Zusammenfassung
- Robert Augustin übernimmt als neuer Teamchef der SGS Essen und setzt auf eine offensive Spielphilosophie, die Kreativität und Verantwortung der Spielerinnen fördert.
- Augustin, der bereits mit 17 Jahren seine Trainerlaufbahn begann, bringt umfangreiche Erfahrung aus verschiedenen Vereinen und Altersgruppen mit.
- Ziel ist es, bei der SGS Essen neue Nationalspielerinnen auszubilden und den Zuschauerschnitt durch attraktiven Fußball zu steigern.
Seine erste Einheit als neuer Teamchef der SGS Essen kostete Robert Augustin voll aus. Genau 36 Minuten länger als angesetzt, dauerte der Trainingsauftakt der Bundesliga-Fußballerinnen. Und er war klar strukturiert: In Kleingruppen absolvierten die Spielerinnen wechselweise ihre Übungen, ehe eine Spielform in drei Teilen den Abschluss bildete. Ramona Maier stach als Doppeltorschützin hervor. Anschließend holte Augustin noch einmal alle im Mittelkreis zusammen und hielt eine kurze Ansprache. Die erste des bisherigen Co-Trainers in nun verantwortlicher Position.
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„Ich habe einfach die Vorfreude der Mannschaft auf die neue Saison gespürt. Und genau das möchte ich pushen“, sagt der 33-Jährige, für den die neue Situation auch eine besondere war. Schon beim Weg zur Raumerstraße schossen ihm etliche Dinge durch den Kopf: „Es fühlt sich in meiner neuen Rolle ganz anders an. Ein bisschen Aufregung war dabei. Aber ich freue mich auch auf die Saison. Und selber machen, ist besser, als nur zuzugucken.“ Eng eingebunden in die Planung von seinem Vorgänger Markus Högner war Augustin aber auch schon.

SGS Essen hat mit Britta Hainke auch eine neue Co-Trainerin gefunden
Nur ist die Verantwortung nun eine andere. „Alle Gedanken sind jetzt gebündelt bei mir.“ Allein die Koordination aller sportlichen Teilbereiche ist schon anspruchsvoll: „Rund um die Mannschaft haben wir ein Team von 23 Personen.“ Und das lässt erahnen, warum die SGS in Thomas Gerstner, den er bereits aus Duisburger Zeiten kennt, einen Sportlichen Leiter sowie in Britta Hainke eine neue Co-Trainerin an Bord geholt hat. Dass Augustin diesen Weg gehen möchte und die Trainerlaufbahn dem eigenen Kicken vorzog, wusste er bereits mit 17.
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Denn damals hängte er seine Fußballstiefel bei Falkensee, einem Klub im Berliner Umland, an den Nagel und wechselte an die Seitenlinie. „Zuerst habe ich die Mannschaft von meinem sechs Jahre jüngeren Bruder Daniel trainiert, bevor ich nach dem Abi nach Münster gezogen bin, um Sportwissenschaften zu studieren.“ Augustin schloss sich dem SC Münster 08 an und lernte den Verein im Ehrenamt auf allen Ebenen kennen. So hatte er Einblicke in die Verwaltung, trainierte aber über fünf Jahre auch stets zwei unterschiedliche Altersgruppen der Nachwuchsabteilung.
Schon früh wusste Robert Augustin, dass er Trainer werden will
„Ich stehe einfach unheimlich gerne auf dem Feld und freue mich, Fortschritte zu sehen und in einem Verein so etwas zu entwickeln“, schwärmt Augustin. In Münster trainierte er unter anderem Noreen Günnewig und Charlotte Blümel, die damals bei den Jungs kickten und schließlich mit Augustin zum FSV Gütersloh wechselten. Es war sein Einstieg in den Frauenfußball. Und schon nach einem Jahr führte sein Weg ins Ruhrgebiet. Beim MSV Duisburg war Augustin als Co-Trainer bereits in der Eliteliga angekommen und durfte zwei Mal interimsweise als Cheftrainer arbeiten.

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Seit 2023 ist er bei der SGS und hat nicht lange gezögert, die Nachfolge von Högner anzutreten. „In der Mannschaft und im Verein steckt noch viel Potenzial. Ich werde hart an allen Ecken und Enden arbeiten, um das auszuschöpfen“, verspricht er. Und dabei liegen ihm zwei Dinge besonders am Herzen, die er seinen Spielerinnen in seiner ersten Ansprache bereits mit auf den Weg gab: „Erstens wollen wir bei der SGS wieder neue Nationalspielerinnen ausbilden. Und das ist eine Verantwortung für alle, denn allein ohne eine intakte Mannschaft schafft das niemand.“
Das soll die neue Spielweise der SGS Essen sein
Vorbild ist dabei Lilli Purtscheller, die fester Bestandteil der österreichischen Auswahl ist. Aber auch der Anteil an U-Nationalspielerinnen soll steigen. „Zweitens wollen wir guten Fußball spielen, der sich gut ansehen lässt, um damit bei unserem schon hervorragenden Zuschauerschnitt noch einen draufzusetzen.“ Und bei seiner Definition von „gutem Fußball“ lässt Augustin durchaus Unterschiede zu seinem Vorgänger erkennen: Während Högner der defensiven Stabilität Priorität gab, verspricht Augustin eine offensivere Ausrichtung.
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„Ich bin niemand, der Fußball auf dem Schachbrettmuster denkt. Ich möchte maximale Kreativität. Spielerinnen, die selbst Verantwortung übernehmen und verlorenen Bällen nachgehen, um Umschaltmomente zu schaffen“, beschreibt er seine Philosophie. „Wichtig ist dabei, dass wir hart arbeiten und bereit sind, auch für Mitspielerinnen Extra-Meter zu machen.“ Der Teamgedanke ist dabei zentral. Und hier steht auch Augustin noch eine Prüfung bevor: Die Mannschaft informierte ihn bereits, dass auch er aufgrund seiner neuen Rolle im Rahmen des Trainingslagers beim traditionellen Karaoke-Abend einen Song darbieten muss.
Augustins Gedankenkarussell ist schon angesprungen. Als Teamchef möchte er wohl von einem Duett absehen. Und Partyschlager sollten seine Spielerinnen auch nicht von ihm erwarten. Mit Augustin wird es bei der SGS rockig. Und wenn es nach dem Teamchef geht: Nicht nur beim Karaoke-Abend, sondern auch auf dem Platz.


