An diesem sonnigen Sonntagabend erwiesen sich die 90 Minuten gegen den SC Freiburg einmal mehr als Freispiel für Borussia Dortmund. Mit einer dominanten Leistung fegte der BVB über die Breisgauer hinweg und feierte im 1000. Bundesliga-Heimspiel der Vereinsgeschichte einen damit historischen 4:0-Sieg. Maximilian Beier (8.), Serhou Guirassy (14.), Ramy Bensebaini (31.) und Fabio Silva (87.) sorgten für die Tore, mit denen die Dortmunder das Stimmungspendel nach zwei Niederlagen wieder umschwangen. Und als Zugabe: Mit nun 67 Punkten aus 31 Spielen ist die Champions-League-Qualifikation auch rechnerisch perfekt. Endlich darf man da sagen!

Die Stimmung war unter der Woche ja spürbar angespannt. Diskussionen über die kreativarme Spielweise der vergangenen Auftritte machten die Runde. Doch Niko Kovac schien darauf eine klare Antwort geben zu wollen und überraschte mit seiner Startelf zum Abschluss des 31. Bundesliga-Spieltags.

BVB: Inacio ganz stark als Starter

Der Cheftrainer brachte erstmals das 18-jährige Top-Talent Samuele Inacio von Beginn an und setzte mit Julian Brandt und Guirassy auf frische Impulse. Inacio flankierte den Stürmer über die linke Seite, während zudem Beier statt Daniel Svensson auf der Außenbahn begann. Die Marschroute gegen den Tabellenachten war unmissverständlich: Mehr offensive Glanzlichter setzen. Was folgte, war ein BVB-Auftritt, der mit gnadenloser Dominanz schnell und ganz gut beschrieben war.

Samuele Inacio (r.) wirbelte für den BVB erstmals von Beginn an.
Samuele Inacio (r.) wirbelte für den BVB erstmals von Beginn an.© AFP | Ina Fassbender

8. Minute: Ramy Bensebaini spielte einen perfekt getimten langen Ball auf Beier, der sich an der überforderten Freiburger Defensive vorbeischlich und allein vor U21-Nationalkeeper Noah Atubolu auftauchte. Mit der Innenseite schob Beier überlegt zur viel umjubelten 1:0-Führung ein.

14. Minute: Der BVB sprühte plötzlich vor Spielfreude. Brandt hatte auf der rechten Seite alle Zeit der Welt, weil ihn Inacio mit viel Übersicht freispielte, und chippte den Ball präzise hinter die Freiburger Verteidiger. Dort stand Guirassy völlig frei und schob den Ball eiskalt zur frühen 2:0-Führung ins Netz. Der Angreifer wunderte sich selbst über seine Freiheiten und schaute zum Assistenten, ob es nicht doch Abseits war, bevor er zum Telefon-Jubel abdrehte. War es nicht.

Niko Kovac hochzufrieden am Seitenrand.
Niko Kovac hochzufrieden am Seitenrand.© AFP | Ina Fassbender

31. Minute: Julian Ryerson zirkelte einen scharfen Eckball in den Strafraum. Bensebaini setzte sich im Luftduell durch und köpfte verdient zum 3:0 ein. Zuvor hatte Jobe Bellingham mit einem Schlenzer am Tor vorbeigezielt, während auf der Gegenseite Gregor Kobel zumindest einmal sicher zupacken und beweisen musste, dass er zwischen den Pfosten stand (35.).

243289_1565_cover.jpg
Vergessene BVB-Abgänge: Was macht eigentlich...?
Echte Tiefe – den BVB verstehen
 

Den Gästen hingegen war von der ersten Minute anzusehen, dass ihre Gedanken mutmaßlich noch eher beim vergangenen Donnerstag kreisten. Oder schon beim kommenden Donnerstag? Vor drei Tagen warfen sie in einem 120-minütigen Pokalkrimi gegen den VfB Stuttgart im DFB-Pokal-Halbfinale alles rein, schieden in der Verlängerung auf brutale Art und Weise aus – inklusive Ärger über eine strittige Fehlentscheidung des Schiedsrichters. Jetzt richtet sich der Fokus auf das Europa-League-Halbfinale gegen Sporting Braga. Dort hat die Mannschaft von Julian Schuster die Chance, Historisches im internationelen Wettbewerb zu erreichen.

Borussia Dortmund: Kovac erreicht Minimalziel

Kovacs Mannschaft war an diesem Sonntag also in jeder Hinsicht die wachere und dominantere. Der eingewechselte Silva machte den Sieg perfekt (87.), der für den neuen Sportdirektor Ole Book Gold wert ist. Er darf nun offiziell mit den Einnahmen der Champions League (etwa 20 Millionen Euro allein Startprämie) planen. Zur Erinnerung: In der vergangenen Saison kämpfte der Pott-Klub bis zum letzten Spieltag um die Qualifikation. Kovac hat damit das Minimalziel erreicht. Jetzt sollen die verbleibenden Spiele gegen Borussia Mönchengladbach, Eintracht Frankfurt und Werder Bremen genutzt werden, um die Vizemeisterschaft klar zu machen. Der BVB hat einen Vorsprung von fünf Punkten auf RB Leipzig zu verteidigen.

Lesen Sie auch

Gegen harmlose Freiburger, die durch Lukas Kübler zumindest noch ein Abseitstor erzielten (56.), war das überhaupt kein Problem. Und keine Überraschung. In 25 Spielen in Dortmund siegte Freiburg bisher erst einmal (im Oktober 2001). Die nun vergangenen sechs Heimspiele gewann Borussia sogar mit mindestens drei Toren Vorsprung. Freiburg bleibt in Dortmund ein gefühltes Freilos. Da durfte in den Schlussminuten sogar der 16-jährige Mathis Albert sein Debüt feiern.