Mit Superlativen ist es ja so eine Sache: Eine inflationäre Nutzung relativiert sie und führt sie so ad absurdum. Trotzdem: Vorbehaltlich all dem, was da vielleicht noch kommen mag in dieser Saison, ist das zweite Playoff-Achtelfinal-Rückspiel der ETB Miners an diesem Freitag (25. April 2025, 20.15 Uhr) am heimischen Hallo gegen Leitershofen schonmal das „Spiel des Jahres“.
Mit einem überraschenden Sieg in Playoff-Spiel 1 auswärts beim Spitzenreiter der Südstaffel im Rücken gehen die Essener am Freitagabend in die Halle. Wird das Spiel emotional genauso aufgeladen wie der Sieg im entscheidende dritten Final-Spiel gegen Hagen im vergangenen Mai, das gleichbedeutend mit dem Aufstieg in die 2. Liga ProB war? Das mag jeder Basketball-Fan für sich selbst entscheiden.
Ticketpreise gesenkt: Miners Essen wollen Fans zum Basketball locken
In Essen jedenfalls hofft man auf eine volle Halle, „trotz des vielleicht ungewöhnlichen Termins“, so Vorstand Robert Hildebrandt. Deshalb möchte man auch ein bisschen: „Wir haben die Ticketpreise in allen Kategorien noch einmal reduziert“. Da schwingt mit durch: Dieses Spiel ist auch eine Art Gradmesser darüber, wie verankert die Miners im Essener Sportbewusstsein wieder sind, nach einer Hauptrunde, die die Erwartungen in Sachen Resonanz erfüllt, aber nicht übertroffen hat.

Ein Spiel – eine Chance. In vielerlei Hinsicht. Denn obwohl die Sponsoren dem ETB ob der jüngsten sportlichen Entwicklungen weiter nicht die Tür einrennen, „so sind wir mit den Playoffs im Gespräch, ein Thema in der Stadt“, so Robert Hildebrandt. Das schadet zumindest nicht, darf man meinen. Und die Reise kann ja sogar noch weiter gehen. Hildebrandt hofft, die Mannschaft kann am Freitag befreit aufspielen: „Leitershofen hat sich im ersten Spiel überrumpeln lassen. Das wird nicht noch einmal passieren. Die Favoritenrolle liegt weiter klar beim Gegner, wir wollen es genießen und schauen, was dabei herauskommt.“
Basketball in Essen: Miners gehen fokussiert ins 2. Playoff-Spiel – „jeder Spielzug zählt“
Genau das wird wohl die entscheidende Frage sein für das Spiel der Miners: Liegt der Druck weiter allein bei den Kangaroos aus Leitershofen? Oder hat der ETB nach dem überraschenden Erfolg auswärts auf einmal doch wieder etwas zu verlieren? Unter Druck, das haben die letzten Partien der regulären Saison gezeigt, war das Team weit unter seinen Möglichkeiten geblieben, enttäuschte.

In Essen versucht man diese Frage auszublenden. „Am Ende geht es darum, jeden einzelnen Spielzug isoliert zu betrachten, sich darauf zu konzentrieren“, so Headcoach Lars Wendt. „Leitershofen wird noch aggressiver zu Werke gehen. Das müssen wir überstehen. Wir müssen es schaffen, den Gegner in eine Situation im zweiten, dritten Viertel zu bekommen, in der er anfängt darüber nachzudenken, was passiert, wenn man tatsächlich gegen Essen ausscheidet.“
Miners Essen hoffen auf Rückkehrer Selimovic für Playoff-Vorteil
Klar ist auch: Noch so ein erstes Viertel wie im ersten Vergleich, als der ETB 13 seiner 15 Versuche getroffen hatte, wird wohl kaum gelingen. Die Kangaroos sind, wie im ersten Spiel bewiesen, auch jederzeit dazu in der Lage, ins Spiel zurückzukommen. Lange hätten die Essener das erste Spiel zusammen analysiert, „weil wir dann doch zu viele Punkte zugelassen, Fast Breaks nicht ausreichend verhindert und kontrolliert haben“, so Wendt. Auch offensiv wolle man an Stellschrauben drehen. „Das ist Playoff-Basketball: Man kennt sich in- und auswendig und versucht den Gegner im nächsten Spiel zu überraschen.“
Lars Wendt spricht von einer „großen Chance“, die gegen einen starken Gegner wie Leitershofen aber in Relation zu setzen ist. Zumindest unter den Körben dürften die Essener enorme Vorteile haben. In Ferenc Gille fehlt den Süddeutschen wahrscheinlich ihr Starting-Five-Center. Der 26-Jährige verletzte sich gegen die Miners früh am Knie. Aber auch ohne ihn waren die Kangaroos in der Lage, die Partie fast noch zu drehen. Auf Seiten des ETB ruhen die Hoffnungen auf Center Dzemal Selimovic, der nach seinem krankheitsbedingten Ausfall zum Ende der Hauptrunde noch nicht fit war, unter der Woche aber einen besseren Eindruck machte.


