Zusammenfassung

  • Der Essener Tennisclub TC Schellenberg bietet spezielles Training für Menschen mit Krebserkrankungen an, um ihnen den Weg zurück in den Alltag zu erleichtern.
  • Ex-Teilnehmer wie Peter Malinka und Karl-Heinz Stein hoffen, durch Bewegung Beschwerden zu lindern und wieder Freude am Sport zu finden.
  • Der Kurs schafft Gemeinschaft, fördert den Austausch und wird von den Teilnehmenden mit großer Dankbarkeit angenommen.

Ganz langsam schlägt Trainer Lukas Siegelkow den Tennisball mit der Vorhand über das Netz, ehe er den nächsten aus einem weiß-roten Eimer holt und das Ganze wiederholt. „Sehr schön“, ruft der 29-Jährige über die Anlage des TC Schellenberg am Essener Moltkeplatz und durchbricht so das Vogelgezwitscher, welches aus den großen Bäumen rund um die Anlage ertönt. „Genau so, noch zwei Bälle. Ja und den Arm locker lassen“, sagt Siegelkow zu den Personen auf der anderen Seite des Netzes.

  • Dieser Artikel erschien zum ersten Mal im Juni 2025.

Alles sieht zunächst nach einem ganz normalen Tennistraining für Erwachsene aus, die den Sport noch nicht allzu lange betreiben. Doch das ist es nicht. Es ist ein Training für eine besondere Gruppe – Menschen mit Krebserkrankung.

Nach der Krebs-OP ist vieles nicht mehr so einfach

Zwei der Teilnehmer sind 2025 Peter Malinka (76) und Karl-Heinz Stein (73). Als es um Aufschläge geht, macht Malinka einen kleinen Hopser, bevor er ausholt und den Tennisball mit seinem gelb-schwarzen Schläger über das Netz knallt. Noch tut er sich schwer damit, die richtige Höhe für den Schlag zu finden.

„Ich muss mich erst einmal wieder daran gewöhnen, höher zu werfen“, sagt er selbst, stapft leicht kopfschüttelnd davon und spricht damit auch Karl-Heinz Stein aus der Seele. Der versucht es mit deutlich mehr Kraft. So richtig viel bringt das aber auch nicht. Es ist eher eine ruckartige und keine fließende Bewegung. „Viel höher werfen, du brauchst die Zeit, um mit dem Schläger zum Ball zu kommen“, gibt ihm Siegelkow einen Tipp mit auf dem Weg.

Malinka und Stein waren beide an Prostatakrebs erkrankt, mittlerweile gelten sie als offiziell geheilt. Allerdings sind „Nebenwirkungen“ geblieben.

TC Schellenberg bietet Kurs auch 2026 an

Der TC Schellenberg richtet am 01. Mai von 11 bis 16 Uhr auf der Tennisanlage am Moltkeplatz 38 in Essen seinen Tag der offenen Tür aus.

Ab Mai startet dann auch wieder das kostenlose Tennistraining für Menschen mit Krebs, immer dienstags ab 11 Uhr.

Angeboten wird kostenloses Gruppentraining für krebskranke Patienten in einem 12-Wochen-Kurs. Es sind keine Mitgliedschaftsgebühren oder Platzkosten zu zahlen. Schläger und Tennisbälle werden gestellt.

Interessierte können sich unter der E-Mail-Adresse TCSTraining@gmx.de melden.

„Ich bin auf den Kurs aufmerksam geworden, weil ich selbst bei der Selbsthilfegruppe Prostatakrebs und beim Westdeutschen Tumorzentrum bin. Ich habe früher Tennis gespielt, das aber mit der Krebserkrankung aufgegeben. Jetzt bin ich froh, vielleicht wieder den Einstieg zu finden und hoffe, dass meine Nebenwirkungen durch die Bewegung hier besser werden. Ich bin ein Strahlenpatient und wurde nicht operiert, aber irgendwas bleibt doch immer hängen“, sagt Karl-Heinz Stein, lässt sich davon seine gute Laune aber nicht vermiesen.

Ähnlich sieht dies bei Malinka aus. „Ich habe vor 15 Jahren schon einmal privat Tennis gespielt. Nach meiner Krebserkrankung wurde ich sehr schnell operiert. Das lief problemlos, ich habe aber Lymphknoten verloren und danach begannen die Probleme.“

Tennistraining für Krebserkrankte
Karl-Heinz Stein spricht offen über seine Krebserkrankung - und findet auf dem Tennisplatz zurück zum Sport.© FUNKE Foto Services | Dirk A. Friedrich

38 Mal musste er nach der Operation noch bestrahlt werden. „Und durch Tabletten, die ich nehmen musste, habe ich dann Lymphprobleme bekommen. Vor allem das Laufen fällt schwer, ich habe neuropathische Probleme in den Beinen“, so Malinka. Zwar schwingt noch immer Bedauern in seiner Stimme mit, das allerdings nur noch leise. Denn zurückblicken möchte der Essener nicht. Vielmehr ist er dankbar – für seine Heilung und die Bewegung beim TC Schellenberg.

Ob seine Beschwerden durch die Bestrahlung entstanden seien, das könne er gar nicht so genau sagen. Grundsätzlich sei das auch gar nicht so wichtig. Vielmehr gehe es nun darum, dass sich die Probleme durch Bewegung wieder verbessern. „Ich muss einfach wissen, ob sich durch Bewegung wirklich was tut, ob sich diese Lymphgeschichte reduziert. Und mir ist noch etwas wichtig. Ich will noch einmal in der Lage sein, ein paar vernünftige Bälle zu schlagen. Wenn ich das schaffe, dann bin ich zufrieden. Davon habe ich die letzten Jahre immer geträumt“, so Malinka mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht.

Der Kurs soll den Menschen mit Krebs die Möglichkeit zum Austausch geben

Rund 500.000 Personen erkranken in Deutschland jährlich neu an Krebs aller möglichen Arten. Die Verantwortlichen des TC Schellenberg möchten diesen eine Möglichkeit des Austausches geben, ein Zusammengehörigkeitsgefühl und auch eine Ablenkung. Der Kurs, für den sich rund 20 Personen angemeldet haben, dauerte im Sommer zehn Wochen und wurde von den Stiftungen „Leben mit Krebs“ und „Ehrenamt Essen“ gefördert.

Tennistraining für Krebserkrankte
Leitete das Training an: Lucas Siegelkow.© FUNKE Foto Services | Dirk A. Friedrich

Drei dieser zehn Wochen liegen Anfang Juni 2025 bereits hinter den Teilnehmenden – die ersten Fortschritte sind da bereits geschafft. „Es ist ein ganz normaler Anfängerkurs, aber...“, so Siegelkow während einer kurzen Verschnaufpause, „alle sind mega dankbar. Jede einzelne Person hat schon gesagt, wie cool sie es findet. Alle sind sehr herzlich.“

Vor allem sei es schön, dass der Kurs mal ein ganz anderes Angebot sei, sagt eine Teilnehmerin, die anonym bleiben möchte. „Hier gehen wir nicht zusammen spazieren oder atmen gemeinsam. Wir laufen. Wenn man an Krebs denkt, denkt man immer an ältere Menschen. Aber es haben auch ganz viele jüngere“, sagt sie und Siegelkow, in dessen Familie es aktuell selbst einen akuten Krebsfall gibt, ergänzt: „Ich weiß, wie gerne die Menschen mit Krebs etwas unternehmen, wenn es ihnen besser geht. Deswegen mache ich das hier unglaublich gerne.“