Festival

Musik sorgt für Begegnung der Kulturen und Verständigung

Beim Musizieren sind alle gleich: Sieben Schulbands und Jugend-Orchester zeigten beim interkulturellen Festival „understand me“, dass sie spielen können und keine Vorurteile haben.

Beim Musizieren sind alle gleich: Sieben Schulbands und Jugend-Orchester zeigten beim interkulturellen Festival „understand me“, dass sie spielen können und keine Vorurteile haben.

Foto: Socrates Tassos

Essen-Altenessen.   Interkulturelles Festival „understand me“ in der Zeche Carl begeistert, weil nicht nur die Instrumente eine neue Heimat finden. Die Einzelheiten.

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„Musik macht Spaß“, sagt Kaan Yurtseven (9). Der Drittklässler hat mit seinem Vater das Mitmachfest auf Zeche Carl besucht. Zum Ende der interkulturellen Festivalwoche „understand me“ für Kinder und Jugendliche gab es Konzerte, Workshops und Aktionen rund um Musik und bessere Verständigung zwischen den Kulturen. Sieben Schulbands und Jugend-Orchester traten auf.

Schirmherrin Serap Güler, NRW-Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, überbrachte den Veranstaltungsbesuchern eine einfache Botschaft: „Musik hat eine ganz eigene Sprache, die jeder versteht.“

Als Kind türkischer Einwanderer aufgewachsen

Die in Marl geborene CDU-Frau ist als Kind türkischer Einwanderer in Deutschland aufgewachsen. Sie weiß, worum es bei Integration geht, was sie erleichtert oder erschwert. Höchstes Lob spricht sie dem Musik-Projekt „understand me“ unter der Trägerschaft des „Zukunft Bildungswerks“ von Turgay Tahtabas aus. „Für Kinder spielt die Herkunft keine Rolle“, weiß sie. Da zähle es nur, ob man miteinander spielen kann. „Davon können wir als Erwachsene sicherlich etwas lernen.“

Auch in den sieben Orchestern, die ihr Können vor einem größeren Publikum beweisen durften, ist Erfolg an ein gutes Zusammenspiel geknüpft. Seit Oktober erst musizieren die 28 Mädchen und Jungen der Klasse 5a der Frida-Levy-Gesamtschule gemeinsam. Schlagzeug, Trompeten, Saxophon, Gitarren und Posaunen bieten in der Zeche eine bunte Mischung bekannter Songs und ernten viel Applaus.

Im Alltag spielt die Herkunft keine Rolle

Lehrerin Sabine Goosses ist stolz. „Das haben sie toll gemacht.“ Die Musik stärke „unglaublich das Gemeinschaftsgefühl der Klasse“. Im Schulalltag spiele die Herkunft keine Rolle. „Die Kinder meiner Klasse stammen aus Ghana, Nigeria, Sri Lanka, der Türkei, dem Iran oder Irak sowie aus Dänemark, Italien und Deutschland.“

In Kleingruppen werden die Schüler jeden Freitag zunächst eine Stunde von Pädagogen der Folkwang-Musikschule unterrichtet, dann folgen 45 Minuten im Orchester. „Zum Festival wurde die musikalische Erziehung intensiviert. „Eine Woche lang haben alle Orchester intensiv geprobt“, berichtet Festival-Leiterin Tuba Tuncak von Tubito Events in Köln. „Musik ermöglicht eine echte Begegnung der Kulturen und verbessert die Verständigung.“ Auf der Bühne zeugen das italienische Tamburin, afrikanische Congas, die anatolische Bağlama-Laute und die spanischen Cajon-Trommeln für interkulturelles Flair. „Diese Instrumente haben schon eine neue Heimat gefunden“, sagt sie. Und nicht nur die.

2017 gab’s die Premiere

Beim kostenlosen Workshop im Hof hat Kaan aus Pappe, Holzstab und Angelschnur eine Gitarre gebaut. „Später möchte ich Schlagzeug spielen – in einer Rock’n’Roll-Band.“ Seine Wurzeln liegen in der Türkei, aber schon sein Vater wuchs in Deutschland auf. Als Tipp für die Nachwuchsmusiker rät die Staatssekretärin „dabei bleiben.“ Als Kind habe sie Flöte und Klavier gelernt, aber leider nicht weiterverfolgt.

Turgay Tahtabas, Gründer und Geschäftsführer des Essener „Zukunft Bildungswerks“, hatte das einwöchige Festival erstmals 2017 auf die Beine gestellt.

>> Mehr Bildung für benachteiligte Kinder

Das gemeinnützige „Zukunft Bildungswerk“ fördert die Bildung ausländischer Schüler und Erwachsener. Schwerpunkt: frühkindliche Erziehung.

„Wir möchten allen sozial benachteiligten Kindern die gleichen Chancen ermöglichen“, sagt Gründer und Geschäftsführer Turgay Tahtabas, der 2017 mit dem Talent-Award Ruhr ausgezeichnet wurde.

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