Keine vier Minuten war Felicitas Fee Kockmann im Spiel, da sah die Angreiferin der SGS Essen ihre Chance kommen. Beke Sterner setzte sich auf dem rechten Flügel durch und spielte den Ball in den Rückraum. Genau dahin, wo die 17-Jährige lauerte. Sie fackelte nicht lange, schloss mit dem ersten Kontakt ab und sorgte im Verbund mit dem Innenpfosten für den umjubelten 1:0-Siegtreffer über den SV Meppen. Tragischerweise ist dieser 25. September 2022 aber nicht der Tag, an dem die Karriere des Talents in der Frauenfußball-Bundesliga so richtig Fahrt aufnahm. Es bleibt das Datum von Kockmanns letztem Einsatz.

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„Ich hatte schon damals Schmerzen, die schleichend schlimmer wurden. Dieses Spiel wollte ich noch machen und dann eine Pause einlegen“, blickt sie zurück. Die Schwere ihrer Verletzung ahnte sie noch nicht. „Ich war froh, dass wir anschließend eine Länderspielpause hatten und wollte zum Arzt gehen, um alles genauer abklären zu lassen. Aber ich hätte nie gedacht, dass das mein letztes Spiel war.“ Nach dem MRT folgte der Schock: Die Diagnose lautete Knorpeldefekt im Knie. Nach über zwei Jahren zwischen Hoffen und Bangen musste Kockmann nun ihre Karriere beenden - mit nur 20 Jahren.

Wurden verabschiedet: (v.l.) Aline Allmann, Felicitas Fee Kockmann, Kirsten Schlosser, Trainer Markus Högner, Emely Joester, Anja Pfluger, Sophia Winkler, Jörg Vesper, Shota Shimokawa und Marcel-Yao Dzossou.
Wurden verabschiedet: (v.l.) Aline Allmann, Felicitas Fee Kockmann, Kirsten Schlosser, Trainer Markus Högner, Emely Joester, Anja Pfluger, Sophia Winkler, Jörg Vesper, Shota Shimokawa und Marcel-Yao Dzossou.© FUNKE Foto Services | Michael Gohl

SGS Essen: Ende einer tragischen Geschichte

Vor dem Saisonabschluss an diesem Sonntag (14 Uhr) beim FC Bayern wurde sie bei der SGS im Rahmen des letzten Heimspiels offiziell verabschiedet. „Es war sehr emotional für mich und einfach ein trauriger Moment“, beschreibt sie den Gang in Richtung Mittelkreis, wo es Blumen und einen Bilderrahmen gab. „Ich habe aber auch die Wertschätzung vom Verein und meinen Mitspielerinnen gespürt.“ Nur ist die Gewissheit darüber, dass sie nicht mehr auf den Rasen zurückkehren wird, noch recht frisch. „Das kam in den letzten Wochen. Wir haben alles ausprobiert, aber am Ende sagte der Arzt, dass es für den Leistungssport nicht mehr reicht. Knorpel wächst nicht nach und selbst eine Transplantation hat nicht geholfen.“

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Woher die Verletzung stammt, könne ihr niemand beantworten. Genetische Veranlagung, Belastung oder ein Trauma sind die wahrscheinlichsten Erklärungen. Vielleicht auch in Wechselwirkung. Es ist das Ende einer tragischen Geschichte. Denn eigentlich war ein anderer Weg vorgezeichnet: Kockmann durchlief diverse U-Nationalmannschaften und wechselte 2021 zur SGS, um an die Eliteliga herangeführt zu werden. Im Verein waren sich alle sicher, dass der Knoten bald platzen würde. Doch nun steht die 20-Jährige vor einem Neuanfang abseits des Rasens – und sieht diesem  durchaus mit Vorfreude entgegen.

SGS Essen: Ab nach Australien

Denn Kockmann ist schon mittendrin: Noch während ihrer Verletzung hat sie das Abitur abgelegt und ein Studium begonnen. „Ich habe zwischen Medizin und Lehramt geschwankt. Medizin wäre aber neben dem Fußball nicht möglich gewesen, daher ist es das Lehramt geworden. Aber damals wusste ich noch gar nicht, wie viel Spaß das macht“, frohlockt sie. Biologie und Geografie sind ihre Fächer, die sie später an einem Gymnasium oder einer Gesamtschule unterrichten möchte. „Kinder in ihrer Entwicklung zu beobachten und sie dabei zu unterstützen, ist ein großer Antrieb für mich.“

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Als Nachhilfelehrerin oder über Arbeitsgemeinschaften an verschiedenen Schulen hat sie den Job auch schon in der Praxis kennengelernt. Demnächst steht dann die Bachelorarbeit an. Und für die Zeit danach hat sie bereits einen klaren Plan: Kockmann möchte reisen. „Durch den Fußball bin ich schon viel rumgekommen. Aber außer dem Hotel und dem Trainingsplatz sieht man da nicht viel“, lacht sie. Im Gegensatz zu ihr fand ihr Bruder direkt nach dem Abi die Zeit, Australien zu entdecken. „Er hat sehr viel Cooles erzählt, deshalb möchte ich das nach dem Bachelor gerne auch machen.“

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Die Begeisterung ist ihr anzumerken. Nicht nur auf die sechs Monate „down under“. Denn dank ihrer Fachrichtung kann Kockmann auch schon vorher etwas gegen das Fernweh tun. So nimmt die Studentin an einer Exkursion teil, die sie über Indonesien nach Singapur führt. Privat geht es dann noch weiter nach Malaysia und Thailand. Ein durchaus spannender Start in einen neuen Lebensabschnitt mit bisher vielleicht ungewohnten Freiräumen.