Kunstspur

Abschied von der Alten Schule in Steele

Das Atelierhaus Alte Schule in Steele.

Das Atelierhaus Alte Schule in Steele.

Foto: WAZ

Essen-Steele.   Das Atelierhaus am Äbtissinsteig ist seit Januar geschlossen und steht zum Verkauf. Für die Kunstspur wird es noch einmal zum Leben erweckt

Es ist so etwas wie der ultimative Abschied: Anfang des Jahres hatte die Stadt das Atelierhaus Alte Schule geschlossen. Seitdem steht das Haus am Äbtissinsteig 6 leer, wartet wie auch das Grundstück auf seinen Verkauf. Für die Kunstspur, die sich an diesem Wochenende auch durch Steele schlängelt, wird das Domizil nun noch einmal für kurze Zeit geöffnet. Eine temporäre Wiederbelebung, die der Verein „Atelierhaus Alte Schule für Kunst-Medien-Kommunikation“ trotz hoher bürokratischer Hürden durchsetzte.

Ein Name ist mit dem Verein und dem traditionsreichen Haus auf ewig verknüpft: Doris Schöttler-Boll galt als treibende Kraft des Atelierhauses, dort, wo sie arbeitete und auch lebte – in der früheren Wohnung des Hausmeisters. Als die Künstlerin, die auch bei Joseph Beuys studierte, im Januar dieses Jahres verstarb, war die Alte Schule praktisch schon Geschichte. Mitte Mai wurden auch die letzten Spuren Jahrzehnte währender künstlerischer Arbeit endgültig entfernt.

Langer Marsch durch die Instanzen

Seit Premiere der Kunstspur hatte Doris Schöttler-Boll Steeler Künstlerinnen und Künstlern ihr Räumlichkeiten überlassen. Damit konnten auch die Medienkünstler, Plastiker, Grafiker und Maler teilnehmen, die über kein eigenes Atelier verfügten.

Zeitgleich bot sie in der Alten Schule ein umfangreiches Programm aus Performances, Diskussionen und Vorträgen an. Dank ihres verbindenden Verständnisses von künstlerischer Arbeit wurde die Kunstspur am Äbtissinsteig zu einem „Gesamtkunstwerk“ – im Atelierhaus selbst und im „Café Grün“, rund um das Haus herum, wo es sich trefflich diskutieren ließ.

Nun gingen ihre ehemaligen Mitstreiter den „langen Marsch durch die Instanzen“, wie es Edelgard Stryzewski-Dullien beschreibt. In diesem Fall hieß das: Projektbeschreibung an die Immobilienwirtschaft, Antrag an das Bauamt, verbesserter Antrag, dritter Versuch, Antrag durch berufene Person erforderlich, Architektin beauftragt, Pläne angefordert… Hilfestellung gaben die Architektin Christiane Voigt und auf politischer Ebene Irmgard Schmutzler-Jäger, Ratsfrau der Grünen.

Am 5. Mai dieses Jahres hatten die Künstler den Schlüssel des Atelierhauses abgeben müssen – mit Tränen in den Augen. Nun erhielten sie ihn für die Dauer eines letzten kreativen Wochenendes im Atelierhaus zurück. Nur wenige Tage vor Beginn der Kunstspur.

Seitdem sind alle damit beschäftigt, die Alte Schule noch einmal mit Leben zu füllen. „Als wir hier ankamen, gab es hier nichts mehr“, sagt Edelgard Stryzewski-Dullien. „Kein Stuhl, kein Tisch, nichts.“ Doch nun sind die Künstlerinnen und Künstler noch einmal da. Am 26./27. September, jeweils in der Zeit von 15 bis 19 Uhr – und werden ganz sicher auch in Erinnerungen schwelgen, denn Kunst wird es in der Alten Schule danach wohl nie wieder geben. Die Stadt plant noch in diesem Jahr eine Ausschreibung, um den Verkauf von Haus und Land voranzutreiben – für eine neue Wohnbebauung.

Diese Künstler stellen aus:

Marlis Becher, Hardy Bock, Petra Göbel, Christian Gode ,Ellen Gorzelany, Notburga Jenny-Niederprüm, Georg Niederprüm, Lore Klar, Rainer Komers, Vladimir Landkof, Rolf-Dieter Lavier, Candia Neumann, Eva Wiechert, Christian Paulsen, Bernhard Trautvetter, Janna Michels, Edelgard Stryzewski-Dullien, Fiona McLardy, Benedikt Sunderhaus und Erwin Wiemer. Zudem: Werke von Tim Weltermann (†).

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