Heimatforscher

Auf den Spuren des Bahnhofs Steele Süd

Liebe zum Detail beweist Harald Vogelsang beim Modellbau.

Liebe zum Detail beweist Harald Vogelsang beim Modellbau.

Foto: WAZ FotoPool

Steele.   Der Steeler Eisenbahn-Kenner Harald Vogelsang vom SteelerArchiv will die längst abgerissene Station als Modell im Maßstab 1:160 nachbauen und ausstellen. Nun bittet er ortskundige Steeler um Hilfe

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Die Bahnhöfe im Revier, besonders die in Steele, sind seine Leidenschaft: 33 Jahre lang war Harald Vogelsang Leiter des Eisenbahnmuseums Bochum-Dahlhausen. Heute ist er der zweite Vorsitzende des Steeler Archivs – und in Sachen Eisenbahn macht ihm so schnell niemand etwas vor. Seit Wochen arbeitet er an einem detailgetreuen Modell des Bahnhofs Steele Süd, der früher dort stand, wo heute die Ruhrpromenade entsteht. Doch es gibt ein Problem: „Von den ehemaligen Gebäuden existiert nur noch das heutige Vereinshaus des Steeler Rudervereins“, sagt der Tüfftler.

Es ist nicht das erste Mal, dass Harald Vogelsang Bahnhistorisches im Kleinformat festhält. Auf dem jüngsten Steeler Weihnachtsmarkt werkelte er bienenfleißig und mit großer Liebe zum Detail an einem naturgetreuen Modell des Bahnhofs Steele Nord anno 1822, der heute Steele Ost heißt. Dabei ließ er sich von den Marktbesuchern bei der Arbeit bereitwillig und ganz bewusst über die Schulter schauen.

Diesmal jedoch betritt er in gewisser Art und Weise Neuland, weil der kleine Bahnhof Steele Süd längst Geschichte ist und das Gelände – 1980 von der Stadt gekauft – nun Schritt für Schritt in ein Naherholungsgebiet verwandelt wird. „Mir fehlen also reale Anschauungsobjekte“, sagt Vogelsang. „Daher baue ich auf die Hilfe von Steeler Bürgern, die noch etwas über den Bahnhof Steele Süd wissen oder alte Bilder oder Fotos von der Station und des Umfelds besitzen.“ Dabei sei ihm jeder noch so kleine Tipp wichtig: „Ich werde versuchen, alle Hinweise im Modell umzusetzen.“

Nun sitzt Harald Vogelsang als feste Größe des Steeler Archivs praktisch „an der Quelle“ und hat im Vorfeld des Projektes natürlich seine Hausaufgaben gemacht. Seine intensive Recherche ergab folgendes: Seit 1878 verkehrte die Rheinische Eisenbahn zwischen Mülheim-Heißen, Rüttenscheid und Steele-Rheinisch. Erst ab 1893 hieß der Bahnhof Steele Süd. Im Juli 1879, zur Eröffnung des Personenverkehrs, gab es noch kein Empfangsgebäude, doch zumindest einen Lokschuppen. „Schon damals waren dem Bahnhof zahlreiche Werke angeschlossen“, sagt Vogelsang. So auch die Hütte Neu-Schottland, die Glashütte Wisthoff und das Sauerstoffwerk Spillenburg. „Damals gab es dort einen großen Rangierbahnhof für 800 Waggons“, fand Vogelsang heraus.

Noch Jahre danach, 1896, nahm sich das Betriebspersonal des Südbahnhofs eher bescheiden aus. Vogelsang: „Es gab einen Stationsverwalter namens Sichmann, doch keinen Bahnhofsvorsteher. Dafür war der Bahnhof zu klein.“ Unterstützt wurde dieser von drei Weichenstellern. Züge verkehrten zwischen Hattingen und Mülheim-Heißen und es gab einen bedeutenden Schülerverkehr zwischen Dahlhausen, Altendorf Ruhr (dem heutigen Burgaltendorf) und Steele Süd.

Erst 1912 stellte die Gemeinde einen Antrag auf ein neues Empfangsgebäude. Was sicherlich nicht verkehrt war, denn allein im Jahr 1926 wurden exakt 128 241 Fahrkarten verkauft. Über 70 000 Tonnen Güter gingen am Bahnhof Steele Süd ein, 8325 Tonnen verließen die Station. „An der Ladestraße des Bahnhofs wurde mit Kartoffeln, Kohle und Eisen gehandelt“, sagt Vogelsang. Von 1970 bis 1978 verkehrte in Steele Süd der Museumszug, doch nach dem Verkauf des Geländes an die Stadt begann die große Demontage, die nur das jetzige Ruderverein-Domizil überstand.

Früher gab es jedoch zahlreiche Gebäude im Umfeld: Die Gaststätte Wolf am Bahnübergang, beispielsweise. Oder auch eine Flussbadeanstalt; mehrere Häuser von Bosbach mit Ruderverleih, eine Tankstelle mit Stadtwaage und natürlich auch das Stellwerk und die Güterabfertigung. „Von all diesen Gebäuden habe ich Fotos gefunden, zumeist aber nur von einer Seite“, so Vogelsang. „Sollte jemand mehr wissen, bin ich auch zu einer Ortsbegehung bereit.“

Eine Vorstellung sowie eine Bauvorführung am Modell des ehemaligen Bahnhofs Steele-Süd zeigt Harald Vogelsang am Donnerstag, 14. August, von 14 bis 19 Uhr, in der Gastronomie „Ruhr-Stop“ im Domizil des Steeler Rudervereins, Grendtor 40.

Eingeladen sind dazu interessierte Bürger und besonders Menschen, die etwas über den Steeler Südbahnhof zu berichten wissen. Neben eigenen Erzählungen sind auch Abbildungen oder Postkarten gefragt, die Aufschluss darüber geben, wie der Bahnhof und die umliegende Bebauung ausgesehen haben. „Ich werde nach diesem Termin das Modell überarbeiten und wohl noch einmal vorstellen“, so Vogelsang

Informationen über den Bahnhof Steele Süd nimmt auch das Steeler Archiv, Hünninghausenweg 96, entgegen, das montags von 16 bis 19 Uhr sowie donnerstags und samstags (10 bis 13 Uhr) geöffnet ist. 01577-3983425.

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