Job-Projekt

Jugendliche kommen über die Bühne in die Berufswelt

Junge Arbeitsuchende stehen im Rüttenscheider Katakomben-Theater auf der Bühne und lernen dabei für ihre berufliche Zukunft. Das Bild zeigt im Vordergrund Alex und Michelle, im Hintergrund (v.l.) Sennur, Belind, Steffi und Sven.

Foto: Ulrich von Born

Junge Arbeitsuchende stehen im Rüttenscheider Katakomben-Theater auf der Bühne und lernen dabei für ihre berufliche Zukunft. Das Bild zeigt im Vordergrund Alex und Michelle, im Hintergrund (v.l.) Sennur, Belind, Steffi und Sven. Foto: Ulrich von Born

Essen-Rüttenscheid.   14 Jugendliche nehmen an einem Theaterprojekt teil, das ihnen bei der Suche nach einer Ausbildung helfen soll. Das Jobcenter unterstützt dabei.

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Mit 19 Jahren schon ziemlich verzweifelt: „Wenn du jetzt nichts Passendes findest, wie geht es dann weiter?“, fragte sich Michelle Grunwald noch im Januar. Das war vor der Teilnahme am Theaterprojekt „make:art“ von Jobcenter und Defakto, einer Firma, die Arbeitsmarktprojekte anbietet. Seit rund einem halben Jahr werden 14 junge Menschen im Bürgerzentrum Villa Rü und dem Katakomben-Theater auf den Einstieg in die Arbeitswelt vorbereitet. Schauspiel statt Schulbank.

Mit ihren Zukunftssorgen schon in jungen Jahren, nach einer abgebrochenen Ausbildung und ohne Pläne, ist Michelle Grunwald in der Gruppe nicht allein. Auch Alexander Henke kennt das Gefühl: „Nach meinem Hauptschulabschluss wusste ich nichts mit mir anzufangen“, erzählt er während einer Probenpause im Katakomben-Theater. „Ich hatte zwar ganz viele Ideen, aber ich konnte keine Entscheidung treffen.“

Theaterproben und Jobcoachings wechseln sich ab

Seit sechs Monaten nehmen die Jugendlichen an der außergewöhnlichen Maßnahme zur beruflichen Orientierung teil. Fünf Tage in der Woche wechseln sich Theaterproben und Jobcoachings ab. „Von Kennenlernspielen über Grenzerfahrungen auf der Bühne bis hin zu Rollenspielen, in denen wir Bewerbungsgespräche simuliert haben, war alles dabei“, erzählt Theaterpädagogin Katja Blaszkiewitz, die die jungen Menschen begleitet.

Mit ihrer Unterstützung haben sie das Stück „Glaube, Liebe, Hoffnung“ des Schriftstellers Ödön von Horváth bearbeitet. Und sie haben die Aufzählung im Titel um einen Begriff erweitert, der bald besonders wichtig wird: „Tat“. Zudem gab es dann auch noch ein alternatives Ende, denn für die Teilnehmer des Projekts soll es entgegen der Vorlage nicht bis zur Katastrophe kommen.

Das Projekt bereitet auf Bewerbungsgespräche vor

Die Requisiten für das Bühnenbild haben die Teilnehmer aus alten Paletten selbst gebaut, die Kostüme für ihr Stück aus Second-Hand-Klamotten geschneidert. All das soll zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen und sie selbstbewusster machen, erklärt Defakto-Chef Markus Keller. In Abstimmung mit dem Jobcenter wolle man während der neun Monate die beruflichen Wünsche der Teilnehmer herausarbeiten und sie durch die individuelle Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche für den beruflichen Werdegang stärken.

Und das scheint funktioniert zu haben: Michelle Grunwald möchte ihr Fachabitur nachholen und kann sich danach einen Job als Chemielaborantin oder Biologin vorstellen. „Vor dem Projekt dachte ich: Schule? Auf gar keinen Fall! Jetzt sehe ich das anders“, erzählt sie. „Durch das Fachabitur kann ich meinen Bildungsgrad erhöhen und habe die Chance auf einen besseren Job.“ Das Projekt habe ihr dabei geholfen, ihre Stärken und Schwächen zu definieren und sich ein klares Ziel zu setzen.

Auch Alexander Henke hat nun einen genauen Plan. Er möchte zunächst eine Ausbildung als Sozialassistent machen, in der er auch seine Mittlere Reife nachholt. Anschließend würde er gerne sein Abitur machen. „Ich habe vor allem gelernt, dass man sich kleinere Ziele stecken sollte, um sein Hauptziel zu erreichen“, erzählt er.

Arbeitgeber sind zur Aufführung eingeladen

Auch die übrigen Teilnehmer haben nach dem Projekt schon eine berufliche Perspektive vor Augen. Eine Hälfte von ihnen ist mit Ausbildungsplätzen versorgt, die anderen haben Interesse an einem höheren Schulabschluss. Ein ähnlicher Erfolg stellte sich auch nach der ersten Auflage des Projekts im vergangenen Jahr ein. Damals konzentrierte man sich auf geflüchtete Menschen und kämpfte deshalb mit Sprachschwierigkeiten, dennoch gingen sieben von 16 Teilnehmern in eine Einstiegsqualifizierung oder Ausbildung. Das Essener Jobcenter hat bereits angekündigt, das Projekt aufgrund des Erfolgs auch ein drittes Mal aufzulegen.

Das Stück wird am Mittwoch, 16. August, ab 19.30 Uhr, im Katakomben-Theater im Girardethaus, Girardetstraße 2-38, gezeigt. Der Eintritt ist frei.

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