Emscherumbau

Karnaper Firma lässt glasklares Wasser in die Boye fließen

Vor dem Regenrückhaltebecken: Frauke Wimmer-Mätzkow (Projektleiterin),  Cornelia Banzhaf (Kommunikation) und Bernd Herden (Leiter Werksdienst).

Vor dem Regenrückhaltebecken: Frauke Wimmer-Mätzkow (Projektleiterin), Cornelia Banzhaf (Kommunikation) und Bernd Herden (Leiter Werksdienst).

Essen-Karnap.   7 Mio. Euro kostet neue Abwasserbehandlung des Glasherstellers Verallia in Karnap. Bauarbeiten begannen 2009 und gehen jetzt ihrem Ende entgegen.

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94 Jahre wurden am Standort des Karnaper Glaswerkes die Abwässer so wie sie sind in die benachbarte Boye, eine typische Köttelbecke, geleitet. Doch damit ist seit Mitte 2017 endgültig Schluss: Denn im Rahmen der Emscher-Renaturierung hat auch das Industriegelände endlich eine zeitgemäße Kanalisation bekommen.

„Wir sind stolz darauf, an diesem großen ökologischen Jahrhundertprojekt beteiligt zu sein“, sagt Frauke Wimmer-Mätzkow. Die Ingenieurin arbeitet in Karnap für den französischen Glasproduzenten Verallia, Eigentümer des Werkes, und zeichnet für das Projekt verantwortlich. „Wir sind bereits seit 2009 dabei, unter unserem 36 Hektar großem Gelände ein komplettes Abwasserkanalsystem zu bauen“, erzählt sie.

Externes Planungsbüro steuerte die Arbeiten

Die gesamte Baumaßnahme wird von einem externen Planungsbüro gesteuert und von der Emschergenossenschaft, dem für die Renaturierung zuständigen Wasserwirtschaftsverband, zu 75 Prozent finanziert. Knapp 7 Millionen Euro kostet der Wechsel vom „Mischsystem“ (Regenwasser und Schmutzwasser werden vermischt und in die Boye geleitet) zum „Trennsystem“ (Einleitung des Schmutzwassers in das Kanalsystem und des Regenwassers in die Boye).

Die lange Baudauer erklärt Bernd Herden, Leiter des Werksdienstes, mit den besonderen Umständen: Der Bau der Kanäle geschah bei laufendem Betrieb des Werkes. Dort wird rund um die Uhr gearbeitet, werden täglich 2,5 Millionen Glasflaschen und Gläser für die Lebensmittelindustrie produziert. „Das war schon logistisch eine große Herausforderung“, erzählt er. Was nicht nur daran lag, dass jede Toilette und jedes Waschbecken an das kilometerlange Kanalsystem angeschlossen werden musste, das neun bis zehn Meter unter der Erdoberfläche verläuft. Zusätzlich waren immer wieder Pumpwerke nötig, um das Gefälle auszugleichen. Und bevor ein Spatenstich getätigt wurde, musste erst einmal der Kampfmittelräumdienst das Gelände nach explosiven Überresten aus dem Zweiten Weltkrieg absuchen. „Gott sei Dank ohne etwas zu finden“, sagt Frauke Wimmer-Mätzkow.

Prestigegewinn für das Unternehmen

Für das Unternehmen Verallia ist die Beteiligung am Emscherumbau vor allen Dingen ein Prestigegewinn. „Doch letztendlich wird Verallia auch Kosten sparen, da sie kaum noch Entwässerungsgebühren zahlen müssen“, so Ilias Abawi, Sprecher der Emschergenossenschaft. Der Wasserwirtschaftsverband würde sich wünschen, das noch viel mehr Unternehmen an dem Mammutprojekt teilnehmen. Schließlich sei jeder Tropfen, der jetzt im Kanalsystem entsorgt wird, Gold wert. Genauso wie das saubere Regenwasser, das zukünftig in die Boye und in die Emscher geleitet wird. Dafür werden gerade auf dem Gelände der Verallia zwei Regenrückhaltebecken errichtet. Sie sind die einzig sichtbaren Zeugen des Emscherprojektes und werden Mitte 2018 in Betrieb genommen.

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Die 1923 gegründete Glashütte hat bewegte Zeiten hinter sich und in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach den Eigentümer gewechselt. Neben Ruhrglas und Veba war zuletzt die Oberland Glas AG Besitzer.

Seit 2016 firmiert die Glashütte unter dem Namen Verallia, einem der weltweit führenden Hersteller von Glasverpackungen für Lebensmittel.

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