Zwangsversteigerung

Essener Bordell war nie erlaubt – nun wird Villa versteigert

Als Einfamilienhaus in den sechziger Jahren errichtet, wurde an der Hundebrinkstraße viele Jahre ein Bordell betrieben.

Als Einfamilienhaus in den sechziger Jahren errichtet, wurde an der Hundebrinkstraße viele Jahre ein Bordell betrieben.

Foto: Klaus Micke

Essen-Altenessen.   Fast 30 Jahre lang gab es das Bordell „Penelope“ in Altenessen – obwohl die Stadt es nie genehmigt hatte. Nun wird die Villa versteigert.

Hundebrinkstraße 8 – wer diese Adresse in eine Internet-Suchmaschine eingibt, stößt in Bruchteilen von Sekunden auf „Penelope“, ein Bordell in Altenessen – die Nachfrage der Freier war offenbar groß. Noch heute weist die „Saunaclub Penelope GmbH“ die Öffnungszeiten (12 – 6 Uhr) am massiv gesicherten Eingangsportal aus. Doch um den Puff ist es still geworden. Im September letzten Jahres machte ihn die Stadt von heute auf morgen dicht, jetzt steht die Zwangsversteigerung an. Ein Gutachter taxiert die beiden Grundstücke auf dem Gelände der früheren Karosseriefabrik Schaumburg & Dausend auf 220.000 Euro.

Man sprach in Altenessen von der Dausend-Villa

Diese Fabrik wurde im Jahr 1956 in Altenessen errichtet. Offenbar arbeitete sie erfolgreich, denn zehn Jahre später wurde auf einem abgetrennten Grundstück ein Bungalow gebaut. Die Altenessener sprachen damals von der „Dausend-Villa“ – ein komfortables Heim mit drei Schlafzimmern.

Als die Karosseriefabrik 1987 wieder abgerissen wurde, war aus der schicken Villa schon längst ein „bordellähnlich“ genutzter Saunaclub geworden, wie der Gutachter den städtischen Akten entnimmt.

In Altenessen nahm damals niemand Anstoß an dem Etablissement. Bezirksbürgermeister Hans-Wilhelm Zwiehoff wohnte zu der Zeit in der nahen Höltesiedlung und konnte quasi vom Balkon auf das Bordell blicken. „Der Club hat aber nie für einen Aufschrei gesorgt, er ist immer akzeptiert worden“, erinnert er sich. Rund um „Penepole“ war es „mehr oder weniger ruhig“, außerdem lag es weit genug von der Siedlung entfernt.

Im Club herrschte reges Treiben

In dem Club herrschte dagegen ein reges Treiben. Das Amt für Stadtplanung und Bauordnung zitiert aus dem „Betriebskonzept“ des Bordells, nachdem „sich bis zu 50 Gäste und maximal 35 Prostituierte gleichzeitig in den Räumlichkeiten“ aufhalten konnten.

Die drei Schlafzimmer der „Dausend-Villa“ reichten dafür natürlich nicht mehr aus. Inzwischen waren in einem Anbau eine Kontaktzone, sechs Zimmer, eine Sauna sowie fünf weitere Räume im Keller dazugekommen, allerdings unter anderem in einem nicht von der Stadt genehmigten Anbau.

Der Stadt war das alles offenbar bekannt, denn sie musste sich bereits 1982 mit einer Bauvoranfrage für eine Schwimmhalle befassen. Diese konnte sie aber ablehnen, weil sie einen Bebauungsplan plante – mit dem Ziel, Sex-Betriebe zu verhindern.

Neues Prostituiertenschutzgesetz war Anlass für eine Begehung mit Brandschau

Ins Rollen kam die Schließung aber erst, als im vergangenen Jahr eine Nutzungsänderung des lediglich genehmigten Einfamilienhauses offiziell beantragt wurde. Jetzt lehnte die Stadt den Antrag aus Brandschutzgründen ab und machte den Club dicht. Stadtsprecherin Silke Lenz: „Mit Inkrafttreten des Prostituiertenschutzgesetzes im Jahr 2018 gab es Überprüfungen der einzelnen Einrichtungen. In dem Bordell an der Hundebrinkstraße wurde entsprechend eine Begehung mit Brandschau durchgeführt, bei diesen wurden bauliche Mängel festgestellt sowie Um- und Anbauten, die baurechtlich nicht genehmigt wurden. Daher wurde eine Nutzungsuntersagung erteilt.“

Der Verkehrswert bezieht sich jetzt nur auf die legalen Gebäudeteile. Außerdem senkt allein schon die Adresse den Wert, so der Gutachter. Sie stehe „seit Jahrzehnten für die Nutzung als Bordell/Saunaclub. Dieses ist in der Nachbarschaft, aber auch regional bekannt“.

Die Hundebrinkstraße 8 war lange Zeit stark gefragt.

>>ERSTE ZWANGSVERSTEIGERUNG BEREITS VOR ACHT JAHREN

  • Die Zwangsversteigerung ist für Freitag, 28. Juni 10 Uhr, vor dem Amtsgericht, Zweigertstraße 52, Saal 293, anberaumt.
  • Gläubiger sind laut Amtsgericht eine Behörde sowie ein Rechtsanwaltsbüro.


  • Bereits vor acht Jahren sollte „Penelope“ unter dem Hammer kommen. Doch trotz eines Gebots von 1,5 Millionen Euro kam es nicht zum Geschäft.

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