Schulgeschichte

Haarzopfer Schulstandort hat eine spannende Geschichte

Heimatforscher Herbert Schmitz in seinem Garten in Haarzopf. Er hat sich intensiv mit der Geschichte der Hatzperschule beschäftigt.

Heimatforscher Herbert Schmitz in seinem Garten in Haarzopf. Er hat sich intensiv mit der Geschichte der Hatzperschule beschäftigt.

Foto: Carsten Klein

Essen-Haarzopf.   Der Haarzopfer Heimatforscher Herbert Schmitz beleuchtet die Historie der Hatzperschule. Auf dem Gelände plant die Stadt jetzt einen Schulneubau.

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Dass der Rat vor kurzem den Neubau von Schul- und Kita-Gebäuden auf dem ehemaligen Schulgelände an der Hatzper Straße beschlossen hat, veranlasst den Haarzopfer Heimatforscher Herbert Schmitz, sich mit der Geschichte der Hatzper Schule zu beschäftigen. Mit der früheren evangelischen Schule an der Raadter Straße, die 1667 errichtet wurde, besaß Haarzopf eine der ältesten Schulen Essens. Deshalb schenke man der Geschichte der Hatzperschule oft weniger Aufmerksamkeit. „Dabei hat auch die katholische Volksschule an der Hatzper Straße eine interessante und berichtenswerte Vergangenheit“, so Herbert Schmitz, der selbst in Haarzopf aufgewachsen ist und noch heute dort wohnt.

Die katholische Grundschule, die 2014 geschlossen wurde, weil die Kinder in die neue Haarzopfer Gemeinschaftsgrundschule, das Haus des Lernens, an der Raadter Straße umzogen, hatte zuvor im Jahr 2012 noch ihr 110-jähriges Bestehen gefeiert. Nach der Schließung hatten dort Asylbewerber gewohnt, inzwischen stehen die Gebäude leer.

Um 1900 zogen viele Bergleute und Handwerker zu

Wie Herbert Schmitz berichtet, erlebte die Landgemeinde Haarzopf im 19. Jahrhundert eine neue Entwicklung. Die Gemeinde hatte Jahrhunderte politisch zu Broich gehört und sich kirchlich bis 1910 als rein reformatorische Gemeinde nach Kettwig ausgerichtet.

Die neue Entwicklung wurde laut Schmitz durch den Zuzug von Bergleuten, Industriearbeitern, Tagelöhnern und Handwerkern eingeleitet. Diese wohnten in Haarzopf, arbeiteten aber außerhalb. „So hatte Haarzopf 1875 schon 838 Einwohner, darunter 127 Bergleute und 21 Handwerker“, schreibt der Heimatforscher in seiner Abhandlung über die Hatzper Schule. Dagegen lebten nur noch 27 Familien wie früher von der Landwirtschaft. Durch diese Entwicklung habe es um 1900 im Stadtteil bereits 39 katholische Kinder gegeben, von denen 28 die Schule in Bredeney besuchten, fünf die evangelische Schule in Haarzopf und sechs die in Raadt.

Die Bredeneyer Schule war 1902 überfüllt

Die Eltern katholischer Schüler mussten für die auswärts besuchten Schulen Schulgeld zahlen – aber noch zusätzlich für die Unterhaltung der Kommunalschule Haarzopf aufkommen. „Und dann passierte 1902 das Unglaubliche“, so Herbert Schmitz. „Die Haarzopfer Schulkinder mussten die Bredeneyer Schule verlassen.“ Diese sei damals überfüllt gewesen, es fehlten Lehrkräfte. Durch den Bau der Krupp-Siedlung am Brandenbusch sei die Schülerzahl in Bredeney enorm gestiegen. Der dortige katholische Pfarrer Oertgen habe sich deshalb hilfesuchend an die königliche Regierung in Düsseldorf gewandt.

Eltern verlangten eine neue Schule in Haarzopf

Für die Haarzopfer Schüler, die keinen Platz mehr an der Bredeneyer Schule hatten, sei damals eine Übergangslösung gefunden worden. Bei Schreiner Kortz in Fulerum sei ihnen ein Unterrichtsraum zugewiesen worden – für eine Monatsmiete von 30 Mark, dazu Heizkosten von 130 Mark. „Die Toiletten und das Trinkwasser stellte die 75 Meter entfernte evangelische Schule in Fulerum zur Verfügung“, hat Herbert Schmitz den alten Unterlagen entnommen.

Das sei keine Dauerlösung gewesen, zumal die Eltern eine eigene Schule für ihre Kinder verlangten. Der Lehrer, der offenbar in einer Gaststätte wohnte, beklagte, dass die Wirtshausgäste seine Frau belästigt hätten. Der Haarzopfer Gemeinderat, der damals noch in seiner Selbstverwaltung beschränkt gewesen sei, habe eine Eingabe an den zuständigen Heißener Bürgermeister gerichtet, eine katholische Volksschule zu errichten. Der Haarzopfer Gemeinderat selbst habe den Bau einer Schule in eigener Verantwortung abgelehnt, auch mit Rücksicht auf die knappen Finanzmittel der Gemeinde.

Schule schloss 1943 nach dem großen Bombenangriff

„Die Bürgermeisterei Heißen, der Haarzopf bis 1910 zugeordnet war, stimmte zu. Drei Bauplätze standen zur Verfügung. Die Auswahl fiel schließlich auf das heutige Gelände an der Hatzper Straße“, weiß Schmitz aus den Akten. Im September 1902 waren die Handwerker fertig, die neue Schule mit zwei Klassen konnte bezogen werden. Die katholische Schule in Haarzopf war gegründet. Ein Kuriosum am Rande hat Heimatforscher Herbert Schmitz bei seinen Recherchen entdeckt: „Am 14. August 1916 schrieb ein Zeitgenosse, dass doch endlich die letzten Bauschilder mit der warnenden Aufschrift: ,Das Betreten des Schulhofes ist verboten’ entfernt werden mögen.“

Nach dem ersten großen Bombenangriff 1943 wurde die Schule laut Schulchronik geschlossen und erst nach dem Zweiten Weltkrieg im August 1945 wieder eröffnet. 1951 und 1956 kamen weitere Gebäude dazu. Den Namen Hatzperschule erhielt die Einrichtung dann 1961. Die jetzt geplanten Neubauten sollen eine Dependance der bestehenden Haarzopfer Grundschule beherbergen.

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