die verschiedenen Nationalitäten in Zelten präsentieren und ihre Bräuche zum Thema „Erstes Kind“ vorstellen. Karla Brennecke-Roos freut sich, wenn durch solche Veranstaltungen „der Stadtteil zusammenwächst“. Sie will auf jeden Fall weitermachen, bis die Bürgerinitiative 25 Jahre alt wird. „Aber es wäre schon gut, wenn sich jüngere Leute finden würden, die das irgendwann weiterführen.“

Im Gemeindezentrum von Heilig Kreuz an der Franziskanerstraße organisiert die Bürgerinitiative bis heute dienstags und donnerstags ab 12.30 Uhr einen preiswerten Mittagstisch. Gekocht wird von ehrenamtlichen Helfern. Preiswerte Kleidung erstehen kann man dienstags und donnerstags von 14 bis 15 Uhr bei den Mitarbeitern im Second-Hand-Laden „Schöner Schick“. Die Lebensmittelausgabe der Bürgerinitiative ist dagegen geschlossen.

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