Juniorwahl

Juniorwahl: 300 Schülerinnen spielten die Landtagswahl durch

Jaslin (rechts) gab – wie etwa 300 weitere Schülerinnen auch – am Freitag ihre Stimme ab.  Die Wahlurne wird streng bewacht und erst am Montag vom SoWi-Kurs geöffnet. Bis dahin ist die Spannung groß.

Foto: Knut Vahlensieck

Jaslin (rechts) gab – wie etwa 300 weitere Schülerinnen auch – am Freitag ihre Stimme ab. Die Wahlurne wird streng bewacht und erst am Montag vom SoWi-Kurs geöffnet. Bis dahin ist die Spannung groß. Foto: Knut Vahlensieck

Essen-Borbeck.   Das Mädchengymnasium in Borbeck simulierte die Landtagswahl. Die Stimmzettel werden erst am Montag ausgezählt. Bis dahin steigt die Spannung.

Eins ist sicher am Tag vor der Landtagswahl: Sowohl die DGU (Das Grüne Update) als auch die AAP (Anti Armuts Partei) verpassen den Einzug ins Düsseldorfer Parlament. Auch die ZPD (Zukunftspartei Deutschland) hat null Chancen. Die Gründung von Fantasieparteien gehörte für 300 Schülerinnen des Mädchengymnasiums Borbeck zum Projekt „Juniorwahl“, an dem sich die Schule jetzt erstmals beteiligte.

Alle Jahrgangsstufen zwischen acht und elf beschäftigten sich unter Leitung von SoWi-Lehrer Daniel Fliesen in den letzten Wochen mit der Wahl. Gestern wurden die Mädchen zum Urnengang gerufen. Der wirklich aufregende Moment wartet dann am Montag auf sie, wenn sie die Stimmzettel auszählen und mit dem tatsächlichen Ergebnis vergleichen.

Wahlen üben offenbar ihren Reiz aus, von Politikmüdigkeit ist bei den Schülerinnen, die die Wahlzettel austeilen und die Urne bewachen, wenig zu spüren. Laura (16) – „Ich mag Politik“ – ist ebenso interessiert wie ihre Mitschülerinnen Susanne und Nicole, die auf die Ausgabe der blauen Stimmzettel für den Wahlkreis 65 warten. Die ebenfalls 16-jährige Sumi organisiert hingegen die Ausgabe. Mit ihrem Kopftuch zeigt sie deutlich, dass sie muslimischen Glaubens ist. Trotzdem hätte die Tochter einer türkischstämmigen Mutter und eines albanischen Vaters kein Problem, auch eine christliche Partei zu wählen, falls das Programm ihr zusagt: „Das wäre kein Hindernis. Deswegen wäre ich ja nicht gleich eine Christin.“

Die Juniorwahl wird seit 2009 in ganz Deutschland veranstaltet. Das Mädchengymnasium ist aber jetzt erstmals dabei. „Weil wir bisher in der Fachschaft Sozialwissenschaften schwach besetzt waren“, begründet Direktorin Jutta Reimann die Abstinenz. Jetzt können auch wieder Themen wie die Europäische Union behandelt werden.

Bei der Probewahl am Freitag durften im übrigen alle Schülerinnen mitwählen, ob sie einen deutschen Pass besitzen oder nicht. Auch die, aus Flüchtlingsfamilien stammenden, Kinder in der Internationalen Vorbereitungsklasse machten ihr Kreuzchen. „Wir wollen die demokratische Teilhabe üben und auch zeigen, dass es kein großer Aufwand ist, zu einer Wahl zu gehen.“

Die spannende Frage bis Sonntagabend ist natürlich: Wie geht die Wahl aus? Hema z. B. glaubt an ein SPD/CDU-Kopf-an-Kopf-Rennen. „Und dass jemand eine radikale Partei wählt, habe ich auch noch nicht gehört.“ Kristina tippt hingegen auf einen SPD-Sieg. „Die Partei hat mehr Angebote für jüngere Leute“, findet sie. Außerdem wäre Thomas Kutschaty, Borbecker und SPD-Landesjustizminister, sehr präsent gewesen.

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