Die Zahlen sind alarmierend. Während es in Witten im Jahr 2025 bei Verkehrsunfällen weniger erwachsene Verletzte gab, stieg die Zahl bei Kindern und Jugendlichen binnen Jahresfrist von 42 auf 52. Was tun?

Täglich (außer Samstag)
Witten-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!
Nachrichten, Service, Reportagen: Jeden Tag wissen, was in unserer Stadt los ist.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Polizeisprecher Marco Bischoff weist zunächst auf die Ausgangslage hin: „Wir sind ein mobiles Land.“ Selbst im Krisenjahr 2025 hat der Ennepe-Ruhr-Kreis mehr Fahrzeuge als im Jahr zuvor registriert. Rund 269.000 sind es insgesamt. Mit der steigenden Zahl von Autos und Lastern, Motorrädern und Rollern wachse die Gefahr von Unfällen, heißt es.
Kitas und Grundschulen setzen auf Verkehrserziehung - Polizei hilft
Im Einzelfall kommt es allerdings durch Fehler der Beteiligten zu Kollisionen – ganz gleich, ob volljährig oder nicht. Was steckt dahinter, wenn Minderjährige Unfälle verursachen? Polizeisprecher Bischoff: „Kinder sind die schwächsten Verkehrsteilnehmer – und auch die Unerfahrensten.“ Ex-Verkehrsplaner Andreas Müller ergänzt: „Kinder sind oft unaufmerksam und kennen die Regeln nicht.“

Daran arbeiten Kitas wie Grundschulen. So findet dieser Tage, wie Schulleiterin Susanne Daum erklärt, Fahrradunterricht an der Bruchschule an der Ardeystraße statt – und nicht nur dort. Ex-Verkehrsplaner Müller: „Es gibt Kartenspiele für Verkehrszeichen und Verkehrsregeln. Die Kinder fragen sich gerne ab. An einigen Grundschulen gehören Apps zur Verkehrserziehung zur Ausstattung der elektronischen Pads.“
Warum Radfahren auf Wittens Gehwegen geübt werden muss
Die Polizei hilft bei Vorschulkindern mit spielerischer Verkehrserziehung – etwa per Puppenbühne. In der Kita steht das sichere Überqueren von Straßen im Vordergrund. Bei älteren Schulkindern spielen Vermittlung und Beachtung von Verkehrsregeln eine größere Rolle, wie Bischoff erläutert.

Müller nimmt, wie Bischoff, auch Eltern in die Pflicht. „Die Fahrradprüfung reicht noch nicht für die Wittener Schulwege: Schon Fahren auf dem Gehweg muss gelernt werden“, meint Müller. Das reiche von Einfahrten über Straßenquerung und Langsamfahrt bis hin zu Rücksichtnahme auf andere Verkehrsteilnehmer. Wichtig sei auch, Radwege stets in der vorgegebenen Richtung zu benutzen – gerade auf der Husemann- und Ruhrstraße in Richtung Bommern.
Wie Kids an Wittens Gerichtschule sicheres Radfahren lernen
Müller gibt bereitwillig Eltern Material an die Hand. Gemeinsam mit Kindern hat er inzwischen 18 Lehr-Videos gedreht. Sie sind online abrufbar: www.bikewitten.de.

Müller selbst setzt sich überdies aktiv für mehr Bike-Sicherheit ein: „Jeden Mittwochnachmittag bis zu den Sommerferien mache ich mit einem Sportpädagogen zusammen für zwölf Kinder der Gerichtsschule ein Fahrradtraining. Das läuft im Rahmen des Startchancen-Programms.“
Ex-Verkehrsplaner: Wo in Witten Handlungsbedarf besteht
Das Radexperte sieht zudem eine Verantwortung der Stadt. Demnach gibt es für ihn an vier Stellen Handlungsbedarf. Jede Schule brauche einen Schulwegeplan – und „Angaben, wo die Infrastruktur besser werden muss“. An der Otto-Schott-Gesamtschule sei ein Kreisel am Schwanenmarkt hilfreich. Eine Fahrradstraße von der Kurt-Schumacher-Straße bis Ledderken erhöhe die Sicherheit rund um AMG und Berufskolleg. Fürs Schiller-Gymnasium sollte laut Müller die Bahnhofstraße von Breite Straße bis Breddestraße freigegeben werden. Zudem erleichtere eine Brücke am S-Bahn-Bahnhof Annen Kids den Weg zu Bildungsquartier und Hallenbad.
Lesen Sie auch
Der Kampf für mehr Sicherheit von jungen Verkehrsteilnehmenden wird in Kürze sichtbar – bei der Fahrraddemo „Kidical Mass“ am Samstag, 9. Mai, 15.15 Uhr, auf dem Rathausplatz in Witten. Der Termin ist mit Blick auf den Umwelt-Wettbewerb „Stadtradeln“ gewählt, an dem sich erneut auch die Stadt Witten beteiligt. Der Event findet zum fünften Mal statt.

Dahinter steht diesmal das Elternpaar Manon und Alexey Schwarzmann (beide 29). Müller berät. Der ADFC gibt Geld. Die Schwarzmanns wünschen sich, dass Radfahrende gerade in der City besser geschützt sind. Ihre drei Kinder, sagt Manon Schwarzmann, sollen später zur Schule radeln. Unausgesprochene Botschaft: Mehr radelnde Kinder bedeuten weniger Elterntaxis.




