Zusammenfassung

  • Sonja Greinacher, Olympiasiegerin im 3x3-Basketball, kehrt nach Essen zurück.
  • Ein Basketballcamp für Mädchen soll den Grundstein für die Wiederbelebung des Mädchen-Basketballs beim ETB Schwarz-Weiß Essen legen.
  • Die 33-Jährige stellt klar: „Dies soll kein einjähriges Projekt, sondern etwas langfristiges sein.“

Als Sonja Greinacher in Paris den größten Erfolg des deutschen Frauen-Basketballs feierte und zum Vorbild zahlreicher Mädchen wurde, gab es in ihrem Heimatverein schon lange keine weiblichen Nachwuchs-Basketballerinnen mehr. Es war der 5. August 2024, die Essenerin Greinacher und ihre Mitspielerinnen gewannen auf dem Place de la Concorde in Paris die Goldmedaille des Olympischen 3x3-Turniers. Fast ein Jahr ist der unerwartete Triumph unweit des Triumphbogens nun her. Dabei fühlt es sich an wie gestern. Fast 18 Jahre sind vergangenen, seit beim ETB Schwarz-Weiß Essen das letzte Mal ein reines Mädchen-Basketball-Team auflief. Fühlt sich nicht nur an wie eine Ewigkeit – es ist eine Ewigkeit her.

Das soll sich nun ändern. Der Klub will den weiblichen Bereich wiederbeleben. Verantwortlich dafür: Sonja Greinacher – die Olympiasiegerin, die einst im Training von Schwarz-Weiß die Bälle auf den Korb warf. „Ich habe diesem Sport so viel zu verdanken. Nun möchte ich etwas zurückgeben“, sagt die 33-Jährige.

Olympiasiegerin Sonja Greinacher: „Mit blutendem Herzen verfolgt“

Was für ein Moment: Sonja Greinacher feiert mit dem 3x3-Team den Gewinn der Goldmedaille bei Olympia in Paris.
Was für ein Moment: Sonja Greinacher feiert mit dem 3x3-Team den Gewinn der Goldmedaille bei Olympia in Paris.© dpa | Maximilian Specht

Mit einem Basketballcamp für Mädchen der Jahrgänge 2012 bis 2017 am 1. und 2. August soll der Grundstein gelegt werden, um nach den Ferien dann richtig durchzustarten. U10, U12, U14 – mit drei Altersklassen soll es losgehen und dann kontinuierlich wachsen. „Das kann man nicht von null auf 100 aus dem Boden stampfen. Wir wollen es langsam angehen – aber richtig“, sagt der ETB-Nachwuchs-Koordinator Markus Zilch.

Unter dem heute 60-Jährigen spielte vor vielen Jahren auch ein talentiertes Mädchen. Sie wurde mit dem ETB Deutscher Meister der U16 und nach USA-Aufenthalte in High School und College schließlich Nationalspielerin im klassischen Fünf gegen Fünf und dem derzeit extrem beliebten 3x3. Besagte Sonja Greinacher wird etwas wehmütig, wenn sie die vergangenen Jahre reflektiert. Vom basketballbegeisterten Mädchen aus dem Stadtteil Stadtwald zur Olympiasiegerin – wer hätte das je für möglich gehalten? Die jüngst beendete 3x3-WM in der Mongolei hat sie „mit blutendem Herzen“ aus der Ferne verfolgt. Den Plan, noch einmal dabei zu sein, vereitelten die Schmerzen. Knorpelschaden in beiden Knien. Greinacher hat es akzeptiert: „Der Körper spielt einfach nicht mehr mit auf diesem Niveau. Man muss wissen, wann man loslassen muss.“

Olympiasiegerin Sonja Greinacher mit ETB-Nachwuchs-Koordinator Markus Zilch (l.) und dem 2. Vorsitzenden Robert Hildebrandt.
Olympiasiegerin Sonja Greinacher mit ETB-Nachwuchs-Koordinator Markus Zilch (l.) und dem 2. Vorsitzenden Robert Hildebrandt.© Björn Goldmann

Olympiasiegerin Sonja Greinacher: Logistischer Kraftankt

Sonja Greinacher ist vom 3x3-Bundesstützpunkt Hannover nach Essen zurückgekehrt, seit einigen Wochen arbeitet sie als Klinische Psychologin im Huyssensstift der Evangelischen Kliniken Essen-Mitte. Bei ihrer Rückkehr war ihr schon bewusst, dass es in Essen kaum noch reine Mädchen- und auch längst nicht mehr so viele Frauen-Basketballteams wie früher gibt. Anfragen aus Bochum und Herne schob sie deshalb beiseite und kontaktierte ihren Jugendklub. „Wir sind im Jahr 2025. Wenn Mädchen in einer Großstadt wie Essen Basketball spielen wollen, dann sollte das möglich sein!“

In Aktion: Sonja Greinacher im Olympia-Finale gegen Spanien.
In Aktion: Sonja Greinacher im Olympia-Finale gegen Spanien.© AFP | DAVID GRAY

Trotz einer prominenten Trainerin wie Sonja Greinacher wird dies ein logistischer Kraftankt für den Verein, der ohnehin gerade seine Jugendabteilung umstrukturiert und Angebote in den Offenen Ganztag diverser Grundschulen einbaut. Nicht zu verschweigen die neuen finanziellen Baustellen, die der Zweitliga-Profibereich der Männer mitbringt. Hallenzeiten müssen organisiert, zusätzlich Trainer gefunden, Bälle und Trikots beschafft werden. „Ja, es sind herausfordernde Zeiten“, sagt Robert Hildebrandt. Doch der 2. Vorsitzende der ETB-Basketballer gibt auch zu: „Wenn Sonja Greinacher auf uns zukommt und hier etwas entwickeln will, müssen wir die Gelegenheit ergreifen.“

Das ETB-Basketballcamp für Mädchen

Datum: 1. bis 2. August 2025
Uhrzeit: Täglich von 10 bis 16 Uhr
Ort: Große Helmholtzhalle, Rosastraße 83, 45130 Essen
Campgebühr: 49 €
Anmeldung: https://etb-basketball.de/maedchen-camp/

Sonja Greinacher selbst macht klar, dass „dies kein einjähriges Projekt, sondern etwas langfristiges sein soll. Wir wissen auch, dass die Entwicklung ein paar Jahre dauern wird. Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon.“ Und bei dem will die Olympiasiegerin aktiv dabei sein, selbst regelmäßig als Trainerin in der Halle stehen. Schon im zweitägigen Camp Anfang August will sie als zusätzliche Motivation „eine Nationalspielerin einladen und natürlich auch mal die Medaille mitbringen“. Damit der Nachwuchs weiß, dass sich harte Arbeit lohnt – und bis zum Olympiasieg auf dem Place de la Concorde führen kann.