Der Iran-Krieg hat – nun ja – die Sprit-Preise explodieren lassen. Ist die Auto-Nation Deutschland den Mineralölkonzernen hilflos ausgeliefert? WAZ-Redakteur Jürgen Overkott sagt: Nein. Er lässt das Auto stehen. Stattdessen geht’s mit dem Rad von Dortmund nach Witten. Mit einer Sache indes hatte Overkott nicht gerechnet. Hier ist sein Bericht.

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Mein Arbeitsweg ist 17,5 Kilometer lang, von Tür zu Tür. Dafür kalkulierte ich, Parkplatzsuche inklusive, 45 Minuten ein, im Advent eine Stunde. Die Fahrten sind nicht immer ein Vergnügen. Der erste und der letzte Kilometer sind oft quälend lang. In Dortmund nervt die B 1, und die Wittener Innenstadt hat viele schmale Straßen und zugleich nur wenige Parkplätze. Würde es mit dem Rad besser sein?
Auf dem Weg zum Phoenixsee: Autofahrer gewähren Vorfahrt
Die Infrastruktur ist gut. Ich wohne am Rand der Dortmunder Innenstadt. Von dort aus bin ich schnell am Phoenixsee. Die Autofahrer auf dem Weg dorthin sind überraschend milde gestimmt. Sogar sonst notorisch gestresste Fahrer von Kleintransportern gewähren mir bereitwillig Vorfahrt. Weiter geht’s am Rombergpark vorbei nach Kirchhörde. Dort wartet eine Überraschung auf mich.
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Am Bahnhof Kirchhörde beginnt der Radweg Rheinischer Esel. Er ist eine Art Fahrrad-Autobahn vom Dortmunder Westen quer durchs Wittener Stadtgebiet bis zum Bochumer Stadtteil Langendreer. Normalerweise. Doch seit Anfang Oktober lässt die Stadt Dortmund den Abschnitt vom Bahnhof Kirchhörde bis zur Wittener Stadtgrenze erneuern. Die Piste wird asphaltiert. Eigentlich sollten die Bauarbeiten bereits im Februar beendet sein. Daraus ist nichts geworden. Augenscheinlich braucht die ausführende Firma noch eine ganze Weile. Was heißt das?

Bauarbeiten am Rheinischen Esel dauern länger als geplant
Für mich steht auf dem Weg nach Witten die berühmte Extrameile an: Straße statt Radweg. Zehn Minuten kommen obendrauf. Unterm Strich sind‘s 70 Minuten.
Geschenkt. Aktuell herrscht lauer Lenz. Das Rad rollt wie von selbst. Da die Morgentemperaturen noch niedrig sind, komme ich in einem sozialverträglichen Zustand an der Redaktion an. Gut drauf bin ich sowieso. Die Sonne steigert die Stimmung. Vitamin D gibt’s gratis dazu.
Frühlingswetter: Mehr Leute als sonst beruflich per Rad unterwegs
Noch etwas sorgt für gute Laune. Mit dem Auto fühle ich mich bei der Parkplatzsuche vor allem in der Weihnachtszeit an Zeilen von Herbert Grönemeyer erinnert: Ich drehe schon seit Stunden hier so meine Runden, es dröhnen die Motoren, es klingeln meine Ohren. Damit habe ich als Radfahrer null Probleme. Mein Parkplatz ist im Haus.
Zugegeben, die Idee, von vier auf zwei Räder umzusatteln, stammt keineswegs von mir. Schon vor Tagen ist mir auf den großen Radwegen in der Region aufgefallen, wie viele Leute zu Arbeit, Schule oder Kita fahren, mit Akku-Unterstützung oder ohne. Kindersitze wie Kurierrucksäcke oder Seitenpacktaschen sprechen eine deutliche Sprache. Hobby-Sportler sind offenkundig vor allem am Wochenende unterwegs.
Wetter und zunehmende Tageslänge begünstigen Fahrten per Rad
Ich indes bin Job-Radler. Die erste Testfahrt ist gelungen – auch weil das Wetter mitspielt. Wie es aussieht, bleibt es im Wesentlichen noch eine Weile so, wie es ist. Auch die gerade zunehmende Tageslänge begünstigt Dienstfahrten. Doch was ist, wenn’s wieder kalt, nass und dunkel wird?
Nicht nur, aber auch deswegen hoffe ich, dass der Krieg und die Spritpreis-Hysterie bald Geschichte sind. Dennoch bleibt eine Erkenntnis: Das Rad kann eine Alternative zum Auto sein. Auf zwei Rädern spare ich Sprit. Die Energie, die ich brauche, wächst nach.




