Altenessen-Konferenz

Am Marienhospital kommen Befürworter und Gegner zu Wort

Thomas Behler (Contilia, links) im Gespräch mit Tobias Urban („Rettet St. Johann“).

Thomas Behler (Contilia, links) im Gespräch mit Tobias Urban („Rettet St. Johann“).

Foto: Foto: Rüdiger Hagenbucher

Die 13. Altenessen-Konferenz ging neue Wege. Eine Station des Spaziergangs durch Altenessen-Mitte war das Marienhospital.

Essen-Altenessen. „Orte im Wandel – Was passiert im Bezirk V?“ hatte die Altenessen-Konferenz am Sonntag ihre 13. Zusammenkunft überschrieben. Erstmals hatte sie dazu zu Spaziergängen durch den Stadtteil eingeladen. Einer der vier führte zu dem Ort, dem wohl der größte Wandel bevorsteht: dem Marienhospital und der katholischen St. Johann-Baptist-Kirche. Während das eine völlig neu errichtet werden soll, droht dem anderen der Abriss. Gegner und Befürworter kamen gleichermaßen zu Wort, ohne sich in der Sache allerdings näher zu kommen. Das neue Marienhospital soll bis zu sechs Stockwerke hoch werden.

Integriertes Parkhaus soll auch dem Prinzip der kurzen Wege dienen

Um die Dimensionen zu erahnen, führte Thomas Behler (Contilia) eine der Gruppen über das Gelände. Mit dabei Tobias Urban, Vorsitzender des Vereins „Rettet St. Johann“ und damit entschiedener Verfechter für den Erhalt der Kirche bei gleichzeitigem Neubau das Krankenhauses. Die Absicht von Contilia sei es, so Behler, die „Krankenhausversorgung der Zukunft“ im Essener Norden zu sichern. Dazu soll das Marienhospital dienen, während sich das Philippusstift in Borbeck, das St. Vinzenz-Hospital in Stoppenberg sowie das Haus Berge in Bochold zu Gesundheitszentren entwickeln werden. Jetzt bestehe die Chance, ein optimales Krankenhaus zu errichten, und zwar mit den medizinischen Abteilungen konzentriert auf einer Ebene im Erdgeschoss. Das ermögliche „ganz kurze Wege für die Therapieplanung“. Das Prinzip der kurzen Wege gelte auch für das integrierte Parkhaus, das für Besucher und Patienten errichtet werden soll.

Verein schlägt weiterhin alternativen Standort für das Parkhaus vor

Für den Verein ist das einer der Knackpunkte. Tobias Urban berichtete erneut von der Bereitschaft des Unternehmens Thyssenkrupp-Schulte, ein Grundstück an der Wolbeckstraße für ein Parkhaus zur Verfügung zu stellen. „Dort ist man sehr aufgeschlossen für diese Idee, denn die Halle auf dem Grundstück steht leer“, sagte er. Werde das Parkhaus nur wenige Meter weiter als von Contilia geplant errichtet, käme die dafür eingeplante Fläche dem Krankenhaus zugute, außerdem müsste keine Ersatzkirche gebaut werden. Damit stünde mehr Grundfläche für das Marienhospital zur Verfügung, zitierte er Vorschläge des Architekten Heinrich Böll.

„Ist der Preis für ein Parkhaus nicht ein bisschen hoch?“

Thomas Behler erkannte darin jedoch den „Grundunterschied“ zwischen beiden Philosophien: Contilia habe die Chance „optimal zu bauen“ und bleibe deshalb bei seiner Planung. Allerdings fehlt noch ein Verkehrsgutachten, besonders für die Johanniskirchstraße, deren Anwohner massive Beeinträchtigungen durch Besucherverkehr und Krankentransporte befürchten. „Ist der Preis für ein Parkhaus nicht ein bisschen hoch?“, fragte ein Abriss-Gegner.

Obwohl die Standpunkte weiterhin offenbar unverrückbar nebeneinander verharren, gibt sich Konferenz-Moderator Klaus Wermker „zuversichtlich, dass wir eine andere Kommunikationsstruktur entwickeln“. Positiv sah auch Contilia-Geschäftsführer Dirk Albrecht die Altenessen-Konferenz, die die Gesprächsbereitschaft im Stadtteil fördern und unterstützen möchte.

Das „Haus für alle“ soll für rund vier Millionen Euro saniert werden

An dem Stadtteilspaziergang durch Altenessen-Mitte nahmen etwa 50 Personen teil. Sie hatten sich am Haus KD 11/13 getroffen, dem neuen „Haus für alle“ im ehemaligen evangelischen Gemeindehaus an der Karl-Denkhaus-Straße. Das Ziel sei es, den Gebäudekomplex für rund vier Millionen Euro zu sanieren, berichtete Willi Overbeck als Vorsitzender des Trägervereins. Schon jetzt sei das Haus eine Anlaufstelle für zahlreiche Vereine und Gruppen, fügte Geschäftsführerin Kristina Wendland hinzu.

So sei etwa der große Saal noch am Samstagabend von einer tamilischen Gruppe für einen Mal- und Kunstwettbewerb genutzt worden, an dem 200 Menschen teilgenommen hätten. Und der ehemalige Versammlungsraum ist inzwischen ein Tanzsaal, den der Verband der Russlanddeutschen eingerichtet hat. Außerdem hätten sich Designstudenten es sich zur Aufgabe gemacht, für die Besucher die Orientierung im Gewirr der Räume und Treppenhäuser zu verbessern.

Ellen Kiener und Willi Overbeck erinnern an wechselvolle Geschichte der Alten Kirche

Ellen Kiener und Willi Overbeck erinnern an die wechselvolle Geschichte der Alten Kirche

Weiter ging es anschließend zum neuen Gemeindezentrum der evangelischen Kirchengemeinde und in die Alte Kirche. Hier erinnerten Pfarrerin Ellen Kiener und Willi Overbeck an die wechselvolle Geschichte des Gotteshauses, aber auch an seine Bedeutung für die junge Generation. Diese war auch Thema für Martin Tenhaven. Der Direktor des Leibniz-Gymnasiums drückte seine Hoffnung aus, dass die Dependance am Mallinckrodtplatz demnächst aufgegeben werden könne, damit auch die 5. und 6. Jahrgänge an der Stankeitstraße unterrichtet werden könnten. Eine Machbarkeitsstudie zum Abriss oder neuen Nutzung der Schulräume sei auf dem Weg. Die weiteren drei Spaziergänge führten am Sonntag durch Altenessen-Süd, durch Karnap sowie durch Vogelheim.

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