Miriam Scherff ist Wuppertals neue Oberbürgermeisterin. Fast Dreiviertel der Wuppertalerinnen und Wuppertaler, die zur Wahl gingen, haben die 36-Jährige Cronenbergerin gewählt. Das waren allerdings gar nicht mal so viele. Denn: Nur knapp ein Drittel ist dem Wahlaufruf gefolgt.

  • Wir haben uns für euch die Wahldaten näher angeschaut – und fünf Auffälligkeiten gefunden.

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1. Auffälligkeit: Wuppertal ist knallrot

Als Wuppertal am 14. September zum ersten Mal an die Wahlurne ging, konnte CDU-Kandidat Matthias Nocke wenigstens zwei Wahlbezirke für sich entscheiden: Uellendahl-Ost und Katernberg.

Beide Wahlbezirke gingen diesmal deutlich an Miriam Scherff.

  • In Uellendahl-Ost holte Scherff 67,90 Prozent, Matthias Nocke kam auf 32,10 Prozent.
  • Katernberg war Scherffs „schwächster“ Wahlbezirk: Hier kam sie auf 66,80 Prozent, Nocke auf 33,20 Prozent.

2. Auffälligkeit: Miriam Scherff (SPD) landet in Wuppertal einen Erdrutsch-Sieg

In keinem Wahlbezirk in Wuppertal erhielt Miriam Scherff weniger als 66 Prozent der Stimmen. Das heißt andersherum: Mindestens jeder Dritte, der wählen ging, stimmte in jedem Wahlbezirk für Scherff.

In den traditionell linken Wahlvierteln in Wuppertal, Höchsten und Hombüchel, waren es am meisten:

  • Hier kam Scherff auf 87,80 Prozent (Höchsten) und 86,80 Prozent (Hombüchel).

Dass die SPD-Kandidatin diese Wahlbezirke gewinnen würde, davon war auszugehen. In der Deutlichkeit jedoch überraschend.

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3. Auffälligkeit: Matthias Nocke holt in der Stichwahl weniger absolute Stimmen als bei der Kommunalwahl

Bei der Kommunalwahl in Wuppertal am 14. September stimmten absolut 29.185 Wuppertalerinnen und Wuppertaler für Matthias Nocke (CDU). Bei der OB-Stichwahl zwei Wochen später waren es gerade einmal 22.164 Menschen, die ihr Kreuz beim 62-Jährigen machten.

Kurz vor der Ergebnisverkündung auf der Wahlparty im Rathaus in Barmen fragte Radio-Wuppertal-Moderatorin Angela Wegener Wuppertals Noch-OB Uwe Schneidewind, was er glaube, wer die Wahl gewinne. Schneidewind antwortete nicht direkt auf die Frage, sagte aber, dass Matthias Nocke mit seinen viral gegangenen Aussagen gegenüber Scherff beste Mobilisierungsarbeit für seine Kontrahentin gemacht habe. Damit dürfte er recht haben.

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Besonders: Scherff erhielt bei der Stichwahl 65.142 absolute Stimmen. Wenn man die Stimmen für Dagmar Liste-Frinker (Grüne, 9.363 Stimmen) und Salvador Oberhaus (Die Linke, 7.765 Stimmen) zu Scherffs 41.595 Stimmen bei der Kommunalwahl am 14. September hinzuaddiert, fehlen immer noch welche.

  • Ohne es zu wissen, weil die Daten es nicht hergeben: Mit dem Hintergrund, dass Nocke Stimmen verloren hat, besteht durchaus die Möglichkeit, dass Nocke-Wähler vom 14. September zwei Wochen später ihr Kreuz bei Miriam Scherff gemacht haben.

4. Auffälligkeit: Die Wuppertaler Politik erreicht Oberbarmen nicht

Nicht einmal jeder fünfte Wahlberechtigte ging in Oberbarmen bei der Stichwahl in Wuppertal wählen. Nur 19 Prozent machten ihr Kreuz. Schon bei der Kommunalwahl am 14. September war Oberbarmen der Stadtteil, in dem die wenigsten Wuppertaler zur Wahl gingen.

  • Klar ist: Die Wuppertaler Politik erreicht diese Menschen aktuell nicht. Es wird auch Miriam Scherffs Aufgabe als neue Oberbürgermeisterin sein, Lösungen für die Probleme der Menschen in Oberbarmen zu finden.

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5. Auffälligkeit: Eine Stichwahl mobilisiert grundsätzlich weniger Wählerinnen und Wähler

Eine Überraschung ist es eigentlich nicht: Die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl (34,2 Prozent) in Wuppertal war deutlich niedriger als noch bei der Kommunalwahl (49,6 Prozent).

In jedem Stadtbezirk gingen zirka gleich wenige Menschen im Verhältnis zur Kommunalwahl zur Stichwahl. Die Prozentpunkte bewegen sich bei -16,9 (Ronsdorf) bis -14,0 (Oberbarmen) Prozent. Schon vor zwei Wochen sagte Politikwissenschaftler Detlef Sack mit uns im Interview:

  • „Bei Stichwahlen sinkt die Wahlbeteiligung in der Regel noch weiter. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass viele AfD-Wähler gar nicht mehr wählen gehen, weil sie sich von einem moderaten CDU-Kandidaten nicht repräsentiert sehen. Alles in allem gehen zur Stichwahlen nur noch die politisch Interessierten.“

Sack meint, das sei eine gefährliche Entwicklung für die Demokratie. Auch deswegen ist es so wichtig, die Menschen wie in Oberbarmen mit guter Politik wieder zu erreichen.