Wenn Tatjana Maria an ihren Sehnsuchtsort London kommt, darf ein traditioneller Familienausflug auf keinen Fall fehlen. „Wir gehen jedes Jahr in ein Musical“, verriet die deutsche Nummer eins vor ihrem Start beim Tennis-Klassiker in Wimbledon, „das ist ein Muss!“ Welches Stück es in diesem Jahr sein wird, ist noch nicht ausgesucht und hängt auch von Töchterchen Cecilia (4) ab - ihr sportliches Ziel im All England Club kennt Maria dafür schon ganz genau.
- Becker, Graf und McEnroe: Tennis-Weltstars spielten in Essen auf
- TC Bredeney startet furios in Tennis-Bundesliga - die 40 besten Fotos
- Becker gegen McEnroe am Baldeneysee: 27 Fotos des Schaukampfs in Essen
„Mein Traum ist natürlich, Wimbledon zu gewinnen“, sagte die 37-jährige Bundesligaspielerin des TC Breedeney, die ab diesem Dienstag auf dem von ihr so geliebten Rasen selbst den Ton angeben will. Drei Jahre nach ihrem sensationellen Lauf bis ins Halbfinale trifft Maria zum Auftakt auf die US-Amerikanerin Katie Volynets. In Runde zwei könnte ein Duell mit der Weltranglistendritten und Bad-Homburg-Siegerin Jessica Pegula (USA) warten - verstecken muss sich die zweifache Mutter aber vor niemandem. Nicht nach dem sensationellen Erfolg Mitte Juni.
Tatjana Maria beim TC Bredeney: Wie im Rausch von Runde zu Runde
Anfang Juni hatte sich Tatjana Maria beim TC Bredeney gemeldet und ankündigt, dass sie mit den Essenern das Bundesligaspiel beim Club an der Alster bestreiten werde, wenn sie in der Qualifikation des WTA-Turniers im Londoner Queen‘s Club scheitere. Passende Flüge nach Deutschland hätte sie schon gefunden.
In Hamburg siegte der TC Bredeney dann aber ohne die 37-Jährige. Denn Tatjana Maria überstand nicht nur die beiden Qualifikationsspiele, sie spielte sich wie im Rausch weiter von Runde zu Runde und gewann am Sonntag das Finale gegen Amanda Anisimova aus den USA mit 6:3, 6:4. Damit hatte wirklich niemand gerechnet: Tatjana Maria ist die Queen of Queen‘s. Der Triumph auf den traditionsreichen Rasenplätzen in West Kensington beim WTA-500-Turnier ist der größte Erfolg ihrer Karriere!

Tatjana Maria beim TC Bredeney: „Alle haben mitgefiebert“
Nach Gottfried von Cramm (1939), Boris Becker (1985, 1987, 1988 und 1996) und Michael Stich (1993) triumphierte damit erstmals eine deutsche Spielerin im Queen‘s Club. Der war in den vergangenen 52 Jahren den Männern vorbehalten gewesen, in diesem Jahr feierte die Frauenkonkurrenz ihr Comeback - mit einer unerwarteten Siegerin.
- Zverev in Essen: So begeistert er den Tennis-Nachwuchs
- SpinXBall: Ist diese neue Sportart die Rettung der Tennisvereine?
- „Alle sind mega dankbar“ – Essener Tennis-Verein trainiert Menschen mit Krebs
„Das ist schon ein Brett. Wir sind stolz auf Tatjana. Die Mannschaften des Clubs waren an diesem Wochenende allesamt im Einsatz, aber alle haben laufend auf ihre Handys geguckt und mitgefiebert“, erzählt Torsten Rekasch, Sportdirektor des TC Bredeney.

Tatjana Maria beim TC Bredeney: Nun Geheimfavoritin in Wimbledon
Ungläubig schlug Tatjana Maria selbst nach dem Matchball die Hände vors Gesicht, sprang über den Platz und fiel ihrem Mann Charles-Edouard und Tochter Charlotte um den Hals. „Es war so ein großartiges Turnier, ich habe jede Sekunde genossen, es war eine große Freude, hier zu spielen“, sagte die zweifache Mutter und dankte ihrer Familie im Publikum.
Für Tatjana Maria ist es der vierte Titel, zuvor hatte sie 2018 das Rasenturnier von Mallorca sowie 2022 und 2023 auf Sand in Bogota/Kolumbien gewonnen. Vor drei Jahren hatte sie zudem das Halbfinale von Wimbledon erreicht. Durch den aktuellen Erfolg klettert Maria in der Weltrangliste auf Platz 43, nicht weit entfernt von ihrer bisherigen Bestmarke (42). Zudem kassierte sie 218.000 Dollar Preisgeld für die Familienkasse. Zum Grand-Slam-Höhepunkt in Wimbledon fährt die Deutsche nun als Geheimfavoritin.
Tatjana Maria beim TC Bredeney: Etliche Topspielerinnen entnervt
Mit ihrem unkonventionell geschlagenen Slice - auf der Vorhand- und Rückhandseite - hatte Maria, die mit ihrem Mann und den beiden Töchtern in Florida lebt, vor Anisimova bereits etliche Topspielerinnen entnervt: Im Turnierverlauf schlug sie die früheren Grand-Slam-Finalistinnen Leylah Fernandez (Kanada) und Karolina Muchova (Tschechien) sowie die Grand-Slam-Siegerinnen Jelena Rybakina (Kasachstan) und Madison Keys (USA).
Dabei war sie mit einer Pleitenserie nach London gekommen. Neun Matches nacheinander verlor Maria, die Hoffnung auf die Wende aber nie. „Ich lebe diesen Traum mit meiner Familie“, hatte sie schon vor dem Finale gesagt. Ihr Lauf sei „ein perfektes Beispiel dafür, dass man nie aufgeben und immer weitermachen sollte“.

Tatjana Maria beim TC Bredeney: Loyal und vorbildlich
So kennt man Tatjana Maria auch beim TC Bredeney. Seit gut sechs Jahren schlägt die gebürtige Schwäbin für die Essener in der Bundesliga auf. „Sie ist eine echte Teamspielerin. Loyal und vorbildlich. Wenn die Möglichkeit da ist, kommt sie und spielt. Das ist bei den vollen Terminkalendern solcher Top-Spielerinnen schon außergewöhnlich“, sagt Torsten Rekasch.
Derzeit liegen die Bredeney-Damen an zweiter Stelle in der Bundesliga-Tabelle, für die Titelverteidigung muss wohl ein Ausrutscher von Ligaprimus TK BW Aachen her. Die Hoffnung ist weiter stark. Denn wie sagte doch Tatjana Maria selbst vor ihrem Triumph in London: „Nie aufgeben und immer weitermachen.“


