Jugendhalle

Heisinger Jugendhalle ist die schönste Turnhalle in Essen

Die Jugendhalle in Heisingen um 1920. Das Jugendstil-Gebäude blieb bis heute nahezu unverändert erhalten.

Die Jugendhalle in Heisingen um 1920. Das Jugendstil-Gebäude blieb bis heute nahezu unverändert erhalten.

Foto: Museumskreis

Essen-Heisingen.   Premiere beim Tag des offenen Denkmals für die Jugendhalle in Heisingen. Vor 105 Jahren errichtet, hat der Jugendstil-Bau seinen Charme behalten.

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Hunderte Sporthallen gibt es in der Ruhrmetropole und Sportstadt Essen. „Doch die Jugendhalle in Heisingen ist die mit Abstand schönste von allen“, schwärmt Fritz Lauer.

Der Ehrenpräsident der SG Heisingen kennt den gediegenen Bau an der Bahnhofstraße 8 bestens. Er selbst war im Jahr 2006 aktiv daran beteiligt, als die Sporthalle innen wie außen für 300 000 Euro saniert wurde. Am Sonntag, 9. September, dem Tag des offenen Denkmals, wollen er und die Heimatforscher vom Museumskreis des Bergbau- und Heimatmuseums im Paulushof seine These untermauern.

Es ist dieser besondere Charme dieser leicht-eleganten Jugendstil-Architektur, die nach all den Jahren den Betrachter noch immer in den Bann zieht. „Dies hat uns dazu bewogen, die Jugendhalle für den Denkmaltag anzumelden“, erklärt Henner Höcker vom Museumskreis. Das Haus ist am Sonntag von 13 bis 18 Uhr geöffnet.

„Die Sporthalle ist ein echtes Schmuckstück“

Es war der Bredeneyer Architekt Wilhelm Rümke (1881-1955), der im Alter von gerade einmal 32 Jahren die Bauleitung der Jugendhalle übernahm. Der erste Spatenstich folgte am 22. Juni 1913. Nach 16 Monaten wurde die Jugendhalle am 30. Oktober 1914 – also schon im 1. Weltkrieg – eingeweiht. „Es ist toll, dass sie nichts von ihrer Schönheit verloren hat“, sagt Lauer. Dafür habe auch der Denkmalschutz gesorgt, der bei den Renovierung alte Unterlagen anno 1914 zu Rate zog und den Bau nahezu unverändert ließ. Im Jahr 1990 wurde die Halle in die Denkmalliste aufgenommen. „Sie ist ein richtiges Schmuckstück“, schwärmt Lauer, der sich gemeinsam mit der früheren Essener Oberbürgermeisterin Annette Jäger für die Sanierung eingesetzt hatte.

Architekt Rümke baute auch das Heisinger Rathaus

Rümke hatte übrigens bereits als 29-Jähriger das Heisinger Rathaus in nur zehn Monaten Bauzeit voll­enden können. Rekordverdächtige Bauleistungen, denen nicht nur die Museumsleute Respekt zollen. „Das Rathaus hat damals 92 000 Goldmark gekostet“, weiß Henner Höcker. Die Jugendhalle nahm sich da mit 33 000 Goldmark bescheidener aus. „Doch wir reden hier sicher von einem Millionen-Projekt, wenn man heutige Maßstäbe zugrunde legt“, so Höcker.

Damals gaben die neuen Gebäude im Herzen Heisingens dem durch die Selbstständigkeit (1910-1929) gewachsenen Bürgerstolz Ausdruck. „Noch heute sind sie ortsteilprägend und absolut nicht wegzudenken“, betont Christian Breuer vom Museumskreis.

Sportliche Heimat der SG Heisingen

Dass Rümke in so jungen Jahren diese Gebäude planen durfte, erklärt Fritz Lauer durch die hohe Qualität des Architekten. „Da gab es sicherlich eine Ausschreibung. Und genommen hat man dann das Beste.“ Lauer liegt ein handskizzierter, erster Entwurf Rümkes vor. In Heisingens damaligen 1. Bürgermeister Emil Hartmann fand der Architekt einen Fürsprecher.

Gedacht waren Jugendhallen ursprünglich als Räume für Kinder und Jugendliche, damit diese bei schlechtem Wetter und im Winter auch drinnen „ihren Bewegungsdrang“ ausleben konnten. Die Heisinger Jugendhalle wurde – nicht zuletzt dank ihrer imposanten Innenarchitektur – auch für gesellschaftliche Aktivitäten, auch für Boxveranstaltungen genutzt.

Turnhalle wird regelmäßig genutzt

Seit Jahrzehnten dient das schmucke Domizil der Georgschule als Turnhalle. Zudem ist sie Heimstatt der erfolgreichen SG Heisingen, die es im Rhönrad zu Weltmeisterehren brachte. Noch am Morgen des Denkmaltages werden junge Rhönradturnerinnen dort für die Norddeutschen Meisterschaften trainieren. Christian Breuer sieht die Jugendhalle als exemplarisches Beispiel für den sinnvollen Denkmalschutzgrundsatz „Use it, or lose it!“ – Nutze es, sonst geht es verloren.

Kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs, im Mai 1918, erlangte die Jugendhalle überregionale Beachtung, als die sieben Opfer eines Flugzeugabsturzes an den Ruhr-höhen, unweit von Haus Heisingen, in der Halle aufgebahrt wurden. Über 2500 Trauergäste erwiesen ihnen die letzte Ehre.

>> SONDERSTEMPEL FÜR DIE JUGENDHALLE

Am Tag des offenen Denkmals feiert die Jugendhalle in Heisingen Premiere. Doch es gibt noch einen weiteren Grund, warum das 1913 erbaute Haus am Sonntag in den Mittelpunkt rückt: Pünktlich zur Veranstaltung präsentiert Christian Breuer vom Museumskreis des Heisinger Bergbau- und Heimatmuseums einen Sonderstempel der Post, der künftig einige wenige Erinnerungsbriefumschläge zieren wird.

Dem engagierten Historiker und Briefmarkensammler gelang es, die Post von der Bedeutung der Jugendhalle, aber auch dem Gedenken an den tragischen Flugzeugabsturz im Mai 1918 in Heisingen, zu überzeugen. Nun wurde der beantragte Sonderstempel genehmigt.

Ab 13 Uhr am Sonntag können in der Jugendhalle Erinnerungsumschläge in geringer Stückzahl mit zwei verschiedenen Motiven erworben, beschriftet und frankiert werden. Motive sind die Jugendhalle aus luftiger Höhe und das Wrack des abgestürzten Flugzeugs, der „Staaken R VI“.

Die Umschläge (2,50 Euro inklusive Briefmarke) werden zur Sonderstempelstelle nach Weiden/Oberpfalz geschickt, dort abgestempelt und erreichen dann die Philatelisten und Heimatfreunde. Christian Breuer hofft, dass nicht nur Stempelsammler zuschlagen: „Dies ist ein Geschenk für alle, die diesem großartigen Stadtteil mit seinen vielen interessanten Gebäuden verbunden sind.“

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