Denkmalschutz

Ärger über tristen Asphalt auf der Brücke am Holteyer Hafen

Anwohner Wolfgang Paulert ärgert sich über die Asphaltierung des historischen Kopfsteinpflasters auf der Holteyer Brücke.

Anwohner Wolfgang Paulert ärgert sich über die Asphaltierung des historischen Kopfsteinpflasters auf der Holteyer Brücke.

Foto: STEFAN AREND

Essen-Überruhr.   Das historische Kopfsteinpflaster auf der Holteyer Brücke in Überruhr ist komplett überdeckt worden. Anwohner und Spaziergänger sind empört.

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Knapp 240 Jahre lang hat das historische Kopfsteinpflaster der steinernen Bogenbrücke am Holteyer Hafen in Überruhr allen Widrigkeiten getrotzt; hat Wind und Wetter standgehalten und selbst den schweren Hufschlag der Arbeitspferde schadlos überstanden, die früher die mit Kohle beladenen Schiffe, die Ruhraaken, stromaufwärts über die Ruhr zogen. Nun ist das vertraute Pflaster verschwunden, vollends verdeckt von einer tristen Asphaltdecke. Zahlreiche Spaziergänger und Anwohner, die täglich auf der Brücke unterwegs sind, sind entsetzt über den Zustand des Denkmals.

Gaby Schräder wohnt in Horst, doch wenn sie mit ihrem Hund Gassi geht, dann passiert sie in der Regel dreimal die Woche die kleine Brücke im Grenzgebiet. An das raue Pflaster haben sich Zwei- und Vierbeiner längst gewöhnt, weist doch auch ein Schild deutlich darauf hin, dass mitunter Stolpergefahr durch Unebenheiten droht. „Als ich aus dem Urlaub wiederkam, da drehte ich noch eine kleine Runde“, erzählt sie. „Da habe ich noch gar nichts gemerkt, weil Schnee lag. Doch schon kurz danach habe ich den frischen Asphalt entdeckt.“ Nun sei sie sehr enttäuscht darüber, dass mit dem alten Brückenbauwerk so verfahren wurde. „Es ist doch ein Zeugnis unserer Geschichte.“

Kopfsteinpflaster ist schon 240 Jahre alt

Ins gleiche Horn stößt Wolfgang Paulert, ein Anwohner. Er wollte der Sache auf den Grund gehen, rief nach Rücksprache mit Heimatforscher Arnd Hepprich erst bei der Unteren Denkmalbehörde an. „Doch die war nicht zuständig und verwies mich an die Bezirksregierung Düsseldorf.“ Dort erfuhr Paulert von einem Antrag des Essener Grünamtes Grün und Gruga, die Brücke asphaltieren zu dürfen. Die Behörde gab ihre Zustimmung, wohl deshalb, um das alte Pflaster vor Beschädigungen zu schützen, wie es hieß. Paulert vermutet, die Fahrradlobby könne bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben. „Die Radrennfahrer können jetzt ordentlich Gas geben auf der Brücke, die zum Ruhrtalradweg gehört. Das war vorher nicht möglich.“ Nun befürchtet Paulert, es könne vermehrt zu Unfällen zwischen Radfahrern und Fußgängern kommen.

Antrag wurde schon vor zwei Jahren gestellt

Norbert Mering, Vorsitzender der Bürgerschaft Überruhr, bestätigt dies. „Der Antrag ist schon zwei Jahre alt, wurde nur erst jetzt umgesetzt.“ Juristisch sei gegen die Entscheidung der Behörde nichts einzuwenden. Da gebe es wohl gewisse Spielräume. Aus Sicht eines Heimatforschers sieht dies natürlich anders aus. An der Brücke steht sogar ein Infoschild, das auf das Denkmal hinweist und dessen Historie erläutert. „Doch von dem sieht man jetzt längst nicht mehr alles. Das ist mehr als bedauerlich.“

Teilasphaltierung sei vertretbar

Arnd Hepprich vom Steeler Archiv wertet das Ganze als wahres Sakrileg. „Wenn man nur einen Teil des Pflasters asphaltiert hätte, damit die Radfahrer bequemer passieren können, wäre das noch vertretbar gewesen. Aber nicht in dieser Form. Das Kopfsteinpflaster gehört schließlich zum Denkmal.“

Von der Bezirksregierung Düsseldorf war bislang keine Stellungnahme zu erhalten.

>>> BRIEF AN OB KUFEN

Die Entscheidung der Oberen Denkmalbehörde mag rechtens sein, dennoch will Wolfgang Paulert die Asphaltierung der Holteyer Brücke nicht auf sich beruhen lassen. Er hat sich in einem Brief an OB Kufen gewandt, hofft auf Unterstützung.

Bei Heimatforscher Arnd Hepprich und auch bei Norbert Mering von der Überruhrer Bürgerschaft seien viele Bürgerbeschwerden eingegangen.

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