Renaturierung

Der Rellinghauser Mühlenbach ist stellenweise staubtrocken

Das Bild täuscht: Am renaturierten Mühlenbach in Essen-Rellinghausen gibt es auch trockene Bachbettstellen. Das Wasser versickert stärker im Boden, seit die Betonsohle des früheren Abwasserkanals beseitigt wurde.

Das Bild täuscht: Am renaturierten Mühlenbach in Essen-Rellinghausen gibt es auch trockene Bachbettstellen. Das Wasser versickert stärker im Boden, seit die Betonsohle des früheren Abwasserkanals beseitigt wurde.

Foto: Kerstin Kokoska

Rellinghausen/Bergerhausen.   Vor rund einem Jahr endete die Renaturierung des Mühlenbachs im Walburgistal. Der führt nur wenig Wasser. Die Gründe nennen die Stadtwerke Essen.

Zwei Jahre Arbeit und 17 Millionen Euro investierten die Essener Stadtwerke bis September 2018 im Walpurgistal, erneuerten dort nicht nur aufwendig das Kanalsystem, sondern erlösten den Rellinghauser Mühlenbach auch von seinem traurigen Dasein als Abwasserkanal. Seit der Renaturierung plätschert der Bach nun vor sich hin – im Idealfall, denn nicht selten sind zumindest Teile des Bachbetts knochentrocken.

„Dabei kommt aus beiden Zuflüssen unter dem Bahndamm und aus der Gönterstraße genügend Wasser an“, moniert Anwohner Daniel Stemmrich, der in Sichtweise zum Mühlenbach wohnt. „Doch nach 200 Metern versickert das Wasser vollständig, wenn es nicht vorher mal richtig geregnet hat.“ So jedenfalls könne kein Bachleben entstehen. „Und dann hätte sich der betriebene Aufwand auch nicht gelohnt, weil bei der Auskleidung des Bachbettes wohl Fehler gemacht worden sind“, postuliert Stemmrich. Was nicht sein darf, „denn in das Projekt sind ja auch im großen Umfang öffentliche Gelder investiert worden.“

Der Sommer 2018 war heiß und trocken

Ein Vorwurf, den Roy Daffinger, Sprecher der Stadtwerke Essen, so nicht stehen lassen will, nicht stehen lassen kann – aus vielerlei Gründen. „Grundsätzlich muss man sagen, dass der Rellinghauser Mühlenbach früher allein schon deshalb mehr Wasser führte, weil er eben ein Abwasserkanal war.“ Versickern konnte damals nichts, da der Kanal eine massive Betonsohle hatte. „Nun bahnt er sich seinen Weg durch ein natürliches Bachbett mit mehr oder weniger porösem Untergrund.“

Nicht außer Acht lassen dürfe man, so Roy Daffinger weiter, die generelle Wetterlage. „Der Sommer 2018 war heiß und trocken. Dadurch ist der Grundwasserspiegel stark gesunken.“ Wie das städtische Wasseramt bestätigte, komme aktuell aus der Quelle an der Frankenstraße weniger Wasser an als gewohnt. „Zudem nehmen auch die vielen Pflanzen, die den Bachlauf begleiten einen Teil des Wassers auf. Das ist völlig natürlich in einem solchen Feuchtbiotop und auch gewünscht.“

„Im Zweifelsfall bessern wir noch einmal nach“

Dass es derzeit trockene Bachbett-Passagen gibt, will der Stadtwerkesprecher jedoch gar nicht leugnen: „In Absprache mit den beteiligten Ämtern, so auch der Unteren Wasserbehörde, haben wir deshalb bereits im April dieses Jahres versucht, das Versickern des Wassers einzuschränken.“ Dabei sei das Erdreich im Bereich zwischen der Gönterstraße und der Eschenstraße verdichtet worden. „Was möglich ist und in welchem Rahmen dies geschieht, bestimmt allerdings die Stadt und nicht wir von den Stadtwerken.“

Ob diese jüngste Maßnahme fruchtet, ist aktuell nicht seriös zu beantworten. „Wir reden hier von einem Feuchtbiotop, das sich langsam entwickeln muss“, erklärt Roy Daffinger. Diese Zeit müsse man auch gewähren, um Resultate bewerten zu können. „Wir behalten den Mühlenbach und seine Entwicklung natürlich im Auge. In einem halben oder sogar erst in einem Jahr können wir mehr dazu sagen.“ Im Zweifelsfall wolle man dann nochmal nachbessern.

Auch Daniel Stemmrich will den Bach im Auge behalten: „Gut, dass sich wenigstens jemand kümmert.“

>> 35.000 TONNEN ERDREICH BEWEGT

  • Die Stadtwerke Essen haben auf dem gesamten Gelände im Walpurgistal 10.000 Tonnen Rohre verbaut und 35.000 Tonnen Erdreich bewegt. „Seitdem rauscht bei Starkregen jeweils ein Sattelschlepper Wasser pro Sekunde durch das Leitungssystem“, erklärt Stadtwerke-Sprecher Dirk Pomplun.
  • Dem Rellinghauser Mühlenbach macht hingegen die Trockenheit stark zu schaffen.

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