Als Donald Trump 2024 zum zweiten Mal die US-Präsidentschaftswahl gewann, blickten viele Wahlforscher ungläubig auf die Zahlen. Trump hatte es geschafft, zahlreiche Latino-Wählerinnen und -Wähler auf seine Seite zu ziehen. Trotz seines teils offenen Rassismus und seines Versprechens, hart gegen Migranten vorzugehen, wählte eine ethnisch breite Koalition Trump ins Präsidentenamt.

Können die Republikaner bei den US-Midterms 2026 an diesen Erfolg anknüpfen oder erleben wir erneut eine Wählerwanderung? Und welche Rolle spielen die Stimmen der Latino-Wähler überhaupt?

Wie viele Wählerinnen und Wähler in den USA sind Latinos oder Hispanics?

Der Anteil der Menschen mit lateinamerikanischen Wurzeln an der US-Bevölkerung wächst seit Jahren. Laut den neuesten Daten des US-Zensus lebten 2024 rund 68 Millionen Menschen in den USA, die angeben, Latino und/oder Hispanic zu sein. Sie stellen damit rund 20 Prozent der Gesamtbevölkerung. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es noch 13 Prozent.

Der Zuwachs war lange vor allem auf die Migration aus Lateinamerika zurückzuführen. Inzwischen leben jedoch immer mehr Latinos in zweiter und dritter Generation in den USA – und sind folglich dort geboren. Das zeigt sich auch an der Staatsbürgerschaft. 2024 waren 79 Prozent der Latinos amerikanische Staatsbürger. Zwei Drittel wurden in den USA geboren, ergab eine Auswertung des Pew Research Center.

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Nur rund ein Drittel der Latinos ging bei den US-Midterms 2022 zur Wahl.© Anadolu/Getty Images | Getty Images

Wer keine Staatsbürgerschaft besitzt, wird auch keinen Einfluss auf die Midterms ausüben können. Hinzu kommt: Die Latino-Population in den USA ist relativ jung. 2024 waren schätzungsweise 32,8 Millionen Latinos im wahlfähigen Alter. Und: Nur rund die Hälfte von ihnen gab ihre Stimme ab. Bei den Midterms 2022 gingen sogar nur etwas mehr als ein Drittel zur Wahl. Je nach Erhebung unterscheiden sich diese Zahlen leicht. Etwa 10 bis 15 Prozent der Stimmen könnten bei den Midterms 2026 von Latino-Wählerinnen und Wählern kommen. Wie stark ihr Anteil ausfällt, hängt letztlich auch von ihrer Wahlbeteiligung ab.

Welche US-Bundesstaaten haben die größten Latino-Populationen?

Am größten dürfte der Einfluss der Latino-Wähler in Kalifornien sein. Dort lebten 2024 16,1 Millionen von ihnen, 12,6 Millionen weitere in Texas. Dahinter folgen Florida (6,7 Millionen), New York (4 Millionen) und Illinois (2,5 Millionen). Insgesamt leben mehr als 60 Prozent der US-Latinos in diesen fünf Staaten. Doch die Konzentration hat in den vergangenen Jahren nachgelassen. Latinos sind zunehmend im ganzen Land verteilt. Und je nach Größe des Bundesstaats kann sich auch eine geringe Anzahl bei der Wahl bemerkbar machen. Im ländlichen New Mexico etwa stellen Latinos rund die Hälfte der 2,1 Millionen Einwohner.

Wie haben Latinos bei der vergangenen Wahl abgestimmt?

2020 wählten 61 Prozent der Menschen mit lateinamerikanischen Wurzeln Joe Biden und 36 Prozent Trump. 2024 stimmten 48 Prozent für Trump und 51 Prozent für Kamala Harris. Der Vorsprung der Demokraten schmolz dramatisch. Ähnliche Bewegungen zeigten sich auch bei Schwarzen und US-Amerikanern asiatischer Abstammung. Das zeigt: Die ethnische Identität allein ist kein verlässlicher Indikator für die Wahlentscheidung eines Menschen.

Dass sich das Blatt schnell wenden kann, zeigen auch neue Umfragen unter Latinos. Einer von vier Trump-Wählern würde den US-Präsidenten nicht erneut wählen, hätte er die Möglichkeit. Das ergab eine Befragung im Auftrag von UnidosUS. Demnach sehen zwei Drittel den Präsidenten inzwischen kritisch. Und bereits 54 Prozent gaben an, bei den Midterms in ihrem District für die Demokraten stimmen zu wollen. 27 Prozent sagten das über die Republikaner. 19 Prozent waren noch unentschieden. Die Zahlen zeigen also: Die Demokraten haben die Chance, eine deutliche Mehrheit der Latinos zurückzugewinnen – aber rein rechnerisch wäre auch eine Aufholjagd für Trump und die Republikaner denkbar. Letztere scheint derzeit aber unwahrscheinlich.

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Bei den Protesten gegen den Einsatz der Einwanderungsbehörde ICE in US-Bundesstaaten gingen zahlreiche Menschen auf die Straße – darunter viele Latinos.© Getty Images via AFP | SPENCER PLATT

Wie zufrieden sind Latinos mit der Trump-Regierung?

Die Unzufriedenheit unter Latinos wächst laut Umfragen – vor allem wegen der wirtschaftlichen Lage. Wie unter allen Wählern sind die Lebenshaltungskosten das wichtigste politische Thema für sie. Trumps Zölle, der Krieg im Iran, Steuergeschenke für Reiche: Mehrere Entscheidungen der US-Regierung haben in den vergangenen zwei Jahren dazu geführt, dass sich die Inflation im Land hartnäckig hält. Das spüren die Wähler im Supermarkt und an der Zapfsäule – völlig egal, welcher Ethnie sie angehören. Die Demokraten haben das erkannt. „Affordability“ (dt. Bezahlbarkeit) ist das Top-Thema vieler ihrer Kandidaten im Wahlkampf.

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Hinzu kommt, dass Latinos unter Trump zunehmend zur Zielscheibe einer teils willkürlichen Abschiebepolitik geworden sind. Die Bilder von Beamten der Abschiebebehörde ICE, die Jagd auf Migranten machten, gingen um die Welt. Selbst Kinder gerieten in ihre Fänge. Im April gaben 58 Prozent der Latino-Wähler an, sie glaubten, dass ihre Bürgerrechte und Freiheit unter Trump zunehmend bedroht seien. Auch das könnte den Demokraten bei den Midterms helfen.