Dass es bei Borussia Dortmund für Niklas Süle nicht weitergeht, war schon länger klar. Doch am frühen Donnerstagmorgen pushte der Innenverteidiger die große Nachricht selbst auf die Smartphones der Fußballwelt: Im Sommer ist Schluss mit dem Profifußball. Mit 30 Jahren beendet Süle für manche mehr, für manche weniger überraschend seine Karriere als fünffacher Deutscher Meister, Champions-League-Sieger mit dem FC Bayern München und nach vier Jahren beim BVB.
Am Freitagabend bestreitet Süle gegen Eintracht Frankfurt (20.30 Uhr/Sky) sein letztes Heimspiel, und er ist nicht der einzige, der Abschied nimmt. Auch Julian Brandt und Salih Özcan verlassen den Verein nach Saisonende – Brandt nach sieben Jahren, Özcan nach vier. Für Brandt dürfte dieser Abend emotional werden. Als dienstältester Profi war der Spielmacher oft das Gesicht von Glück und Leid in diesem Kader. Doch vor allem in schwierigen Phasen stand er immer wieder scharf in der Kritik – einer der Gründe, warum sich die Wege trennen.
„Ich war kurz davor, jeden Titel mit dem BVB zu gewinnen“, sagt Brandt nun in einem Podcast des Vereins. Und weiter: „Als ich kam, haben wir den Supercup gewonnen. Wir haben im zweiten Jahr den DFB-Pokal geholt. Dann die Geschichte mit der Meisterschaft, das Jahr darauf die Champions League und du hättest eigentlich mit vollen Händen dastehen können. Da tritt bei mir natürlich Wehmut auf, weil ich sage: Was hätte alles sein können?“
Blumen und Bilder für die BVB-Stars
Ob Brandt seinen großen Abschiedsauftritt im schwarzgelben Dress bekommt, ließ Trainer Niko Kovac vorerst noch offen. „Ich weiß, was das bedeutet“, erklärte er, „darauf achte ich schon. Aber wir haben sportliche Ziele. Wir wollen den zweiten Platz sichern.“ Nach der 0:1-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach ist die Mannschaft gefordert, eine Reaktion zu zeigen, um das Stimmungsthermometer im Saisonendspurt trotz der schon lange sicheren Vizemeisterschaft nicht noch schockfrosten zu lassen. Nostalgie und Abschiedskarten passen da gerade eigentlich nicht so recht ins Bild. Wird es aber geben.
Brandt spricht weiter über die verpassten Chancen in seiner BVB-Zeit: „Ich komme damit klar, das einzuordnen und zu sagen: Trotzdem macht es für mich die Zeit hier nicht weniger wertvoll. Ich mache den Wert meines Daseins beim Verein nicht abhängig von materialistischen Sachen oder von Erfolgen. Ich weiß, im Fußball geht’s darum, und am Ende spielen wir dafür auch Fußball. Aber die Zeit wäre nicht besser mit zwei weiteren Titeln. Es geht auch sehr um andere Momente, was man alles erlebt, was man für Spiele und Momente hier hatte. Das alles macht eine Saison aus und nicht nur das Saisonfinale.“

Brandt, der über 500 Pflichtspiele absolviert hat, davon 305 für den BVB, wurde von Kovac mal als der „Musiala und Wirtz dieser Mannschaft“ bezeichnet. Doch konstant hat der Spielmacher diese Rolle über all die Jahre nicht immer erfülllt. Auch wenn er stets als feiner Charakter aufgetreten ist, der den Fußball und Miseren besser, sachlicher und charmanter erklären konnte als die meisten anderen Profis. Seit 2019 war er beim BVB und der Puls des BVB-Spiels, in beide Richtungen.
Wie gewohnt werden die Profis vor dem Frankfurt-Spiel mit Blumensträußen und Erinnerungsbildchen verabschiedet, eine übliche Zeremonie wie sie auch Mats Hummels erlebte. „Egal in welcher Saison – ich hatte immer eine Mannschaft, die intakt war. Die füreinander gelebt und trainiert hat, die sich versucht hat, zu helfen“, erklärt Brandt, „ich hatte das Gefühl, dass es ein gesundes Inneres gab und trotzdem ein kompetitives – und dass du eine Einheit hast. Das ist auf einem Niveau, auf dem es am Ende wirklich um Druck, Leistung und auch um persönliche Befindlichkeiten geht, nicht selbstverständlich.“
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Karriere-Ender Süle hofft dabei nach seiner weitgehend überstandenen Knie-Verletzung bei der TSG Hoffenheim auf einen Mini-Einsatz in den letzten Sekunden des Spiels. „Ich glaube, es wird emotionaler, als ich gerade denke. Meine ganze Familie wird da sein“, sagte er im Podcast Spielmacher, wo er seine Entscheidung verkündete. „Im allercoolsten Fall kriege ich noch einmal zehn Sekunden oder eine Minute. Und wenn der Niko sagt, fünf – das kriege ich hin. Hauptsache, ich komme noch einmal rein, mache mein 300. Bundesliga-Spiel in so einem Rahmen vor 80.000 Zuschauern mit all meinen Liebsten aus der Familie. Das wäre schön.“





