An diesem Morgen haben sie die Ruhr noch fast ganz für sich allein. Die Uferwege in Kettwig sind noch leer, selbst Enten sind am frühen Pfingstmontag nur selten auf dem Wasser unterwegs. Umso lauter scheinen die Geräusche der neun jungen Frauen: Die scharfen Kommandos von Lilli Fischer, die heute als Steuerfrau aushilft. Das Eintauchen der Ruderblätter, das Klatschen der Wellen ans steinige Ufer. Die Gesichter zeugen von Anstrengung und Konzentration. Der Ruhr-Achter der Kettwiger Rudergesellschaft bereitet sich auf das kommende Rennen vor. Fünf Jahre lang war das Boot von der Bildfläche verschwunden. Jüngst tauchte es wieder auf und statt wie geplant erst einmal wieder langsam anzukommen in der Ruder-Bundesliga, wird nun Richtung Titel geschielt. So rasant können sich Ziele ändern in einer Liga, in der es verdammt schnell zugeht.
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350 Meter in etwas mehr als eine Minute – Rennen in der Bundesliga sind Sprints. Volle Pulle, kein Durchschnaufen, kein Taktieren wie im Achter-Rennen über die olympische Distanz von 2000 Metern. Geschwindigkeit, Kraft und eine gute Abstimmung untereinander machen den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage aus. „Wir haben uns selbst gewundert, dass wir so davongeflogen sind“, sagt Teamkapitän Paula Burbott noch immer etwas ungläubig mit Blick auf den Saisonauftakt vor zwei Wochen.

Ruhr-Achter: „Jetzt ist der Titel das Ziel“
In Gießen war der Kettwiger Achter nach mehrjähriger Pause erstmals wieder am Start und musste sich am Ende nur dem amtierenden Liga-Champion aus Berlin geschlagen geben. Nun steigt am Samstag in Mülheim der zweite von insgesamt fünf Renntagen des Sommers. Ganz klar: An den Überraschungs-Erfolg wollen die Kettwigerinnen anknüpfen. „Vor dem ersten Rennen hatten wir für das Saisonende vorsichtig einen Platz auf dem Podest angepeilt. Jetzt ist das Ziel der Titel“, sagt Ruderin Lena Siekerkotte.
Der Kettwiger Ruhr-Achter wurde 2018 Dritter und 2019 Liga-Zweiter. Danach – lange nichts. Die Corona-Pandemie verhinderte weitere Auftritte und auch in den Folgejahren taten sich mehrere Vereine und auch die Kettwiger Rudergesellschaft schwer, das Personal für einen Achter zu versammeln. Vergangenen Sommer aber machte sich Paula Burbott daran, das Großboot wieder flott zu machen. Die 24-Jährige versammelte viele Mitstreiterinnen, die ebenfalls in den Vorjahren noch in verschiedenen Bootsklassen das Deutschland-Trikot bei internationalen Wettbewerben bis zur U23 getragen hatten, nun aber wegen Job oder Studium kürzertreten wollten.

Ruhr-Achter: Bis zu fünf Duelle bis zum Tagessieg
So setzt sich die insgesamt 20 Frauen umfassende Besatzung aus Kettwigerinnen, Athletinnen der Rennrudergemeinschaft Mülheim und aus Sportlerinnen aus Bochum und Münster zusammen. Man kannte sich aus dem Verein oder von Kader-Lehrgängen. Im frühen Winter begannen die Vorbereitungen, im Februar ging es dann erstmals wieder aufs Wasser. „Es dauert lange, bis sich ein Achter einspielt. Zumal es von Verein zu Verein auch unterschiedliche Ruderstile geben kann“, erklärt Lena Siekerkotte. Und als dann das Essener Unternehmen Kötter Services als Sponsor gewonnen wurde, konnte das nun offiziell als „Kötter Services Ruhr-Achter Essen Kettwig“ firmierende Team richtig loslegen.
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Bis zu fünf Rennen gegen jeweils einen Gegner stehen nun am Samstag am Mülheimer Wasserbahnhof (ab 9 Uhr) auf dem Programm. Zuerst zwei Zeitfahr-Duelle, anschließend geht es mit dem Viertelfinale in die K.o.-Phase. Ob es am Ende wieder zum Duell mit den „Havelqueens“ aus Berlin kommt? Eins ist klar: Als „absolute Überraschung des Tages“ wie sie der Kommentator in Gießen noch vor zwei Wochen nannte, geht der Kettwiger Achter nicht mehr an den Start. Die Konkurrenz ist gewarnt. Auf der Ruhr ist der kettwiger Achter dann nicht länger alleine.
Das ist der Ruhr-Achter Essen Kettwig
Die Besatzung des Kötter Services Ruhr-Achter Essen Kettwig:
Paula Burbott, Kristin Burkert-Scholz, Ariane Drenker, Eva Dybowski, Lilli Fischer, Lenja Fütterer, Jette Henkel, Charlotte Heyltjes, Nele Kruse, Mirja Meise, Franziska Ott, Pia Riethmüller, Lisa Röttchen, Celina und Lea Schneider und Lena Siekerkotte.
Als Steuerfrauen sind Leonie Neuhaus und Nadja Möllering mit an Bord und sorgen für die nötige Rennübersicht und taktische Führung.


