Patienten-hochschule

Zertifikat bescheinigt die Patienten-Mündigkeit

Die Absolventen der Patientenhochschule, hinten v.l. Lothar Geil, Reimund Stötzel, Ulrike Stemmer, Roland Fessler, vorne v.v.l. Elisabeth Dalügge, Karin Graute, Wolfgang Stemmer und Harald Bartz.

Die Absolventen der Patientenhochschule, hinten v.l. Lothar Geil, Reimund Stötzel, Ulrike Stemmer, Roland Fessler, vorne v.v.l. Elisabeth Dalügge, Karin Graute, Wolfgang Stemmer und Harald Bartz.

Foto: Knut Vahlensieck

Essen-Borbeck.   Die Absolventen der Patienhochschule wollen mehr von Medizin verstehen. Um gezielter nachfragen zu können, wenn ihnen mal etwas unklar ist.

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Neun Zertifikate überreichen die Verantwortlichen am Dienstag den Absolventen der Patientenhochschule. Sie alle können sich ab nun „mündige Patienten“ nennen. Das heiße, dass sie in der Lage sind, im Gespräch mit Ärzten kritischer nachzuhaken, so die Organisatoren.

Die Patientenhochschule ist eine Initiative des Katholischen Klinikums mit Fackliniken in Borbeck, Altenessen und Stoppenberg sowie der Steinbeis Hochschule in Kupferdreh. Ziel ist es, die Studierenden innerhalb von vier Semestern zu „mündigen Patienten“ zu machen. Dafür müssen sie pro Semester 15 Kurse in den Bereichen Medizin, Chirurgie und Gesundheitspolitik belegen. Jedes halbe Jahr können sie sich zur Prüfung anmelden. Maximal vier Zertifikate können erworben werden. Das Besondere: Für das Studium gibt es, wie bei einem normalen Studium auch, Credit-Points (ECTS-Punkte). Diese können bei einer späteren Bewerbung für ein Studium im Gesundheitsbereich angerechnet werden. Damit sollen in Zukunft jüngere Studierende angelockt werden, so Stefan Mattes, Pressesprecher des Katholischen Klinikums.

Wissen der Patienten wird auch kritisch gesehen

Die Absolventen schätzen neben den Kursen zu Themen wie Hauterkrankungen, Reanimation und Herzschwäche die Art und Weise, wie die ehrenamtlichen Dozenten den Stoff vermitteln: „Alle Dozenten sprechen so, dass man es versteht. Da gibt es kein Ärztelatein“, sagt Teilnehmer Lothar Geil. Für ihn sei das ein Grund gewesen, auch den Weg von Gelsenkirchen nach Essen in Kauf zu nehmen.

Einige Ärzte scheinen das erworbene Wissen jedoch kritisch zu sehen. So erzählt Ulrike Stemmer, dass sie Ärzte erlebt habe, die sehr distanziert auf ihre kritischen Nachfragen reagiert hätten. „Ärzte verhalten sich plötzlich anders, wenn man konkret nachfragt.“ Sie habe einen Arzt erlebt, der zwar nichts Negatives gesagt, aber recht verhalten reagiert habe. „Ärzte sind ja dazu gezwungen, in Fachvokabeln zu sprechen, um von ihren Kollegen ernst genommen zu werden“, erklärt sich Stemmer dieses Verhalten. „Die Hierarchien im Krankenhaus sind furchtbar.“

Ehepaar Stemmer erreicht höchste Ausbildungsstufe

Das Ehepaar Stemmer hat die höchste Ausbildungsstufe erreicht: Beide nehmen bereits ihr viertes Zertifikat entgegen. Die Motivation zu finden, um dabei zu bleiben, sei nicht immer einfach gewesen: „Drei Semester lang ging es gut. Dann wurde ich krank und musste vier Monate pausieren“, erzählt Wolfgang Stemmer. „In dieser Zeit habe ich mich gefragt, warum wir das eigentlich machen.“ Seine Frau ergänzt: „Wenn ich etwas anfange, möchte ich es auch zu Ende bringen.“ Beide werden in Zukunft weiter Kurse besuchen, dann aber auch nur solche, die sie interessieren. „Krankenhausverwaltung ist nicht mein Spezialgebiet“, sagt Ulrike Stemmer und lacht.

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