Diskriminierung

Essen-Altendorf: Penny-Markt erteilt Schülern Hausverbot

Nils Müller wurde an der Kasse dieses Penny-Marktes an der Kopernikusstraße in Essen-Altendorf nicht bedient, sondern des Geschäfts verwiesen. Er ist Schüler des Don-Bosco-Gymnasiums in Borbeck und wusste nichts von der Regelung.

Nils Müller wurde an der Kasse dieses Penny-Marktes an der Kopernikusstraße in Essen-Altendorf nicht bedient, sondern des Geschäfts verwiesen. Er ist Schüler des Don-Bosco-Gymnasiums in Borbeck und wusste nichts von der Regelung.

Foto: Rüdiger Hagenbucher

Essen-Altendorf.  Der Penny-Markt in Essen-Altendorf spricht ein Machtwort: Schüler haben von 8 bis 15.30 Uhr Hausverbot. Ein 14-Jähriger fühlt sich diskriminiert.

Die böse Überraschung wartete auf Nils an der Kasse des Penny-Marktes in Essen-Altendorf. Der 14-jährige Don-Bosco-Gymnasiast hatte Freitagmittag Schulschluss, der Magen knurrte. Also legte er sich einen Energie-Drink und zwei Brötchen in den Einkaufskorb und reihte sich in die Schlange vor der Kasse ein. „Als ich dann dran war, hat die Kassiererin die Sachen vom Band genommen und mir gesagt, es täte ihr leid, aber sie dürfe bis 15.30 Uhr keine Schüler bedienen“, berichtet er. Mit leeren Händen musste er den Penny-Markt wieder verlassen.

Schüler durfte nicht bei Penny einkaufen: „Ich halte das für diskriminierend“

Was er zu diesem Zeitpunkt nicht wusste und auch durch keinen Aushang erkennen konnte: Der Altendorfer Penny an der Kopernikusstraße erteilt von montags bis freitags Schülern der nahen Gesamtschule Bockmühle zwischen 8 Uhr und 15.30 Uhr Hausverbot.

Das sei quasi Notwehr, wie Rewe-Pressesprecherin Kristina Schütz bestätigt: „In Abstimmung mit der Schule (die das Vorgehen ausdrücklich befürwortet) haben wir uns als Ultima Ratio für diese Maßnahme entschlossen, um unseren Markt, unsere Mitarbeiter und die Kunden gegen anhaltende Übergriffe von Schülergruppen zu schützen. Rein verbale Aufforderungen haben über Wochen keinerlei Wirkung gezeigt, so dass sich die Lage für unsere Mitarbeiter im Markt immer weiter verschärft hat.“

Sprecherin: Schüler hätten Kunden belästigt

Das Hausverbot habe dazu geführt, die Situation deutlich zu beruhigen. Penny stehe in engem Austausch mit der Schule und behalte sich vor, das Hausverbot perspektivisch auch wieder aufzuheben. Es gehe hier „ausschließlich um Schülergruppen, die willkürlich und in hohem Maße Kunden belästigt und Waren beschädigt haben, ohne diese zu kaufen.“

Nils hat allerdings nur bedingt Verständnis für diese Maßnahme, zumal er gar nicht die betreffende Schule besucht. „Das ist ja schön und gut“, sagt er, „aber dass nur Schüler und Schülerinnen in dieser Zeit stehlen und randalieren sollen, ist mir unbegreiflich, und ich halte diese Regelung für diskriminierend.“

Schubsereien und Beschimpfungen

Hilda Schlothammer, die stellvertretende Marktleiterin in Altendorf, versteht den blonden Jungen, der nun gar nicht den Eindruck eines Rüpels macht. „Es tut uns wahnsinnig leid, aber es geht darum, dass es riesen Gruppen sind, die in den Laden stürmen. Sie stehen in ihren Pausen unter Zeitdruck und es gibt immer Palaver.“

Es sei auch schon vereinzelt vorgekommen, dass es mit Verkäuferinnen zu Schubsereien und Beschimpfungen gekommen sei, wenn diese zum Beispiel auf zerknüllte Chipstüten hingewiesen hätten: „Da mussten wir etwas tun.“ Und zwar ausdrücklich in Absprache mit der Gesamtschule, die ihre Schüler auf das Hausverbot hingewiesen hat.

Das zeitlich beschränkte Hausverbot für Schüler sei in den vergangenen Jahren immer wieder einmal erteilt worden, werde aber auch immer wieder überprüft. Hilda Schlothammer macht Nils das Angebot, sich vor seinem Einkauf an der Kasse zu melden und Bescheid zu sagen.

Dass er auch unbeanstandet Energie-Drink und Brötchen im Penny kaufen kann, hat er übrigens am gleichen Abend noch einmal versucht. Da ging alles glatt.

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