Ausstellung

Kunstwerke für den Wollboden

Petra Mohr vor dem Bild  „Das goldene Kalb“, das sie im Rahmen der Ausstellung „Waschgang“ in Essen-Kettwig zeigt.

Petra Mohr vor dem Bild „Das goldene Kalb“, das sie im Rahmen der Ausstellung „Waschgang“ in Essen-Kettwig zeigt.

Foto: WAZ FotoPool

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Essen-Kettwig.Meistens haben Künstler eine Reihe von Arbeiten zu Hause und suchen dann nach einem passenden Ort, um sie zu präsentieren. Bei der Ausstellung „Waschgang“, die am Freitag auf dem Wollboden der Scheidtschen Hallen beginnt, war es genau umgekehrt. Einige Mitglieder des Bundesverbands bildender Künstler lernten den Wollboden kennen – und waren so begeistert, dass sie einige Kunstwerke eigens für diesen Raum anfertigten.

Arbeiten hängen überall - an den Wänden, an den Deckenbalken

„Es hat uns gepackt“, fasst die Künstlerin Teresa Wojciechowska mit einem Lächeln zusammen. Gemeinsam mit mehr als 20 Kollegen hat sie den Wollboden in ein einziges großes Kunstwerk verwandelt. Die einzelnen Arbeiten, die überall an den Wänden und den Dachbalken des Wollbodens befestigt sind, bestehen größtenteils aus Draht, aus Papier und Stoff.

„Die einzige Bedingung war, dass die Sachen leicht sind“, erklärt Wojciechowska.

Wer den Raum betritt, sieht alles auf einmal – oder kaum etwas. Die Arbeiten verdecken und verschleiern sich gegenseitig, durch manche kann man hindurchsehen, andere nimmt man auf den ersten Blick kaum wahr. Eines haben alle Stücken gemeinsam: sie sind fein und zerbrechlich.

Ursula Riedel hat per Schablonendruck farbige, abstrakte Formen auf Buchbinderleinen gebracht. Die Stoffstücke hängen frei im Raum. „Das Thema ist freier Fall. Es geht um Schwebezustände und Zartheit“, kommentiert die Künstlerin - die Formen erinnern an fallendes Herbstlaub.

Die Bildhauerin Petra Pfaff hat das Thema „Waschgang“ direkt in ihre Arbeit einbezogen. Eine Skulptur aus weißen, zusammengedrückten Lampions erinnert an Waschmaschinen, eine Anleitung zum Wäschewaschen hängt daneben an der Wand. Die Anleitung besteht nur aus Bildern – ein Seitenhieb auf die oft völlig unverständlichen Übersetzungen der Gebrauchsanweisungen.

Weniger Meter weiter hängt ein Mosaik aus Postkarten. „Das Gebot der Höflichkeit“ hat Ulla Schenkel diese Arbeit genannt. Hier geht es weniger um Wäsche. „Es ist mehr ein Aufwasch. Das alles sind Postkartengrüße an meine Mutter, meist von flüchtigen Bekannten.“ An den kurzen Grußtexten kann man sich leicht festlesen – um anschließend um das vielschichtige Kunstwerk herumzugehen und auf der Rückseite das dazugehörige Bild zu suchen.

Dass der Gesamteindruck der Ausstellung stark an einen ganz normalen Dachboden erinnert, auf dem Wäsche zum Trocknen aufgehängt wurde, haben die Künstler so gewollt. Aber das Konzept erfüllt noch einen weiteren Zweck: „Die Ausstellung funktioniert wie ein Labyrinth. Der Betrachter muss sich seinen eigenen Weg suchen“, meint Wojciechowska.

Die Künstler stammen aus Essen und aus verschiedenen Städten im bergischen Land. Seit einem Jahr kooperieren die Ortsgruppen des Bundesverbands bildender Künstler bei Ausstellungen.

Den Austausch mit anderen Profi-Künstlern schätzt sie sehr: „Es macht einfach Spaß, über den Tellerrand zu gucken. Das ist anregend und nicht so einsam wie allein im Atelier.“

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