Für die Kritiker war es eine „unerträgliche Heuchelei“ und rassistische Hetze obendrein. Doch dass der jüngste „Spaziergang“ der bürgerwehrähnlichen Gruppierung Steeler Jungs zum Trauermarsch für den ermordeten kleinen Jungen am Frankfurter Hauptbahnhof umgewidmet wurde, erwies sich für diese – gemessen an den Teilnehmerzahlen – augenscheinlich als Erfolg: Gut 350 Personen machten sich am Donnerstagabend auf den Weg durch den Stadtteil, Familien mit kleinen Kindern genauso wie bekannte Nazigrößen aus NRW.

Die Gegendemonstration am Kaiser-Otto-Platz fiel zahlenmäßig deutlich kleiner aus. Aber mehr noch als dieser Umstand irritierte manchen Beobachter, dass die vom Verfassungsschutz beobachteten Demonstranten aus der Hooligan-, Rocker- und Rechts-Szene für ihren Auftritt auch von einigen Bürgern im nahen Eiscafé spontanen Beifall erhielten. Und dass der Aufmarsch abermals nur von wenigen Polizisten begleitet wurde.