Borbecker Lunapark

Wäldchen hat den Namen „Lunapark“ Liebespärchen zu verdanken

Idyllisch gelegen, lädt der „Lunapark“ auch noch heute zu schönen Spaziergängen ein. Fürs Liebesspiel ist es derzeit allerdings etwas kalt. . .

Idyllisch gelegen, lädt der „Lunapark“ auch noch heute zu schönen Spaziergängen ein. Fürs Liebesspiel ist es derzeit allerdings etwas kalt. . .

Foto: Uwe Möller

Essen-Borbeck.   Viele Leserinnen und Leser haben schöne Erinnerungen ans Gehölz in Borbeck. Einig sind sie sich, dass hier junge Leute im Mondschein knutschten.

„Lunapark“ – diesen Namen hat das Wäldchen zwischen Schloßstraße und Laarmannstraße in Borbeck offenbar Heerscharen von Liebespärchen zu verdanken. Vor rund 100 Jahren war das Gehölz am Pausmühlenbach ein Eldorado für verliebte Paare, die im Mondschein zueinander fanden. Darin sind sich die meisten der erstaunlich vielen Leserinnen und Leser einig, die sich auf unseren Aufruf hin gemeldet haben.

Als Kronzeuge wird mehrfach das im Peter Pomp Verlag erschienene Buch „Wanderungen durch unsere Stadt“ genannt. Dort ist auf Seite 184 zu lesen: „Die einst in die Buchenrinden eingeschnittenen, heute vernarbten Initialen und Herzchen weisen auf den Namen dieses Parkes hin: In den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts suchten junge verliebte Paare von Borbeck an hellen Mondscheinabenden, vornehmlich zur Frühlings- und Sommerzeit, gern diesen Ort auf. Prompt beschwerten sich sittenstrenge Anlieger, was der leutselige Borbecker Bürgermeister jedoch mit den Worten abtat: ,Ist das denn so schlimm? Da kann Frau Luna sich nur freuen.’ So entstand der Name Lunapark.“

Jules Vernes Romane waren damals populär

Möglicherweise brachte auch ein Musikhit die jungen Leute auf den „Lunapark“. Franz Josef Gründges vom Kultur-Historischen Verein Borbeck spekuliert, dass die Operette „Frau Luna“ von Paul Lincke Pate gestanden haben könnte. Sie wurde 1922 in der endgültigen Fassung uraufgeführt – in einer Zeit, in der Jules Vernes Roman „Von der Erde zum Mond“ populär war.

Einen anderen Blick hat Hanna Horst aus Werden auf das Wäldchen. Bei Spaziergängen mit Freunden rund ums Schloss Borbeck hat die Gruppe auch den Lunapark entdeckt – und sie waren begeistert, wie ein erstaunter Ausruf gezeigt habe: „Schätzken, ist das nicht schön in Borbeck?“ Deshalb ist auch die 76-Jährige aus dem Essener Süden überzeugt, dass sich hier einst Liebespaare im Mondschein tummelten.

Sogar eine halbamtliche Bestätigung

Eine andere, aber ebenso schöne Erinnerung hat Maria Schirrmacher (77). Ihre Großeltern hatten eins der beiden Wohnhäuser im Wald angemietet. „Wir haben als Kinder dort eine wahnsinnig schöne Zeit verlebt. Im Bach haben wir Stichlinge und Frösche gefangen, der Großvater trocknete Tabakpflanzen in seinem Garten, und hinterm Haus hatte er ein Schwein und eine Ziege.“ Kurz gesagt: „Für uns Kinder war das Abenteuer pur.“ Dass der Wald Lunapark genannt wurde,habe sie jedoch erst als Erwachsene erstmals gehört.

Quasi amtlich ist die Bestätigung der Namensgebung, die Herbert Bülter schon vor Jahrzehnten gehört hat. Sein Kollege Günter Podubrin, zuständig im Dienst der Stadt Essen u. a. für Bachdurchlässe und Brücken, habe in der Hausakte „Pausmühlenbach“ einen Hinweis gefunden, dass Einheimische um die Jahrhundertwende von einem Liebespark bei Mondschein gesprochen haben.

Viele Anregungen auf der Internetseite „stepbysteprheinruhr.de“

Viele Wälder und Parks, ob öffentlich oder privat, listet die Internetseite „stepbysteprheinruhr.de“ auf. Zahlreiche Halbtags- und Ganztagswanderungen hat Autor Gerold Reim zusammengetragen.

Auch Essener finden hier noch zahlreiche Anregungen für schöne Spaziergänge. Mitten in der langen Liste findet sich auch der Lunapark in Borbeck.

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