Ehrgeiz gehört im Sport dazu und so mancher nimmt ihn sogar mit auf die Showbühne: Als Mohamed Al Ali aus dem Special-Hockeyteam des ETB Schwarz-Weiß nicht zu Essens Sportler des Jahres 2025 gekürt wurde, ärgerte er sich sichtbar, als hätte er gerade ein Spiel verloren oder einen wichtigen Schuss neben das Tor gesetzt. Eine herrlich ehrliche Szene bei der 2. Essener Sportgala, bei der vor 800 Gästen im größten Saal des Congress Centers ansonsten der Wassersport dominierte – und eine aktuelle Diskussion.

Denn die Siegerinnen und Sieger aus sämtlichen fünf Kategorien bewegen sich in ihrem sportlichen Leben in oder auf dem Element Wasser. So wie Schwimmer Cedric Büssing, der U23-Europameister über 400 Meter Lagen von der SG Essen. Der 22-Jährige stammt aus Grevenbroich, hat schon in Dortmund gelebt und in den USA studiert, ist aber seit 2025 auch waschechter Essener. Die Wohnung ganz in der Nähe der Schwimmhalle in Rüttenscheid habe ihm Horst Melzer, Gründer des dortigen Sportinternats, besorgt. „Er ist also nicht nur Trainer, sondern auch Immobilienmakler“, scherzte der neue Sportler des Jahres.

Sport-Gala in Essen
Neuer Sportler des Jahres in Essen: Schwimmer Cedric Büssing von der SG Essen.© FUNKE Foto Services | Michael Gohl

Newcomerin des Jahres aus Essen: Zweimal Top fünf bei der Junioren-EM

In seiner eigentlichen Funktion hat Melzer auch die Newcomerin des Jahres unter seinen Fittichen: Laura Sophie Kohlmann. Die 16-Jährige landete 2025 bei der Junioren-Europameisterschaft in der Slowakei zweimal unter den ersten fünf – als Vierte über 400 Meter und als Fünfte über 200 Meter Lagen. Als Essenerin besucht sie zwar nur das Teilzeitinternat, wohnt also weiterhin zu Hause, stellte im Rahmen der Gala aber die Vorteile der Einrichtung für junge Talente heraus. Die kennt in Essen natürlich keiner besser, als Horst Melzer persönlich: „Die jungen Menschen sind früh schon mit dem Leistungssport in Verbindung und wissen wie man zu leben hat, weil sie ja mit den älteren Sportlerinnen und Sportlern zusammen sind.“

Sport-Gala in Essen
Jill Rutzen ist Sportlerin des Jahres in Essen.© FUNKE Foto Services | Michael Gohl

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Ihren großen Auftritt hatte bei der Gala auch die Sportart Kanupolo, die sich sonst eher im Schatten diverser anderer Disziplinen bewegt. Mit Jill Rutzen und Michael Konrad stellte der KSV Rothe Mühle die Sportlerin und den Trainer des Jahres. Rutzen gewann mit dem Nationalteam zum dritten Mal den EM-Titel sowie Gold bei den World Games. „Das war auf jeden Fall der Höhepunkt, denn das sind für uns ja quasi die Olympischen Spiele. China hat da echt schon was drauf, das war ein richtig gutes Gefühl dort“, sagt die Sportlerin des Jahres. In diesem Jahr steht die WM in Duisburg an.

Michael Konrad: Essener trainiert drei Mannschaften gleichzeitig

Michael Konrad ist eine lebende Legende in seiner Sportart, war selbst einer der erfolgreichsten Spieler Deutschlands und coacht nun bei seinem Verein parallel die Damen und Herren, die beide auch als Mannschaft des Jahres nominiert waren. Gleichzeitig führte er die U21-Nationalmannschaft zu EM-Silber. „Wir sind in allen Kategorien vertreten, wir sind ein toller Verein und mutmaßlich der kleinste, der hier nominiert ist“, sagte der Coach nicht ohne Stolz.

Sport-Gala in Essen
Die Tanzschule dance&more sorgte für das Rahmenprogramm bei der 2. Essener Sportgala.© FUNKE Foto Services | Michael Gohl

Zum Team des Jahres hat es nicht gereicht, der ging an eine weitere Wassersport-Mannschaft: den Frauen-Achter der Kettwiger Rudergesellschaft. Erst 2025 gegründet schnappte sich das Team um Kapitänin Paula Burbott gleich den Titel in der Ruder-Bundesliga. Der soll in diesem Jahr nach Möglichkeit erfolgreich verteidigt werden.

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Essens Sportlerwahl 2025 in der Übersicht

  • Sportler: Cedric Büssing (SG Essen / Schwimmen)
  • Sportlerin: Jill Rutzen (KSV Rothe Mühle / Kanupolo)
  • Mannschaft: Kettwiger Rudergesellschaft (Frauen-Achter / Rudern)
  • Trainer: Michael Konrad (KSV Rothe Mühle / Kanupolo)
  • Newcomerin: Laura Sophie Kohlmann (SG Essen / Schwimmen)

Ansonsten wurde die Sportgala auch als Werbung für Olympische und Paralympische Spiele in NRW genutzt. Am 19. April steht der Ratsbürgerentscheid an, ausschließlich per Briefwahl, am 26. September entscheidet der DOSB über den nationalen Kandidaten. „Sportliche Großevents trauen uns andere nur dann zu, wenn wir es uns selber zutrauen“, meinte OB Thomas Kufen, der immer wieder die Nachhaltigkeit der Spiele in den Vordergrund stellte. „Die Hallen sind ja da, die Sportbegeisterung ist da. Alles, was wir noch nicht haben, können wir über andere Förderwege durch Olympia erreichen“, verschwieg Kufen nicht, dass es noch eine Menge Nachholbedarf in Sachen Infrastruktur gibt. „aber mit olympischen und paralympischem Turbo schaffen wir das auf jeden Fall.“ Auch Dr. Christoph Niessen, Vorstandsvorsitzender des Landessportbundes, sprach von einer „Riesenchance für das Ruhrgebiet und Essen.“

„Ich habe erlebt, was Olympia mit den Menschen in Paris gemacht hat“

Sonja Greinacher hat als Olympiasiegerin im 3x3-Basketball erlebt, „was Olympia mit den Menschen in Paris gemacht hat. Wenn wir die Chance haben, das hier in unsere Region zu bringen, sollten wir die auf jeden Fall nutzen.“ Der Auftakt der Kampagne vor zwei Wochen habe die Begeisterung der Menschen gezeigt. „Jetzt müssen wir es einfach weitertragen und darüber sprechen“, so Greinacher.

Ex-Schwimmer Christian Keller war schon Anfang des Jahrtausends bei der Bewerbung für mögliche Spiele 2012 mit dabei. „Da sind durchaus Fehler gemacht worden. Jetzt sind die Chancen wirklich nachhaltig“, so der ZDF-Experte. Das könne sich auch auf den Sport vor Ort auswirken. Keller erinnert sich an eine Kurzbahn-DM im Essener Hauptbad 2004. „Da waren zwar nur 600 Leute, aber dieser Spirit macht was mit den Kindern.“