Den Paukenschlag haben sich Niklas Süle und Borussia Dortmund für den frühen Donnerstagmorgen aufgehoben: Gemeinsam verkündeten sie das Karriereende des 30-Jährigen nach der laufenden Saison. Doch einmal will Süle noch auf den Platz – am Freitagabend im letzten Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt (20.30 Uhr/Sky). Im Sommer ist dann Schluss nach einer Laufbahn mit Höhen, Tiefen und ständiger Kritik. Immer wieder zweifelte die Öffentlichkeit an seiner Professionalität und Einstellung, vor allem, weil Süle beim BVB mit bis zu 14 Millionen Euro zu den absoluten Top-Verdienern gehörte.
Im Podcast Spielmacher sprach Süle so offen und aufrichtig wie vielleicht noch nie über diese Phasen seiner Karriere. „Ich möchte noch eine Sache sagen, und das ist mir sehr wichtig“, erklärte Süle und führte fort: „Es war nie so, dass ich mich irgendwie hingesetzt und nicht gesagt habe, wie ich bin. Wo immer ich hingewechselt bin – von Hoffenheim zu Bayern, von Bayern zu Dortmund – mit den Leuten, mit denen ich am Tisch saß und gesprochen habe, denen habe ich immer gesagt, wie ich bin. Ich habe damals zu Dortmund gesagt: ‚Wenn ihr einen Kapitän sucht, wenn ihr einen sucht, der herumschreit, das bin ich nicht.‘“
Niklas Süle: „Ich bin kein Kapitän und wollte es nie sein“
Vor seinem Wechsel habe er sich eine Stunde mit dem damaligen Trainer Marco Rose zusammengesetzt, erzählte Süle. „Der hat mich angezündet, wie ein Licht habe ich gebrannt“, so Süle über die Gespräche, die ihn 2022 zum Schritt ins Ruhrgebiet bewegten. „Ich hatte das Gefühl, der versteht mich. Der weiß, wie ich bin.“

Doch ergänzend erklärte er: „Was war? Trainerwechsel. Ohne das jetzt zu bewerten, aber ich war dritter Kapitän in meinem ersten Jahr, vielleicht sogar zweiter. Ich habe zehn- oder fünfzehnmal die Binde bei Dortmund getragen. Wo ich da saß und gesagt habe: Das bin ich nicht. Dann habe ich gedacht, vielleicht machen die das, weil die sagen: ‚Ey, der verdient das Geld, der muss vorweg gehen.‘ Warum habe ich über weite Strecken bei Bayern München so gut funktioniert? Es waren andere Spieler, die diese Rolle übernommen haben. Da wusste die Mannschaft: ‚Lass den mal hinten drin, der kann das, der spielt das. Der muss nicht rumschreien.‘“

Auch seine Kritiker könne Süle verstehen. „Leider, die letzten zwei Jahre – und das ist ein Punkt – war ich zu oft verletzt, aus unterschiedlichsten Gründen. Zu wenig gemacht, zu viel im Kopf. Vielleicht auch zu viel, was nichts mit meinem eigentlichen Beruf zu tun hatte. Das muss ich mir vorwerfen lassen, und ich verstehe die Leute, die das sagen“, meinte Süle. Doch eine Sache sei ihm besonders wichtig. „Habe ich alles richtig gemacht? Auf keinen Fall. Aber worauf ich stolzer bin als auf fünf Meistertitel oder die Champions League: Ich bin immer so geblieben wie ich bin als Mensch.“
„Das hat sich angefühlt wie ein Titel gegen Kiel“
Und weiter: „Das ist ein Riesenpunkt, der meine Karriere auch beschreibt: Ich habe nie irgendetwas vorgegeben, was ich nicht bin. Ich habe nie jemanden gezwungen, ‚zahl mir das und hol mich‘, sondern immer mit offenen Karten gespielt. Und wenn einer etwas anderes sagt, dann lügt er.“ Seine große Stärke, erklärte Süle, sei der Umgang mit seinen Mitspielern. „Keiner von meinen tausenden Mitspielern würde sagen: ‚Boah, der Süle war ein Arschloch.‘ Das kann ich mir nicht vorstellen. Das Menschliche ist mir viel wichtiger, als dass ich 30 Spiele mehr gemacht hätte.“
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Das emotionale Highlight seiner ganzen Karriere sei vielleicht das Meisterschaftsfinale gegen Mainz in seinem ersten Jahr bei Borussia Dortmund gewesen, erklärte Süle. Insgesamt blickt er sportlich auf seine vier Jahre beim BVB nicht ausschließlich negativ. „Wir reden über fast eine Meisterschaft im ersten Jahr. Im zweiten Jahr stehen wir im Champions-League-Finale. Im dritten Jahr durfte ich die letzten zehn Spiele spielen, egal, wie es vorher gelaufen ist. Wir haben geschafft, was keiner gedacht hätte: Dass man wieder Champions League spielt, wo Dortmund hingehört – ganz klar. Und dass ich meinen Teil dazu beitragen konnte. Da habe ich echt gedacht: Boah, das könnte nochmal ein Turnaround werden. Das hat sich angefühlt wie ein Titel nach dem Spiel gegen Kiel“, sagte Süle. Er wurde es nicht. Im Sommer ist Schluss.






