- Wer eine Wärmepumpe einbaut und eine alte Heizung stilllegt, bekommt mehr Heizungsförderung.
- Mit der Förderung ist eine Wärmepumpe kaum noch teurer als eine Ölheizung.
- Der Tausch einer neueren Gas- oder Ölheizung ist trotzdem nicht sinnvoll.
In Anbetracht der Anschaffungskosten erscheint der Einbau einer neuen Gas- oder Ölheizung zunächst einfacher und günstiger. Auf lange Sicht stimmt das aber nicht: Zum einen werden fossile Brennstoffe aufgrund des Emissionshandels künftig teurer. Zum anderen gibt es für Heizungen mit fossilen Brennstoffen keine Förderung. Jan Ossenbrink, promovierter Energieforscher und Mitbegründer des Wärmepumpen-Start-ups Vamo, erklärt die wichtigsten Zahlen aus der Praxis.
Kosten einer Wärmepumpe: Richtwerte für ein Einfamilienhaus
Pauschal beantworten lässt sich die Frage nach den Kosten einer Wärmepumpe nicht, denn neben Größe und Gebäudesubstanz spielt auch die Art der Wärmepumpe eine wichtige Rolle bei der Preisberechnung. Bei der Recherche zu den Kosten einer Luft-Wasser-Wärmepumpe finden Verbraucher daher meist Preisspannen: Der ADAC beziffert die Anschaffungskosten inklusive Montage auf 15.000 bis 40.000 Euro. Die Unternehmen Buderus und Bosch geben Preisspannen von 12.000 bis 30.000 Euro pro System an.

Ossenbrink nennt dagegen eine Spanne von 34.000 bis 36.000 Euro pro Wärmepumpe. In seiner Schätzung geht er von einem 160 Quadratmeter großen Haus aus den 60er- oder 70er-Jahren aus, das nicht aufwendig saniert ist. „In kleineren Gebäuden können die Anschaffungskosten auch unter 30.000 Euro liegen“, so der Experte.
Die Gesamtkosten für eine Wärmepumpe bestehen grob aus drei Teilen: Etwa ein Drittel des Preises entfällt auf den Marktwert der Wärmepumpe selbst, ein weiteres Drittel auf Zusatzmaterialien wie Rohre und Dämmung, und das letzte Drittel auf Montagekosten. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer, wobei viele Hersteller in ihren Online-Rechnern Bruttopreise angeben.
Welche Wärmepumpen gibt es?
Luft-Luft-Wärmepumpe: Diese Wärmepumpe entzieht der Außenluft die Wärme und leitet sie direkt über ein Luftverteilungssystem in die Innenräume. Die häufig auch als Klimaanlage bezeichneten Luft-Luft-Systeme sind nicht für die Warmwasseraufbereitung geeignet.
Luft-Wasser-Wärmepumpe: Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe nutzt ebenfalls die Außenluft als Wärmequelle, überträgt die gewonnene Energie jedoch an ein Heizwassersystem. Dieses versorgt dann Heizkörper oder eine Fußbodenheizung.
Sole-Wasser-Wärmepumpe: Die Wärmepumpe nutzt die im Erdreich gespeicherte Wärme, die über Sonden erschlossen wird. Weil die Temperatur im Boden ganzjährig relativ konstant ist, arbeiten Sole-Wasser-Wärmepumpen besonders effizient. Die Installation erfordert jedoch umfangreiche Erdarbeiten, was die Anschaffungskosten deutlich beeinflusst.
Zuschuss für Wärmepumpen: Dieser hohe Fördersatz sind möglich
Allerdings können Verbraucher durch staatliche Subventionen viel Geld beim Kauf einer Wärmepumpe einsparen. Ein größerer Teil der Kosten lässt sich in Deutschland über die staatliche Heizungsförderung finanzieren. „Die meisten unserer Kundinnen und Kunden bekommen 55 Prozent der Kosten über die Förderung zurück“, erklärt Ossenbrink.
Auch Joschka Pelzer, Energieberater der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, hält eine Heizungsförderung von 55 Prozent beim Großteil der Verbraucher für realistisch. Der Einkommensbonus von 30 Prozent für einkommensschwache Haushalte sei nur für eine kleine Gruppe interessant, deren versteuerndes Jahreseinkommen bei maximal 40.000 Euro liegt.
Insgesamt wären mit einem Fördersatz von 55 Prozent bei einer 30.000 Euro teuren Wärmepumpe also rund 16.500 Euro netto an Förderungen möglich. Mehr Informationen zu den Subventionen lesen Sie in unserem Ratgeber zur Förderung einer neuen Wärmepumpe.

So setzt sich die Heizungsförderung zusammen
Für jede Wärmepumpe ist eine Grundförderung von 30 Prozent möglich, sofern sie die allgemeinen Voraussetzungen dafür erfüllt. So muss der Antrag vor dem Einbau der Wärmepumpe bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) eingehen. Den Effizienzbonus gibt es für Wärmepumpen, die ein natürliches Kältemittel nutzen. Der Tauschbonus richtet sich an Verbraucher, die ihre alte Öl- oder Gasheizung ersetzen. Einen zusätzlichen Bonus sieht der Gesetzgeber für einkommensschwache Haushalte vor. Die maximal förderfähigen Kosten liegen allerdings bei 30.000 Euro.
| Förderung | Zuschuss in Prozent (%) |
|---|---|
| Grundförderung | 30 Prozent |
| Effizienzbonus | 5 Prozent |
| Geschwindigkeitsbonus | 20 Prozent |
| Einkommensbonus | 30 Prozent |
| Gesamtförderung | maximal 70 Prozent |
Wärmepumpe oder Ölheizung? Förderung fällt stark ins Gewicht
Setzt man für die neue Wärmepumpe 34.000 Euro an, können maximal 30.000 Euro als förderfähig geltend gemacht werden. Bei einem Fördersatz von 55 Prozent entspricht das einer Förderung von 16.500 Euro. Der Eigenanteil liegt damit bei 17.500 Euro.
Rechenbeispiel:
| Anschaffungskosten | Förderfähiger Anteil | Fördersatz | Förderung | Eigenanteil |
|---|---|---|---|---|
| 30.000 Euro | 30.000 Euro | 55 Prozent | 16.500 Euro | 13.500 Euro |
| 34.000 Euro | 30.000 Euro | 55 Prozent | 16.500 Euro | 17.500 Euro |
| 34.000 Euro | 30.000 Euro | 70 Prozent | 21.000 Euro | 13.000 Euro |
🛈 Hinweis: Der Einkommensbonus von 30 Prozent, der zur maximalen Förderung von 70 Prozent führt, gilt nur für Haushalte mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von unter 40.000 Euro. Die maximale Fördersumme beträgt maximal 21.000 Euro – unabhängig von den tatsächlichen Gesamtkosten. Gleich ist auch immer der förderfähige Anteil.
„So viel kostet auch eine umfassende Heizungsmodernisierung, wenn man bei Öl oder Gas bleibt“, sagt Ossenbrink. Die Modernisierung der Rohre, Pumpen und Dämmung verursache beispielsweise zusätzliche Kosten, da es oft nicht genüge, lediglich den Brenner zu ersetzen.
Auch Pelzer rät, die Kosten einer Wärmepumpe im Verhältnis zu jenen einer neuen Gas- oder Ölheizung zu betrachten. Durch den staatlichen Zuschuss von rund 50 Prozent seien die Kosten für eine Wärmepumpe und einer neuen fossilen Heizung fast identisch. „Für fossile Heizungen gibt es keine Förderung“, so der Experte.
| Wärmepumpe | Kosten in EUR |
| Luftwärmepumpe | circa 8000 bis 16.000 |
| Erdwärmepumpe | circa 12.000 bis 15.000 |
| Grundwasserwärmepumpe | circa 9000 bis 12.000 |
Energieprofi warnt: Trotz Förderung ist der Heizungstausch nicht sinnvoll
Auch auf lange Sicht fährt man mit der Wärmepumpe günstiger: Bei einer neuen Brennstoffheizung müssen Verbraucher auch den in den nächsten Jahren steigenden CO₂-Preis einkalkulieren. Die Experten sind sich einig: „Hier ist man auch schnell bei 15.000 Euro für eine neue Brennstoffheizung.“ Aufgrund des Ausbaus erneuerbarer Energiequellen rechnet Ossenbrink mit sinkenden Strompreisen. Hinzu komme langfristig die Effizienz der Wärmepumpe.
Dennoch lohnt sich der Umstieg nicht immer. Beide Experten raten, die Heizung erst dann zu tauschen, wenn sie aufgrund ihres Alters ineffizient arbeitet oder aufwendig repariert werden muss. Andernfalls könne es passieren, dass die Rechnung nicht aufgehe und Verbraucher möglicherweise nicht die volle Förderung erhielten.
Es ist nicht sinnvoll, eine sehr junge, funktionierende Ölheizung nur wegen der Umwelt oder den aktuell guten Förderbedingungen zu tauschen.
Joschka Pelzer, Ingenieur und Energieberater der Verbraucherzentrale NRW
„Für den 20-Prozent-Geschwindigkeitsbonus muss die Gasheizung mindestens 20 Jahre alt sein“, erklärt Pelzer. Bei Ölheizungen gebe es zwar keine Altersgrenze, aber „es ist nicht sinnvoll, eine sehr junge, funktionierende Ölheizung nur wegen der Umwelt oder den aktuell guten Förderbedingungen zu tauschen“, fügt der Experte hinzu.
Der Wechsel von der fossilen Heizung zur Wärmepumpe lohnt sich also nur dann, wenn ohnehin eine Heizungsmodernisierung ansteht. Neuere Öl- oder Gasheizungen, die etwa mit der Brennwerttechnik arbeiten, gelten als effizient und sollten daher nicht vorzeitig ausgetauscht werden.

Tipp vom Wärmepumpen-Profi: Nicht an der falschen Stelle sparen
Sich jetzt noch eine neue Öl- oder Gasheizung einbauen zu lassen, ergibt aus Ossenbrinks Sicht allerdings keinen Sinn: Zwar würden auch bei den Wärmepumpen noch Innovationen wie eine längere Lebensdauer und höhere Effizienz kommen, schon jetzt gebe es aber gute Produkte, deren Kosten sich über die Jahre amortisieren. „Wer jetzt richtig investiert, bekommt ein modernes Heizsystem, das 20 Jahre störungsfrei und günstig läuft“, sagt er.
Ein fataler Fehler sei, wenn eine Wärmepumpe aus Kostengründen zu klein oder zu groß ausgelegt werde, gibt Ossenbrink zu bedenken. Er warnt: „Das kann sich schon nach wenigen Jahren rächen, weil die Betriebskosten hoch sind und die Anlagen störanfällig werden oder sogar ausfallen.“
Ossenbrinks Tipp: nicht an der falschen Stelle sparen. Wichtig seien ein guter Service und eine Beratung im Vorfeld, denn die Wärmepumpe müsse sowohl zu den Gegebenheiten in einem Gebäude passen als auch korrekt auf die Bedürfnisse der Bewohner eingestellt sein. „In Bestandsgebäuden verbauen wir beispielsweise überwiegend Luft-Wasser-Wärmepumpen, die auch für die Warmwasseraufbereitung geeignet sind“, erklärt er.
Auch Pelzer empfiehlt eine individuelle Beratung im Vorfeld: „Das kann ein Energieberater oder ein erfahrener Handwerker sein“, sagt er. Verbraucher sollten sich mit der Thematik auseinandersetzen und sich nicht voreilig entscheiden, immerhin treffen sie mit dem Kauf einer Wärmepumpe eine Entscheidung für 15 bis 20 Jahre.
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Kostencheck: Sind Luft-Wasser- oder Sole-Wärmepumpe besser?
Die Kosten einer Wärmepumpe hängen stark von der Art der Pumpe ab. Luft-Wasser-Wärmepumpen gelten als Standardlösung. Effizienter, aber auch teurer, sind Erdwärmepumpen, auch Sole-Wasser-Wärmepumpen genannt. Diese nutzen die konstanten Temperaturen im Erdreich, was besonders im Winter vorteilhaft ist. Dieser Effizienzvorteil wird laut Ossenbrink aufgrund des Klimawandels aber von Jahr zu Jahr kleiner.
Sole-Wasser-Wärmepumpen können in Regionen mit sehr kalten Außentemperaturen oder bei gemeinschaftlicher Nutzung durch mehrere Haushalte sinnvoll sein. Dabei müssen jedoch die zusätzlichen Kosten für die erforderlichen Bohrungen berücksichtigt werden, die eine behördliche Genehmigung erfordern. Auch der erhöhte Installationsaufwand sollte in die Planung einbezogen werden.
Eine dritte Möglichkeit ist eine Luft-Luft-Wärmepumpe, oft als Klimaanlage bekannt. Der Einsatz einer Klimaanlage zum Heizen ist besonders für einzelne Räume geeignet. Diese Lösung ist kostengünstig und kann sowohl zum Heizen als auch zum Kühlen genutzt werden. Allerdings bietet sie keine Warmwasseraufbereitung und die Wärmeverteilung ist schwer zu steuern. Das kann in größeren Bereichen eine Herausforderung darstellen.



